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Gewinnprognose gesenkt

Siemens steckt zurück

Es läuft nicht so gut für den Technologiekonzern. Viele hausgemachte Probleme knabbern am Gewinn und Umsatz. Außerdem bleibt der Rückenwind aus China aus. Deshalb schraubt Siemens seine Umsatz- und Jahresziele zurück.

Siemens-Schriftzug an einem Gebäude der Siemens AG in München

siemens 1408 . | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Formulierung klingt reichlich verschraubt: Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft werde sich dem unteren Bereich der ursprünglich angepeilten Spanne von 4,5 bis 5,0 Milliarden Euro "von unten annähern". Heißt so viel wie: Der Gewinn wird bestenfalls 4,5 Milliarden erreichen, gut möglich, dass er auch geringer ausfällt. Im vorigen Geschäftsjahr hatte Siemens noch 5,2 Milliarden Überschuss erwirtschaftet.

Statt einem einigermaßen stabilem Umsatz, der im Vorjahr bei 78,5 Milliarden Euro lag, hält der Dax-Konzern nun moderate Einnahmerückgänge für wahrscheinlicher, also drei bis fünf Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr.

Probleme sind hausgemacht

Siemens leidet vor allem unter hausgemachten Problemen. Verspätete Zuglieferungen etwa an die Deutsche Bahn knabberten 161 Millionen Euro vom Gewinn des zweiten Geschäftsquartals. Für die Probleme beim Anschluss von Windparks auf hoher See verbuchte Siemens 84 Millionen Euro Kosten.

Der Jahresgewinn wird zudem noch durch die verlustreiche Solarsparte belastet. Den Bereich wird Siemens nicht so schnell los wird wie erwartet und muss ihn daher wieder zurück in das Tagesgeschäft buchen. Das dürfte das Jahresergebnis 2012/13 mit etwa einer halben Milliarde Euro belasten.

Der Weltmotor fehlt

Siemens sieht Probleme aber auch außerhalb des Konzerns. Der Welt fehle ein Wachstumsmotor, sagte Vorstandschef Peter Löscher "Bloomberg-TV". Der Blick auf das zweite Halbjahr verheiße nur ein flaues Geschäft.

Im abgelaufenen Quartal konnte Siemens den Gewinn aber stabil halten. Dank der Gemeinschaftstochter Nokia Siemens Networks blieben mit 982 Millionen Euro in etwa so viel hängen wie vor einem Jahr. Der Umsatz schrumpfte wegen der schwachen Industrienachfrage um sieben Prozent auf 18 Milliarden Euro.

China bestellt nicht mehr so viel

Besonders das frühzyklische Industriegeschäft, also etwa Automatisierungs- und Antriebskomponenten, schwächelte. Der Rückenwind vor allem aus China blieb aus. In den vormals so wachstumsstarken Schwellenländern schrumpfte der Siemens-Umsatz um vier Prozent. Aber auch in Amerika lief es mau und in Europa schrumpfte der Umsatz moderat.

Dank zweier Großbestellungen sind die Orderbücher aber weiter gut gefüllt. Die Bestellungen schnellten zwischen Januar und März überraschend stark nach oben: um ein Fünftel auf 21,45 Milliarden Euro. Im gesamten Geschäftsjahr sollen sie um drei bis fünf Prozent zulegen.

Hat die Siemens-Aktie Potenzial?

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktie verliert im vorbörslichen Handel nur moderat um ein Prozent. Analysten und Beobachter hatten eine Kappung der Jahresziele bereits befürchtet. Die Privatbank Berenberg hob das Kursziel für Siemens sogar an, von 94,00 auf 94,50 Euro, und erneuerte ihre Kaufempfehlung. Ab dem zweiten Halbjahr 2013 dürften sich wieder klare Wachstumstrends in den wichtigen Endmärkten der Investitionsgüterindustrie etablieren, schrieb Analyst William Mackie in einer Branchenstudie vom Donnerstag.

Unter den Sektorwerten zählen unter anderem Siemens, Volvo, Philips und Deutz zu seinen präferierten "Top Picks". Siemens überzeuge mit globaler Führerschaft in Wachstumsmärkten und dem Potenzial durch den Portfolioumbau. Zudem sollten die geplanten Kostensenkungen die Profitabilität steigern.

bs

Stand: 02.05.2013, 08:34 Uhr

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