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Sonne strahlt neben SAP Logo

Rekordgewinn

SAP reitet erfolgreich auf der Cloud-Welle

Stand: 12.01.2016, 11:52 Uhr

Der Walldorfer Softwareriese aus dem Dax kann zufrieden auf das abgelaufene Jahr 2015 blicken. Der Umbau beginnt sich bei SAP auszuzahlen. Vor allem das Cloud-Geschäft brummt.

SAP hat im abgelaufenen Geschäftsjahr alle Sorgen im Zuge des Umbaus des Konzerns auf das Cloud-Geschäft vertrieben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 weist das Unternehmen aus dem Leitindex Dax ein um Sondereffekte bereinigtes operatives Ergebnis von 5,9 Milliarden Euro aus und liegt damit am oberen Ende seines Zielkorridors.

Euro-Schwäche hilft

Positive Währungseffekte durch die Euro-Schwäche trieben das Ergebnis auf 6,35 Milliarden und damit genau auf das Niveau, das Analysten prognostiziert hatten. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro, währungsbereinigt hätte der Zuwachs im Jahresvergleich bei zehn Prozent gelegen..

Unbereinigt ging das Betriebsergebnis (Ebit) allerdings leicht zurück auf 4,25 Milliarden Euro. Grund hierfür sind vor allem höhere Personalkosten, die sich aus dem Umbau des Geschäftsmodells hin zur Cloud ergeben. Sie sind dem Charakter nach Einmalkosten. Die Eckdaten legte SAP in der Nacht vor, das endgültige Zahlenwerk folgt am 22. Januar.

Umbau verläuft gut

Vor allem im Cloud-Geschäft läuft es gut bei SAP. Das Geschäft mit der Mietsoftware legte deutlich zu, der Umsatz lag mit 2,3 Milliarden Euro über Plan. Gegenüber dem Vorjahr erhöhten sich die Erlöse damit um mehr als das Doppelte. Anleger hatten sich hier gesorgt, dass der Übergang vom klassischen Lizenzgeschäft hin zum Mietgeschäft nicht so geräuschlos verlaufen könnte. Mit den heutigen Zahlen hat SAP diese Ängste wohl erst einmal zerstreut. Zudem setzt sich ein Trend fort, der schon im Vorquartal zu beobachten gewesen war.

Der Bereich Softwarelizenzen und Support bleibt trotz des stürmischen Wachstums im Cloud-Geschäft aber der mit Abstand größte Umsatzbringer - und er wächst weiter, trotz des Cloud-Booms und im Gegensatz zum Erzrivalen Oracle. Das Geschäft mit den Lizenzen legte gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent zu auf 4,84 Milliarden Euro und der Support (die Dienstleistungen) um sieben Prozent auf 10,09 Milliarden Euro.

Vorstandschef Bill McDermott stellte erfreut fest: "Im Vergleich zu den wichtigsten Mitbewerbern und Spezialanbietern konnte die SAP signifikante Marktanteile hinzugewinnen." Der Weltmarktführer für Firmensoftware konkurriert nicht nur mit den langjährigen Rivalen Oracle und IBM, sondern immer härter auch mit reinen Cloud-Anbietern, allen voran mit dem US-Marketingspezialisten Salesforce. Im Gegensatz zum klassischen Mietgeschäft, wo die Lizenzerlöse sofort am Anfang der Software-Nutzung gezahlt werden, bezahlen Cloud-Kunden über die Laufzeit. Die Einnahmen für das Unternehmen verteilen sich daher in der Regel über mehrere Jahre

Aufbruch in die Cloud

keine Beschreibung

Das Cloud-Geschäft wird von vielen Branchenkennern als großer Zukunftstrend gefeiert. Die Cloud-Software wird nicht mehr auf Rechnern installiert, sondern ist über das Internet jederzeit auch von Mobiltelefonen oder Laptops verfügbar. Das macht die Software-Nutzung einfacher und kostengünstiger. Und - je nachdem, wo der Cloud-Server steht - auch sicherer, heißt es. Bezahlt wird meist über eine regelmäßige Abo-Gebühr, weshalb man auch von Mietsoftware spricht.

Ausblick zuversichtlich

Das alles soll auch so weitergehen. Im Ausblick erwartet SAP, beim Cloud-Geschäft um rund eine Milliarde Erlös zuzulegen. Angepeilt wird eine Spanne zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro. Das wäre währungsbereinigt ein Zuwachs um 33 Prozent, bezogen auf die obere Spanne der Bandbreite. Das bereinigte operative Ergebnis soll auf 6,4 bis 6,7 Milliarden Euro zulegen.

Analystenstimmen

Das japanische Analysehaus Nomura hat die SAP-Aktie auf "Buy" mit einem Kursziel von 75 Euro belassen. Dank besser als gedachter Lizenzerlöse habe der Software-Konzern gute Eckdaten vorgelegt, schrieb Analyst Frederick Grieb in einer Studie vom Dienstag. Wegen des Wandels des Geschäfts hin zur Cloud - also dem Geschäft mit Mietsoftware - stünden die Gewinnmargen aber nach wir vor unter Druck.

Die französische Großbank Societe Generale (SocGen) hat die Einstufung des SAP-Papiers auf "Hold" mit einem Kursziel von 73 Euro belassen. Bei den Software-Lizenzen habe SAP die Erwartungen übertroffen, während die Margen leicht enttäuscht hätten, schrieb Analyst Richard Nguyen in einer Studie vom Dienstag.

Die Analysten von Kepler Chevreux erhöhten nach den Zahlen ihr Kursziel von bisher 65 auf 72 Euro und stufen die Aktie mit "Halten" ein. "Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern hat SAP starke Zahlen vorgelegt", erklärte DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einer Kurzstudie. Er sei über das starke Lizenz- und das Wachstum im Cloud-Geschäft überrascht.

SAP-Aktie ist gefragt

An der Börse kommen die Zahlen gut an. Das SAP-Papier gehört am Mittag weiter zu den Favoriten im Leitinxdex Dax und legt derzeit 3,8 Prozent zu. "Wir könnten im Tagesverlauf aber Gewinnmitnahmen sehen, da ein guter Bericht erwartet wurde", sagte ein Händler. Zudem war das Papier auch zuvor bereits gut gelaufen.

So legte es im vergangenen Jahr um 27 Prozent zu, deutlich besser als der europäische Technologieindex. Anders als viele andere Standardaktien aus dem Dax hat das SAP-Papier im Jahresverlauf seine Hochs aus dem April im Herbst nicht nur wieder erreicht, sondern sogar deutlich übertroffen.

Bis auf knapp unter 55 Euro war die Aktie im September mit dem schwachen Gesamtmarkt gefallen, eher eine kräftige Erholung einsetzte. Sie führte die Aktie über das April-Hoch bei gut 69 Euro bis auf das Jahreshoch im November bei 74,85 Euro, bezogen auf die Schlusskurse. Gestern legte der Kurs in einem nervösen Gesamtmarkt um 0,8 Prozent auf 71,60 Euro zu. Insgesamt konsolidiert das Papier somit auf hohem Niveau und hat dabei relative Stärke ausgebildet. Erst ein Überspringen der alten Höchststände würde charttechnisch jedoch neue Kaufsignale generieren.

rm

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