Hingucker der Woche

Wochenausblick Spannung vor neuen Konjunkturdaten

Stand: 02.07.2017, 12:30 Uhr

Die Berichtssaison der Unternehmen lässt noch auf sich warten. Der Blick der Börse geht daher in der kommenden Woche in Richtung zahlreicher Konjunkturdaten. Sie könnten einige Brisanz bergen.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
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Denn die Anleger sind stets begierig darauf mehr darüber zu erfahren, wie es mit der Zinspolitik der Notenbanken weitergeht. Kaum eine andere Entwicklung wird neben den Zahlen der Unternehmen an den Märkten so genau betrachtet und analysiert. Und sowohl aus Europa als auch aus den USA werden zahlreiche dieser Zahlen in der kommenden Woche erwartet.

Zinsängste nehmen auch in Europa zu

Roter Würfel mit Prozentzeichen mit angelehnter Leiter schwimmt im Wasser

Prozente. | Bildquelle: colourbox.de

Während in Amerika die Entwicklung schon länger in Richtung einer moderaten Anhebung der Zinsen geht, steigt die Erwartungshaltung der Anleger nun auch in Europa. Spätestens seit sich EZB-Chef Mario Draghi zuletzt positiv zur Konjunkturentwicklung in der Eurozone geäußert hat. Auch wenn unmittelbare Zinsschritte der EZB wohl noch in weiter Ferne liegen, die Börse nimmt die Signale schon jetzt auf.

EZB-Präsident Mario Draghi bei einer Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank am 08.06.2017 in Tallinn (Estland)

Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / Arno Mikkor/Europäische Zentralbank/dpa

Und ist besorgt, denn nicht zuletzt das scheinbar unbegrenzt vorhandene billige Geld hat Aktien- und Rentenkurse auf bisher nie gekannte Höhen katapultiert. Euro-Zinspapiere bester Bonität boten (und bieten immer noch) so gut wie keine Rendite, Aktien sind in einer solchen Konstellation gefragt. Einen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte, wenn die Börse Zinssteigerungen erwartet, brachte bereits die vergangene Woche. Der Dax verlor in der abgelaufenen Woche immerhin 3,21 Prozent, im Juni ging es dabei 2,0 Prozent bergab. "Die Korrekturphase für Aktien hat erst begonnen", mahnte Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat erst am Wochenende zu verstehen gegeben, dass die EZB sich auf eine Normalisierung ihrer Zinspolitik vorbereitet. Eine weitere aus Börsensicht negative Nebenwirkung ist die Aufwertung des Euro, der sich bei dieser Konstellation fortsetzen könnte.

Was macht die Konjunktur?

Eigentlich sollten sich die Anleger ja freuen, wenn auch in Europa die wirtschaftlichen Auftriebskräfte endlich wieder die Oberhand gewinnen. Das ist allerdings eher eine mittelfristige Sichtweise, kurzfristig überwiegen nun mal die Zinssorgen. In den kommenden Woche kommen aus der Eurozone zahlreiche Konjunkturdaten, die unter diesem Blickwinkel aufgenommen werden dürften.

Blick auf den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und den Main

Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

So der EZB-Juni-Monatsbericht und die Mai-Arbeitslosenzahlen am Montag. Zudem kommen aus den einzelnen EU-Staaten zahlreiche weitere Veröffentlichungen zu den Einkaufsmanagerindizes (PMI) der Dienstleister und zu den Einzelhandelsumsätzen. In Deutschland dürfte der Auftragseingang der Industrie im Mai am Donnerstag und die Industrieproduktion am Freitag für Interesse sorgen. Zudem wird, ebenfalls am Donnerstag, das EZB-Sitzungsprotokoll veröffentlicht.

USA: Arbeitsmarktbericht am Freitag

Europäische Daten werden zwar wieder interessanter, die neuesten Daten aus den USA dürften aber wie immer marktbewegend sein. In der verkürzten amerikanischen Handelswoche (der 4. Juli ist der Nationalfeiertag, die Börsen bleiben geschlossen), steht vor allem der offizielle Arbeitsmarktbericht für den Juni im Blick.

usa arbeitsmarkt arbeitslosenzahlen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. | Quelle: picture-alliance/dpa

Ein wichtiges Datum im Hinblick darauf, ob die Fed wirklich drei Zinserhöhungen in diesem Jahr auf den Weg bringt, wie bisher angekündigt. Allerdings läuft die Wirtschaft in den USA recht gut, so dass die Optimisten bereits am Montag auf den ISM-Einkaufsmanagetinxex im Juni setzen. In den Vereinigten Staaten zeige der Beschäftigungstrend weiter klar nach oben, schrieben die Analysten der Postbank.

Asien und Öl

Auch ein Blick nach Asien könnte sich lohnen. In der Nacht zu Montag wird in Japan der Tankan-Bericht für das zweite Quartal erwartet, der Konjunkturbericht der Bank of Japan, der an den Märkten stets beachtet wird. In China kommt in der Nacht zu Mittwoch der private Caixin-PMI für die Dienstleistungen im Juni.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Stets im Blick bleibt auch ein anderer, weltweiter "Konjunkturindikator" - der Ölpreis. Geht der Ausverkauf angesichts weltweiter Überproduktion weiter? Zu weit darf der Preis aus Sicht der Börse dabei besser nicht fallen, denn das würde als globale Konjunkturschwäche interpretiert werden - und nicht nur einfach als normales Spiel zwischen Angebot und Nachfrage. Ein Dauerthema, dass die weltweiten Märkte noch länger beschäftigen dürfte.

Unternehmenssektor - Fehlanzeige

Einige Investoren, besonders aber wohl die Bullen, sehnen sich die neuen Zahlen zum Halbjahr beziehungsweise dem zweiten Quartal, angesichts des eingetrübten Umfeldes herbei. Aber Vorsicht, der Schuss kann auch nach hinten losgehen, wie die überraschende Bayer-Gewinnwarnung gezeigt hat. In der kommenden Woche ist aber noch Funkstille, es gibt fast keine terminierten Termine. Aus dem SDax wird lediglich der IT-Leasing-Spezialist Genke Zahlen zum Neugeschäft präsentieren, zudem präsentieren einige Fluglinien ihre Monatsstatistiken. Auch aus den USA kommen keine nennenswerten Quartalszahlen.

Politisch steht das G20-Treffen am Freitag und Samstag in Hamburg auf der Agenda. Unter deutschem Vorsitz erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel auch US-Präsident Donald Trump - und der ist ja bekanntlich immer für eine Überraschung gut.

rm

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