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Industrie

Joe Kaeser, Siemens

Dividende steigt

Siemens denkt an seine Aktionäre

Stand: 12.11.2015, 15:01 Uhr

Operativ ist der Siemens-Konzern gar nicht so schlecht unterwegs. Aber Sonderabschreibungen trüben das Gesamtbild nach dem vierten Quartal. Der Konzern verteilt aber dicke Trostpflaster an seine Aktionäre.

Siemens hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 (per 30. September) Umsatz und Ergebnis gesteigert. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 75,6 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente der Konzern 7,4 Milliarden Euro nach 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Allerdings sind in dieser Zahl Verkaufserlöse für den Hausgerätehersteller BSH und die Hörgerätetochter enthalten. So lag der berichtete Gewinn je Aktie bei 8,84 Euro, ein Plus von 39 Prozent. Das Renditeziel schaffte der Konzern mit 10,1 Prozent Marge im industriellen Geschäft knapp. Angepeilt war eine Marge von 10 bis 11 Prozent, bei diesem Ziel bleibt es auch für das neue Geschäftsjahr.

Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft, also ohne die Sondereffekte aus Verkäufen, lag bei 5,35 Milliarden Euro, oder 5,18 Euro je Aktie. Das war etwa so viel wie im Vorjahr. Der Auftragseingang stieg um ebenfalls sechs Prozent auf 82,3 Milliarden Euro. Firmenchef Joe Kaeser war mit dem Erreichten zufrieden: "Wir haben geliefert, was wir versprochen hatten, und sind für das vor uns liegende Jahr gut gerüstet, um unsere Pläne erfolgreich umzusetzen."

Viertes Quartal von Abschreibungen belastet

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Durchwachsene Bilanz- was Joe Kaeser bei Siemens erreicht hat

Aber es gab einen Schönhheitsfehler im Zahlenwerk. Im vierten Geschäftsquartal mussten 138 Millionen Euro auf das Gemeinschaftsunternehmen Primetals abgeschrieben werden. Primetals liefert Ausstattungen für Stahl- und Metallwerke. Im Quartal sank dadurch der Ertrag um rund ein Drittel auf eine Milliarde Euro.

Joe Kaeser, Siemens

Joe Kaeser. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Operativ aber war das Bild im Quartal dafür nicht schlecht. Die Erlöse kletterten um vier Prozent auf 21,3 und das Volumen der Neubestellungen soagr um 15 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro. Das war mehr, als Analysten erwartet hatten. Allerdings lohnt sich auch hier ein zweiter Blick. Denn geholfen hat dem Konzern insbesondere ein schwacher Euro, bereinigt um positive Währungseffekte wäre der Erlös um vier Prozent gefallen.

Dividende steigt

Die Aktionäre sollen am Ergebnis mit einer Dividende von 3,50 Euro je Aktie beteiligt werden. Das wäre auf Basis des gestrigen Schlusskurses immerhin eine Dividendenrendite von 3,8 Prozent. Es ist die zweite Anhebung in Folge. Experten hatten im Vorfeld mit einer solchen Entscheidung gerechnet. Hinzu kommt ein weiteres Trostpflaster für die Anteilseigner, denn es sollen für insgesamt drei Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren eigene Aktien zurückgekauft werden.

Ausblick

Selbstbewusst zeigt sich Firmenchef Kaeser auch beim Ausblick auf 2016. Er rechnet zwar damit, dass sich die gesamtwirtschaftliche Situation weiter eintrübt. Dennoch solle der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr währungsbereinigt von zuletzt 75,6 Milliarden Euro leicht zulegen.

Die Zahlen zeigen, dass sich der einschneidende Konzernumbau unter Kaeser beginnt auszuzahlen. Dank des Abbaus von mehr als 13.000 Stellen, der Siemens im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 800 Millionen Euro kostete, werde der Gewinn je Aktie im laufenden Jahr auf vergleichbarer Basis um bis zu ein Fünftel zulegen, hieß es.

Analystenkommentare

Die Commerzbank hat Siemens nach Zahlen auf "Hold" mit einem Kursziel von 96 Euro belassen. Das vierte Geschäftsquartal des Elektrotechnik-Konzerns sei stark ausgefallen, schrieb Analyst Ingo-Martin Schachel in einer Studie vom Donnerstag. Im Fokus der Analystenkonferenz zu den Resultaten sollte indes der neue Ausblick auf das angelaufene Geschäftsjahr stehen - dieser entspreche den Konsensschätzungen und dürfte als wenig inspirierend bis konservativ interpretiert werden.

Die Baader Bank hat die Einstufung für die Aktie nach Zahlen auf "Hold" mit einem Kursziel von 100 Euro belassen. Vor allem die Profitabilität im Industriegeschäft sei im vierten Geschäftsquartal stark gewesen, schrieb Analyst Günther Hollfelder in einer ersten Reaktion am Donnerstag. Positiv sei auch die Dividendenanhebung auf 3,50 Euro je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr und das neue Aktienrückkaufprogramm.

Das Analysehaus S&P Capital IQ hat die Einstufung für Siemens nach Zahlen zum vierten Geschäftsquartal evbenfalls auf "Hold" mit einem Kursziel von 100 Euro belassen. Der Elektrotechnik-Konzern habe einen starken Endspurt hingelegt und damit seine Erwartungen erfüllt, schrieb Analyst Firdaus Ibrahim in einer Studie vom Donnerstag.

Aktie legt zu

Die Zahlen kommen trotz eines sich abschwächenden Gesamtmarktes weiter gut an. Am Nachmittag rückt die Aktie über drei Prozent vor und verteidigt damit ihre führende Position im Leitindex Dax. Damit behauptet das Papier insgesamt sein erhöhtes Niveau. Nach dem Rückfall im August hat es sich nämlich sehr schnell wieder erholt und weist im Oktober und November einen sehr steilen Aufwärtstrend auf. Bei einem so deutlichen Anstieg in kurzer Zeit steigt üblicherweise auch das Rückfallrisiko. Dies scheint nach den Jahreszahlen aber erst einmal nicht zu befürchten. Das Jahreshoch lag im März bei knapp 106 Euro.

rm

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