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Potente Software
SAP sticht Oracle aus
Im Wettstreit mit dem Lieblingskonkurrenten Oracle hat SAP jetzt einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht: Europas größter Softwarehersteller verbindet sein Stammprodukt Unternehmenssoftware mit seiner superschnellen Datenbank Hana. Bei den Anlegern kann SAP punkten.
Die SAP-Aktie führt am Morgen die Gewinnerliste im Dax an. Das Papier notiert 1,7 Prozent fester bei 61,60 Euro. In den vergangenen sechs Monaten hatte sich die Aktie bereits deutlich besser als die Titel des Konkurrenten entwickelt. Während SAP den Börsenwert in diesem Zeitraum an der NYSE um mehr als 40 Prozent steigern konnte, musste sich Oracle mit etwa 20 Prozent zufrieden geben.
Vorsprung vor Oracle
Der Abstand dürfte sich jetzt noch vergrößern, denn die aktuelle Nachricht bedeutet neben dem geschäftlichen Engagement in China einen weiteren wichtigen Schritt für den Walldorfer Softwarekonzern: SAP hatte gestern Abend angekündigt, dass die Software Hana ab sofort auch zur Steuerung aller Geschäftsprozesse in Unternehmen genutzt werden könne.
Alle geschäftskritischen Daten aus Produktion, Materialwirtschaft oder Personalverwaltung könnten damit künftig im Hauptspeicher der Computer in Echtzeit verarbeitet werden. Dadurch könnten die Unternehmen somit schneller als bisher agieren – und Zeit ist Geld.
"Das ist für uns wie der Start der legendären Software R3, welche den Ruf des Unternehmens begründet hatte", pries SAP Co-Chef Jim Hagemann Snabe das neue Produkt an. Mit der neuen Technik können Datenbanken zum Teil entfallen, bei denen Oracle Marktführer ist. Für Oracle deutet diese Entwicklung auf anhaltend schwierige Zeiten hin. Der US-Konkurrent hat derzeit bereits mit einem schwachen Hardware-Geschäft zu kämpfen, das sich die Amerikaner mit der Übernahme des Server-Herstellers Sun ins Haus geholt haben.
Neue Marktanteile dank Hana?
Bisher erwirtschaftet SAP mit Hana nur vergleichsweise geringe Umsätze von zuletzt 160 Millionen Euro im Jahre 2011 - bei einem Konzernumsatz von mehr als 14 Milliarden Euro. Für 2012 hatte SAP eine Umsatzverdoppelung bei Hana angepeilt. Ob dieses Ziel erreicht wurde, wollte Co-Vorstandschef Snabe nicht sagen. SAP werde weiter kräftig mit Hana wachsen und könne neue Kunden gewinnen, sagte der Manager.
Rund 40 Prozent des Marktes deckten SAP und Oracle derzeit ab. "Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent nicht von den großen Spielern bedient werden", sagte Snabe. Es handele sich daher nicht nur um einen Verteilungskampf zwischen den beiden größten Konkurrenten.
Findet Anklang
Auch Fachleute und Marktteilnehmer sind zufrieden: Das neue Angebot erhöhe die Attraktivität des Kernproduktes von SAP und werde den Konzern beim Erreichen der mittelfristigen Finanzziele unterstützen, schrieb DZ-Bank-Analyst Oliver Finger in einem Kommentar.
Ein Händler verwies darauf, dass dies die bedeutendste Stammsoftware-Überholung von SAP in zwei Dekaden sei und die Konkurrenten Oracle, Microsoft und IBM herausfordere. "Die ersten Analystenkommentare sind draußen und es sieht ganz danach aus, dass das Produkt Anklang findet."