Seitenueberschrift
Schuldenlast erdrückend
Solarworld-Chef Asbeck: "Eine Insolvenz droht nicht"
Der einstige Vorzeige-Konzern in der Solarbranche gerät ins Wanken. Eine Pleite steht noch nicht ins Haus, beteuert Solarworld-Chef Frank Asbeck. Aber das Unternehmen muss wohl einen Schuldenschnitt durchführen.
Darüber wolle man mit den Gläubigern sprechen, hatte das Bonner Unternehmen bereits am Donnerstagabend angekündigt. "Wir haben den Schritt proaktiv gemacht, weil wir auf der Passivseite eine Entlastung brauchen", liefert Asbeck nun eine Erklärung hinterher. Die Gespräche mit Banken und Anleihegläubigern könnten Wochen und Monate dauern.
Im Kern hält Asbeck Solarworld weiterhin für gesund. Das Unternehmen verfüge über ausreichend Liquidität, betont der Chef des TecDax-Unternehmens: "Wir müssen operativ einige Anpassungen machen, die werden nun kommen."
Aktie im freien Fall
Trotzdem droht der Aktie von Solarworld ein Pennystock-Dasein. Bis zum Xetra-Schluss verlor sie 30,4 Prozent auf 1,11 Euro.
Auslöser für die Massenflucht aus der Aktie war eine Ad-hoc-Mitteilung von Solarworld vom Donnerstagabend. Dort hieß es, es würden "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheinen" anstehen. Solarworld sprach zudem zunächst von einer "positiven Fortführungsprognose", war am selben Abend aber für weitere Stellungnahmen zunächst nicht zu erreichen.
Ist der Geldhahn zu?
Aus Expertensicht sollen diese Formulierungen andeuten, dass die Schuldenlast das Unternehmen zu erdrücken droht. Laut Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin steht der Konzern vor einem Dilemma: "Eigentlich müssten die bereits begebenen Anleihen durch eine neue Anleihe finanziert werden", dies sei aber angesichts des Marktumfelds für die Branche und die wohl deutlich höheren Finanzierungskosten für die Schuldverschreibung kaum möglich.
Solarworld hatte bereits Ende September vergangenen Jahres langfristige Schulden von 1,04 Milliarden Euro. Davon sind 543 Millionen Euro in Anleihen und 354,2 Millionen Euro in Schuldscheinen enthalten. Die Anleihen, die von einem Schuldenschnitt betroffen sein könnten, rutschten am Freitagmorgen ebenfalls dramatisch ab - sie notieren derzeit nur noch bei einem Fünftel ihres Nennwertes.
Fast Total-Verlust für Aktionäre
Sollte eine Umschuldung durchgeführt werden, dürfte dies aber auch zu Lasten der Aktionäre gehen, ist sich DZ-Bank-Analyst Sven Kürten sicher, dies habe man auch bei anderen Insolvenzen in der Branche, wie der von Q-Cells, verfolgen können. Anteilseigner bei Solarworld haben ohnehin in den vergangenen Jahren verheerende Verluste aufgetürmt. Vor rund einem Jahr hat die Aktie noch bei mehr als neun Euro notiert, vor fünf Jahren über 30 Euro.
Der Preisverfall in der Solarbranche, verbunden mit der harten internationalen Konkurrenz vornehmlich aus China und der Kürzung der Solarsubventionen in vielen Staaten, hat viele Unternehmen an den Rand der Katastrophe geführt. In den vergangenen Wochen hatte sich die Aktie zwar kurzzeitig erholt, dies war aber von vielen Experten als Strohfeuer identifiziert worden.