Snapchat Geister-Logo flieht aus gelbem App-Icon auf einem Smartphone-Display

Ende der Schonzeit Snapchat: Aktie zum Abschuss freigegeben

von Angela Göpfert

Stand: 07.03.2017, 07:53 Uhr

Das ging aber schnell: Die Snap-Aktie ist nur zwei Tage nach ihrem Börsendebüt unter ihren Startpreis gefallen. Und laut Analysten ist da noch ordentlich Luft nach unten.

Das Papier rutschte am Montag um 12,3 Prozent ab auf 23,77 Dollar – und fiel damit unter den ersten Kurs vom vergangenen Donnerstag (24,50 Dollar). Am Freitag war es noch bis auf 29,44 Dollar geklettert.

Geschäftsmodell mit Fragezeichen

Zuvor hatten zahlreiche Analysten ernsthafte Sorgen bezüglich des Kunden-Wachstums und der Bewertung der Snap-Aktie geäußert. Einige verwiesen auch auf die harte Konkurrenz von Facebook mit seinen Plattformen Instagram und WhatsApp.

Andere argumentierten, dass Snapchat nur über eine Einkommensquelle verfügt, nämlich Werbung, und das auch erst seit Oktober 2016.

"Kurzlebiges" Geschäftsmodell?

Snapchat ist ein relativ junger Neuzugang unter den sozialen Medien und vor allem bei Teenagern und Millennials beliebt – wegen seiner "Kurzlebigkeit": An Freunde mit Snapchat versandte Fotos, Videos und Textnachrichten verschwinden binnen kürzester Zeit.

Mit diesem Geschäftsmodell stellt Snapchat tatsächlich eine ernst zu nehmende Konkurrenz für viele "traditionelle" soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter dar. Mit mehr als 150 Millionen täglichen Nutzern ist Snapchat eine attraktive Werbeplattform.

Die Snapchat-Gründer verkündeten zum Börsengang, Snap verstehe sich als eine Kamera-Firma. Sie verkauften in den USA eine Sonnenbrille mit eingebauter Kamera.

Aktie nur 10 Dollar wert?

Überdies spreche Snapchat nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Bevölkerung an. Das sei in der Summe kein Geschäftsmodell, mit dem man an der Börse nachhaltig Erfolg haben könne.

"Die Snap-Aktie ist deutlich überbewertet", betonte daher Brian Wieser, Analyst der Pivotal Research Group, bereits am Donnerstag. "Wir bewerten Snap bei 10 Dollar je Aktie."

Da kann man ja gleich Lotto spielen?!

»Je sexier und glamouröser das Börsendebüt eines Unternehmens verläuft, desto größer ist die Gefahr, dass die Aktie am ersten Handelstag zu hoch bewertet ist.«

Laura Martin, Analystin bei Needham

Martin beschreibt Snap als eine "Lotto-ähnliche" Aktie. "Manchmal zahlen sich Lotto-Scheine tatsächlich aus." Doch eine genaue Untersuchung von Snaps Geschäftsmodell deute eher in die andere Richtung.

Snapchat-Gründer und CEO Evan Spiegel

Er hat immer noch gut lachen: Snapchat-Gründer Evan Spiegel . | Bildquelle: picture alliance/AP Images

Snap hat es besonders eilig

Tatsächlich geht Snap jetzt offenbar den Weg, den jedes "heiße IPO" irgendwann einmal gehen muss. Doch das Unternehmen beschreitet diesen Weg unglaublich schnell.

Im statistischen Schnitt toppt eine solche Aktie nämlich erst nach 38 Handelstagen, heißt es in einer aktuellen Studie von Nautilus Investment Research über die 20 größten Börsengänge.

Übrigens: Die gleiche Studie zeigt auch, dass sowohl die Altaktionäre als auch die das IPO begleitenden Investmentbanken in der Vergangenheit ziemlich gut darin waren, nahe des Aktienhöchstkurses zu verkaufen.

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Drei heiße IPOs, drei Kursstürze Da werden Erinnerungen wach…

Fallender Daxkurs vor Twitter-Logo

Twitter

Die Twitter-Aktie startete im November 2013 bei 45,10 Dollar – 73 Prozent über ihrem Ausgabepreis von 26 Dollar. Sie toppte zwei Monate später bei 74,73 Dollar und fiel unter ihren Ausgabepreis.

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