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Industrie

Siemens-Zentrale in München

Milliardenzukauf in Amerika

Siemens geht bei Dresser Rand in die Vollen

Stand: 22.09.2014, 09:17 Uhr

Die Spatzen haben es schon von den Dächern gepfiffen, jetzt kommt die Bestätigung. Siemens legt 7,6 Milliarden Dollar auf den Tisch und übernimmt das US-Unternehmen Dresser Rand. Gleichzeitig verkaufen die Münchner ihren Anteil an der gemeinsamen Hausgerätesparte an Bosch für drei Milliarden Euro.

Es gibt also mächtig Bewegung im Siemens-Portfolio. Seit am Donnerstag das Interesse des Schweizer Konkurrenten Sulzer mit Ex-Siemens-Chef Peter Löscher an der Spitze an Dresser Rand bekannt geworden war, brodelt die Gerüchteküche. Zuletzt hieß es sogar, dass auch Siemens-Erzrivale General Electric an Dresser Rand interessiert sei.

Denn über eines sind sich Analysten und Branchenbeobachter einig: ein Zukauf des amerikanischen Öl-und Gastechnik-Spezialisten ist eine perfekte Ehe. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Dresser Rand bereits zuvor als eine attraktive Adresse rausgeguckt. Damit ist die kurze, aber heftige Bieterschlacht um Dresser Rand zu Ende.

Jetzt werden 83 Dollar je Aktie oder 7,6 Milliarden Dollar geboten (rund 5,8 Milliarden Euro). Wie in der Nacht bekannt wurde, unterstützt der Verwaltungsrat der Amerikaner den Deal und empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Siemens rechnet damit, dass die Übernahme bis zum Sommer 2015 abgeschlossen ist.

Milliardenverkauf an Bosch

Gleichzeitig mit dem Zukauf in Amerika zieht sich Siemens aus einem Bereich zurück, der vor allem beim heimischen Verbraucher für fast ein halbes Jahrhundert zum Markenzeichen geworden war. Der 50-prozentige Anteile an der zusammen mit Bosch gegründeten Hausgerätertocher BSH geht für drei Milliarden Euro komplett an Bosch. Vor der Transaktion wird aber noch abgerechnet: beide Unternehmen erhalten noch eine Ausschüttung von 250 Millionen Euro. Mit dem Abschluss des Geschäftes wird im ersten Kalenderhalbjahr 2015 gerechnet.

Großauftrag aus San Francisco

Vor dem Hintergrund der milliardenschweren Portfolioumschichtungen wäre fast der größte Auftrag untergegangen, den Siemens für den amerikanischen Nahverkehr je erhalten hat. Die Verkehrsbehörde von San Francisco hat nämlich insgesamt 175 Stadtbahnwagen im Gesamtwert von 648 Millionen Dollar (rund 503 Millionen Euro) bestellt. Zudem gibt es eine Option für weitere 85 Wagen. Die Züge werden im Siemens-Werk im kalifornischen Sacramento gebaut und sollen ab 2016 ausgeliefert werden.

"Der Auftrag aus San Francisco ist für Siemens ein Meilenstein in der Geschichte unseres US-Geschäfts", sagte Jochen Eickholt, Chef der Bahnsparte von Siemens. Nach Angaben des Unternehmens stammt jede dritte Straßen- oder Stadtbahn in den USA heute von Siemens

Neue strategische Ausrichtung

Der Kauf von Dresser Rand passt ins Konzept von Joe Kaeser. Er will sein Haus stärker an die boomende Öl- und Gasindustrie in Amerika anbinden. Dazu hat er sogar die Zentrale seiner Energiesparte nach Amerika verlegt. Dresser Rand stellt hauptsächlich Turbinen und Kompressoren her und zählt hat viele Kunden aus der Öl- und Gasbranche.

Deshalb hätte auch der Zusammenschluss mit dem Pumpenhersteller Sulzer Sinn gemacht. Siemens hatte sich zuletzt beim französischen Konkurrenten Alstom vor allem für das Turbinengeschäft interessiert, war aber im Übernahmekampf mit General Electric nicht zum Zuge gekommen.

Aktie fällt zurück

Die erste Kursreaktionen an der Frankfurter Börse fällt verhalten aus. Das Siemens-Papier verliert kurz nach der Eröffnung leicht 0,3 Prozent. "Für einige Investoren ist das erst einmal nur eine Übernahme, die viel Geld kostet", sagte ein Händler. "Fast acht Milliarden Dollar ist schon eine Hausnummer."

Dresser Rand-Aktien schlossen an der New Yorker Börse nach den aufgekommenen Gerüchten am Freitag bei 79,91 Dollar, ein Plus von 9,42 Prozent. Mit dem Übernahmepreis von 83 Dollar ist nun die Katze endgültig aus dem Sack. Vor Beginn der Übernahmespekulationen am Donnerstag stand das Papier noch bei 52 Dollar.

rm

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