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SAP Serverraum

Mehr Wachstum

SAP legt den Turbo ein

Stand: 22.01.2016, 09:31 Uhr

Der Umbau auf das Cloud-Geschäft hat alle Zukunftssorgen des Softwarekonzerns SAP vertrieben, wie die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr zeigen. Jetzt blickt das Unternehmen noch zuversichtlicher in die Zukunft.

Wie das Walldorfer Unternehmen am Morgen mitteilte, dürfte der Umsatz im Jahr 2017 höher ausfallen als bisher erwartet. SAP rechnet mit 23,0 bis 23,5 Milliarden Euro. Zuletzt war das Unternehmen noch von 21 bis 22 Milliarden Euro ausgegangen.

Das neue Geschäft mit gemieteter Software (Cloud-Programme) soll in den kommenden zwei Jahren um jeweils ein Drittel steigen und mit bis zu vier Milliarden Euro fast genauso viel einbringen wie das alte Geschäft mit Softwarelizenzen. 2018 soll die Cloud-Sparte dann sogar größer sein als das Altgeschäft.

Allerdings ist das stark wachsende Geschäft mit der Mietsoftware über das Internet nicht ganz so profitabel wie der Verkauf von Softwarelizenzen. Deshalb hat SAP die Prognose für sein operatives Ergebnis nur leicht angehoben auf 6,7 bis 7,0 Milliarden Euro - Währungseffekte und Sonderkosten herausgerechnet.

Abstriche an der Rendite

Der Marktführer für Software zur Firmensteuerung nimmt damit weitere Abstriche an der Rendite hin, um sein Angebot weiter auf das als zukunftsträchtig geltende Cloud-Geschäft umzustellen. "Da wir nicht planen, mit Cloud langsamer zu werden, ist die Marge auf Konzernebene für mich wirklich uninteressant", sagte Finanzvorstand Luka Mucic. Es wäre ein Nachteil für das Unternehmen, wenn es weiter die Rendite optimieren würde. 2015 hatte das Unternehmen mit einem Umsatzplus von 18 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro seine Erwartungen übertroffen. Der Umbau drückte allerdings erneut auf den Gewinn, der auf 3,06 Milliarden Euro zurückging.

SAP hatte vor einem Jahr sein Renditeziel von 35 Prozent aufgegeben. Nach der ursprünglichen Prognose hätte die Rendite 2017 im Mittel bei knapp 31 Prozent gelegen. Nach den neuen Zielen liegt sie knapp unter 30 Prozent. Die Cloud-Software ist weniger profitabel, da sich der Gewinn auf einige Jahre verteilt, während der Kunde eine Lizenz komplett sofort bezahlt.

Keine Marge von 35 Prozent

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ARD-Börse: Über den Wolken - SAP Jahreszahlen

Die Sparte Cloud wird Mucic zufolge auch bis zum Ende des Jahrzehnts noch keine 35 Prozent erreichen. Im vergangenen Jahr hatte SAP operativ 6,35 Milliarden Euro verdient, so viel wie in Aussicht gestellt. Der Überschuss schrumpfte dagegen um sieben Prozent auf 3,06 Milliarden Euro. Das lag an Sonderfaktoren wie den Kosten von Übernahmen, für Restrukturierungen und Mitarbeiterboni. In diesem Jahr werde dafür bei weitem weniger Geld ausgegeben werden, da kein unternehmensweiter Personalabbau mehr geplant sei, erklärte Mucic.

Im vergangenen Jahr hatten weltweit 3000 der rund 76.000 Beschäftigten das Unternehmen gegen Abfindungen verlassen. Die Ziele für 2020 ließ SAP unverändert: Das Betriebsergebnis soll dann zwischen acht und neun Milliarden Euro liegen bei einem Gesamtumsatz von 26 bis 28 Milliarden Euro.

Bei den Anlegern kommen die neuen Prognosen zunächst gut an. Im vorbörslichen Handel steigen die SAP-Aktien um 2,7 Prozent, drehen nach Handelseröffnung allerdings ins Minus und sind die einzigen Verlierer im Dax. Dabei bekommen die Titel des Softwarekonzerns kräftige Schützenhilfe von Goldman Sachs. Deren Experte hat den fairen Wert der SAP-Papiere um 10 Euro auf 100 Euro angehoben - 40 Prozent mehr als derzeit.

lg/rtr

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