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Spannung vor Jahreszahlen
Schließt Daimler zur Konkurrenz auf?
Die gute Nachricht kam bereits zwei Tage vor Veröffentlichung der Jahreszahlen: Daimler hat im Januar deutlich mehr Autos verkauft - dank einem überraschend starken Plus in China und den USA. Starten die Stuttgarter nun endlich die große Aufholjagd zu BMW und Audi?
Noch fährt Daimler der Konkurrenz hinterher
Im Januar verkaufte Daimlers Pkw-Sparte mit den Marken Mercedes, AMG, Smart und Maybach 102.180 Autos - 8,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Getrieben wurde das Absatzplus vor allem vom bisherigen Sorgenkind China. Dort verkaufte Daimler im Januar 16.695 Mercedes-Benz, was einem deutlichen Zuwachs von 15,4 Prozent und dem bisher stärksten Januar-Absatz in dem Riesenreich entspricht.
Damit ist Daimler schneller gewachsen als die beiden Konkurrenten BMW und Audi. Selbst in den USA legten die Stuttgarter im Januar um 11 Prozent zu, während BMW und Audi sich mit deutlich bescheideneren Wachstumszahlen zufrieden geben mussten.
Aufholjagd bis 2020?
Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche will bis spätestens 2020 an den Rivalen Audi und BMW vorbeiziehen, fährt den beiden derzeit aber noch weit hinterher. Besonders deutlich wird das auf dem wichtigen Wachstumsmarkt China: Dort standen im vergangenen Jahr 405.838 Audis 196.211 Mercedes-Benz gegenüber. Auch BMW hat mit 326.444 Autos verglichen mit Daimler klar die Nase vorn.
Seit Jahren schon driften die Absatzzahlen und Ertragskennziffern von BMW und Daimler auseinander. Das spiegelt sich auch im Kursverlauf überdeutlich wider. Besonders aussagekräftig ist der Blick auf die relative Fünf-Jahres-Performance: Während sich BMW-Stämme in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln konnten, fuhren Anleger mit der Daimler-Aktie einen Verlust von 16 Prozent ein.
Schließt Mercedes die Lücke?
Nicht nur die Konkurrenz aus Bayern dürfte deshalb die morgen erwartete Bilanz der Schwaben aufmerksam beäugen und mit besonderer Spannung die Prognose für dieses Jahr verfolgen. "Dieses Jahr kann Mercedes die Lücke zwischen BMW und Audi vielleicht ein bisschen schließen", so Autoexperte Willi Diez.
Um das Geschäft voranzutreiben, hat Daimler im Reich der Mitte bereits wichtige Weichen gestellt: Erst in der vergangenen Woche waren die Stuttgarter bei ihrem chinesischen Partner BAIC eingestiegen.
Prognose für 2013 bereits gesenkt
Die Vorlage der Jahreszahlen 2012 am morgigen Donnerstag dürfte kaum Überraschungen bringen, hat doch Daimler-Chef Dieter Zetsche bereits im Oktober die Prognosen für alle zentralen Unternehmensbereiche nach unten korrigiert und angekündigt, dass der Konzern "aufgrund der konjunkturellen Herausforderungen" das 2011 erzielte Ergebnis von 8,8 Milliarden Euro nicht erreichen werde.
Daimler rechnet statt dessen mit rund acht Milliarden Euro - im Jahresvergleich ein Rückgang von rund neun Prozent . Sinken sollen die Gewinne demnach sowohl in der zentralen Autosparte als auch bei den Trucks. Für die krisengeplagte Bussparte rechnet Daimler sogar mit einem Verlust.
Von Juli bis Ende September war der Umsatz von Daimler zwar um acht Prozent auf 28,6 Milliarden Euro gestiegen. Der Überschuss sank jedoch um elf Prozent auf 1,21 Milliarden Euro. Dabei war der Gewinn bereits im zweiten Quartal um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen.
"Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen"
"Wir sind noch nicht da, wo wir mit Daimler mittel- bis langfristig hinwollen", hatte Finanzchef Bodo Uebber damals gesagt. Vor allem bei Mercedes-Benz drückt der Schuh: Die operative Marge der ertragreichsten Sparte rutschte im dritten Quartal auf 6,4 von acht Prozent ab. Konkurrent Audi verdiente fast doppelt so viel, weil sich die Ingolstädter zu günstigen Konditionen aus dem Baukasten des VW-Konzerns bedienen können. BMW wiederum produziert mit weniger Personal mehr Autos.
Um doch noch zur Konkurrenz aufschließen zu können, hat sich Daimler ein umfangreiches Sparprogramm verordnet. Bis Ende 2014 will der Stuttgarter Konzern bei Mercedes zwei Milliarden Euro einsparen und dafür in Produktion und Entwicklung jeden Stein umdrehen. Zudem sollen bei den Materialkosten bis 2017 sechs Milliarden Euro eingespart werden.
Zehn neue Modelle bis 2015
Zudem sollen bis 2015 zehn neue Mercedes-Modelle auf den Markt kommen und dort für neue Schlagkraft sorgen. Spätestens bis 2020 will Daimler dann wieder in Führung liegen. Mit Spannung wird deshalb die Prognose für 2013 erwartet. "2013 wird sicherlich aus verschiedenen Gründen nicht das Zieljahr, das sich Daimler-Chef Zetsche vorgestellt hat", meint Autoexperte Stefan Bratzel, denn die Entwicklung neuer Modelle kostet Geld.
Man sollte aber in diesem Jahr bereits erkennen, dass man der Konkurrenz wieder näherkommt, sonst werde 2014 auch nicht besser.
Stand: 06.02.2013, 11:05 Uhr