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Industrie

Rote Osram-Schriftzüge

Gescheitertes Votum auf der HV

Siemens scheitert bei Osram

Stand: 16.02.2016, 15:44 Uhr

Die neue Osram-Strategie gefällt dem Großaktionär Siemens überhaupt nicht. Deshalb hat der Industriekonzern gegen die Entlastung des Vorstandschefs Berlien gestimmt. Doch der kann sich mit einem schwachen Ergebnis zunächst halten.

Mit einem Aufschlag von zeitweise fast acht Prozent führte die Osram-Aktie den MDax zunächst mit großem Vorsprung an. Siemens hatte offenbar den Nerv vieler Aktionäre getroffen: Der Großaktionär vertraut Vorstandschef Olaf Berlien nicht mehr und stimmte auf der heutigen Hauptversammlung gegen seine Entlastung.

"Die Aktien sind in Reaktion auf die neue Strategie von Berlien um rund 30 Prozent abgerutscht - nun kommt neue Hoffnung auf eine Erholung auf", sagte ein Händler vor der Abstimmung. "Mit Berlien könnte auch die neue Strategie gehen."

Allerdings haben sich einige Anleger wohl zu früh gefreut. Berlien wurde trotz des Widerstands von Siemens mit 70,1 Prozent entlastet. Das ist zwar im Vergleich zu den sonst üblichen Entlastungsquoten von 90 Prozent und mehr ein schwaches Ergebnis, doch genug für den Vorstandschef, um zunächst im Amt zu bleiben. Die Osram-Aktien gaben nach der Abstimmung mehr als die Hälfte ihrer Gewinne wieder ab.

260 Millionen Euro vernichtet

Joe Kaeser, Siemens

Joe Kaeser. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hintergrund ist ein Streit über die Ausrichtung des Leuchtmittelherstellers. Das traditionelle Lampen- und Leuchtröhrengeschäft soll abgespalten werden. Berlien will Osram stark auf die Produktion von LED-Chips ausrichten. Berlien hatte im November überraschend angekündigt, in Malaysia für eine Milliarde Euro eine LED-Fabrik zu bauen, die Leuchtdioden für den Massenmarkt herstellt. Das sieht Siemens-Chef Joe Kaeser äußerst kritisch.

Der Aktienkurs war nach der Ankündigung um rund ein Drittel eingebrochen. Kaeser hatte kritisiert, durch den überraschenden Strategiewechsel habe der Hauptaktionär über Nacht 260 Millionen Euro verloren.

"Beträchtliches Klumpenrisiko"

Berlien habe mit seinem Strategiewechsel Börsenwert vernichtet und das Risikoprofil des Licht-Konzerns deutlich erhöht, sagte Siemens-Vertreter Christian Bleiweiß auf der Aktionärsversammlung. Bleiweiß fand klare Worte: Der Bau einer der LED-Fabrik in Malaysia ergebe ein beträchtliches Klumpenrisiko.

Die strategische Hinführung der Investoren auf den Strategiewechsel und die Ankündigung seien mangelhaft gewesen, befand Bleiweiß. Außerdem habe Berlien den Konzern nicht mit der notwendigen Vorsicht und Umsicht gelenkt.

Auch Lob für Berlien

Olaf Berlien, designierter Osram-CEO

Olaf Berlien. | Bildquelle: Unternehmen

Berlien sagte, bei Autolampen sei Osram Weltmarktführer – aber sich darauf auszuruhen, hätte die Zukunft des Konzerns gefährdet. Die hochwertigen LEDs für Autos und die Industrie würden von billigen Massen-LEDs verdrängt, deshalb müsse das Unternehmen auch dort mitspielen. Osram erschließe durch den Bau der neuen Fabrik für LEDs für den Massenmarkt neue Wachstumspotenziale.

Deutsche-Bank-Fondsmanager Tim Albrecht lobte: "Heute befindet sich Osram in einer blendenden Verfassung." Die Halbleitersparte mache glänzende Profite, der Konzern sei schuldenfrei und der Aktienkurs habe sich besser entwickelt als der MDax. Ob der überraschende Gang aus der Nische richtig sei, "ob es sich um Mut oder Übermut handelt, wird die Zukunft zeigen".

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Rechtliche Folgen über den Vertrauensschaden hinaus muss eine Verweigerung der Entlastung nicht haben. Nach § 120 Absatz II des Aktiengesetzes billigt die Hauptversammlung durch die Entlastung die Verwaltung der Gesellschaft durch die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats. Das Vorenthalten der Entlastung kann den Aufsichtsrat nach § 84 Absatz III aber zur Abberufung von Vorstandsmitgliedern berechtigen.

Osram-Anteile verschenkt    

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Siemens hält noch 17,5 Prozent an Osram. Die Mehrheit an der Tochter hatte Siemens 2013 an die eigenen Aktionäre verschenkt: Nach einem gescheiterten Anlauf von Osram an die Börse hatte Siemens entschieden, 80,5 Prozent der Aktien der Tochter einfach in die Depots der Siemens-Aktionäre zu buchen. Aktionäre erhielten für je zehn Papiere eine Osram-Aktie. Siemens wollte das Unternehmen unbedingt loswerden, da Osram mitten in einem tiefgreifenden und teuren Umbau steckte. Mit 24 Euro war die Aktie an der Börse gestartet.

Insgesamt hat sich der Osram-Börsenkurs deutlich besser entwickelt, als viele, vermutlich auch das Siemens-Management, gedacht hatten. Vielleicht rührt daher das intensive Interesse am ehemaligen Konzernteil. Vom Höchststand im November bei mehr als 50 Euro ist die Aktie zwar weit entfernt. Seit Jahresbeginn hat sich das Papier aber in einem turbulenten Marktumfeld gut behauptet.

ts

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