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Industrie

Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (M.) beim Börsengang - mit Glocke links Georg Schaeffler, rechts Klaus Rosenfeld

Start über Ausgabepreis

Schaeffler wälzt sich an die Börse

Stand: 09.10.2015, 11:15 Uhr

Kein leichtfüßiger erster Auftritt auf dem Parkett, aber immerhin geschafft. Mit kleinerem Volumen und niedrigerem Ausgabepreis hat die Aktie des Wälzlager-Herstellers eine gute Nachfrage gefunden. Und die hält zumindest zum Börsenstart an.

Denn mit der Erstnotiz von 13,50 Euro und einem auch am Vormittag dort gehaltenen Niveau verbucht das Papier am Freitag schon einmal einen kleinen Aufschlag gegenüber dem Ausgabepreis. Der hatte bei 12,50 gelegen, was wiederum am unteren Ende der Zeichnungsspanne von 12 bis 14 Euro gelegen hatte.

Nur eine knappe Milliarde Erlös

Der Wälz- und Kugellager-Hersteller hatte seinen Börsengang ursprünglich deutlich größer dimensionieren wollen. Laut Insidern wollte das Unternehmen rund 2,5 Milliarden Euro erlösen. Nun waren es 938 Millionen Euro. Davon fließen 825 Millionen Euro dem Unternehmen zu. Insgesamt wurden 75 Millionen Aktien an die Börse gebracht, 66 Millionen davon stammen aus einer Kapitalerhöhung, der Rest von den Alteigentümern.

Durch den kleineren Börsengang sind nun zunächst nur elf Prozent des Unternehmens im Streubesitz. Laut Experten reicht dies aber trotzdem, um dem Unternehmen den mittelfristigen Aufstieg in den MDax zu ermöglichen.

Millionen weitere Aktien im Anmarsch

Kugellager von Schaeffler

Kugellager von Schaeffler. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Indexaufnahme wird noch wahrscheinlicher, wenn Schaeffler seine Pläne umsetzt, in den kommenden Monaten weitere Anteile zu platzieren. Die beiden Eigentümer, Georg Schaeffler und seine Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann, wollen nach einer Schonfrist von sechs Monaten bis zu 91 Millionen Aktien auf den Markt werfen. Damit soll der Streubesitz auf sukzessive auf 25 Prozent steigen.

Schaeffler sei durch den VW-Abgasskandal bei seinem Börsenvorbereitungen kräftig belastet worden, hieß es vom Unternehmen. Es seien weitere Gespräche mit Investoren nötig gewesen. Vor allem institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungen hatten offenbar mit ihren Zusagen gezögert, ausreichend Stücke aufzunehmen.

Holding verwaltet Conti-Anteile

Schaeffler war durch seine hohe Schuldenlast beinahe gezwungen, über einen Börsengang Kapital zu beschaffen. Das Unternehmen hatte sich finanziell bei dem Übernahme-Versuch des Autozulieferers Continental verhoben und sitzt noch auf einem Schuldenberg von rund sechs Milliarden Euro, der fast zur Pleite von Schaeffler geführt hätte. Die Beteiligung an Continental liegt bei 46 Prozent, die allerdings in einer Holding gebündelt sind und nicht ins Ergebnis des Unternehmens einfließt.

Gute Gewinne im Halbjahr

Aber auch operativ läuft es bei dem Konzern inzwischen deutlich runder. 2015 will Schaeffler seine Erlöse ohne Einfluss von Währungseffekten um fünf bis sieben Prozent steigern und davon zwischen 12 und 13 Prozent als Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) einbehalten, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

2014 hatte Schaeffler beim Umsatz erstmals die Marke von 12,0 Milliarden Euro knapp übertroffen. Im ersten Halbjahr 2015 wurden die Erlöse von sechs auf 6,7 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn wurde von 210 auf 309 Millionen Euro beinahe um die Hälfte gesteigert.

AB

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