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Milliardenschwerer Verlust

Stahlharte Zeiten für ThyssenKrupp

Der größte deutsche Stahlkonzern lässt seine Aktionäre diesmal leer ausgehen. Schließlich muss der Dax-Konzern im Geschäftsjahr 2011/12 den höchsten Verlust der Unternehmensgeschichte verschmerzen.

Abstich im ThyssenKrupp-Hüttenwerk in Duisburg

ThyssenKrupp verbrennt fünf Milliarden Euro

Insgesamt belaufe sich der Fehlbetrag für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr auf fünf Milliarden Euro, teilte der Industrie- und Stahlkonzern gestern nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Damit hätten sich die Verluste gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 3,2 Milliarden Euro erhöht.

Entsprechend heftig fiel die Reaktion an der Börse aus: Die Aktie von ThyssenKrupp sackte am Morgen um rund drei Prozent ab, konnte sich aber im Lauf des Tages erholen und ist mittlerweile mit einem Plus von weit über sechs Prozent mit Abstand stärkster Wert im Dax.

Das begründet der Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel unter anderem damit, dass die Abschreibungen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro auf die Stahlwerke in den USA und Brasilien geringer ausgefallen seien als befürchtet. Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade kritisiert allerdings: "Mir stellt sich die Frage, warum erst jetzt der Abschreibungsbedarf so offenkundig zutage getreten ist und dem Management dieser Fehltritt nicht schon früher aufgefallen ist." Bereits im Geschäftsjahr 2010/11 hatten milliardenschwere Abschreibungen auf diese Stahlwerke den hoch verschuldeten Konzern in die roten Zahlen getrieben.

Aktionäre sehen in die Röhre

Für andere Börsianer war die gestrichene Dividende eine böse Überraschung. Denn zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte lässt ThyssenKrupp seine Aktionäre für das Jahr 2011/12 leer ausgehen, nachdem sie im Jahr davor noch 45 Cent je Aktie erhalten hatten.

ThyssenKrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15.02
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Wer ist für dieses finanzielle Desaster verantwortlich? Diese Frage muss sich das Management gefallen lassen, dabei ist man bereits von Korruptionsvorwürfen schwer gebeutelt. Zudem kommen auf den Konzern ein Prozess wegen illegaler Kartellabsprachen und Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe zu. Der Aufsichtsrat hat bereits erste Konsequenzen gezogen und die Hälfte des Vorstands entlassen. Die Vorstandsmitglieder Jürgen Claassen, Olaf Berlien und Edwin Eichler werden zum Jahresende gehen.

Seilschaften wichtiger als unternehmerischer Erfolg

"Wir etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Leistungsorientierung basiert," betonte Konzernchef Heinrich Hiesinger heute auf einer Pressekonferenz in Essen. Man habe bei Kunden, Aktionären und Mitarbeitern viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren. Beides müsse man zurückgewinnen.

Mit dem früheren Management rechnete Hiesinger rigoros ab: "Ich werde hier nichts beschönigen. Es ist offensichtlich, dass in der Vergangenheit sehr viel schiefgelaufen ist", gab er unumwunden zu. Es habe bisher ein Führungsverständnis gegeben, in dem Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger gewesen seien als unternehmerischer Erfolg. Fehlentwicklungen seien lieber verschwiegen als korrigiert worden. "Und es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten", fügte der Vorstandschef hinzu.

Hiesinger möchte die defizitären Werke in den USA und Brasilien rasch abstoßen und so in den kommenden drei Jahren weitere zwei Milliarden Euro einsparen. Im laufenden Geschäftsjahr peilt er ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund einer Milliarde Euro an. Das liegt weit unter den Markterwartungen.

Auch Aufsichtsratchef Cromme in der Kritik

Die derzeitigen Personalveränderungen gehen manchen nicht weit genug. "Bislang ist der Neuanfang offenbar auf den Vorstand beschränkt. Dabei braucht das Unternehmen einen tiefgreifenden Kulturwandel. Ohne eine offene Diskussion auch über die Rolle von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wird das nicht funktionieren", erklärte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Auch der Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre macht Cromme für die Schwierigkeiten mitverantwortlich und fordert seinen Rücktritt. Falls der frühere KruppHoesch-Chef von den Unregelmäßigkeiten gewusst habe, müsse er zurücktreten, falls nicht, habe er sich als unfähig erwiesen.