Seitenueberschrift

Luftfahrt

Ryanair-Maschine startet in Zadar, Kroatien

An der Lufthansa vorbeigeflogen

Ryanair - jetzt ist es passiert

Stand: 10.01.2017, 14:47 Uhr

Der irische Billigflieger Ryanair hat die etablierte Lufthansa überholt. Den Titel "Europas größte Fluglinie" kann sich der Dax-Konzern damit abschminken, auch mit den Töchtern Eurowings, Swiss und Austrian Airlines reicht es nicht mehr dafür.

Die Lufthansa konnte zwar 2016 im Passagiergeschäft wachsen, trotz Streikwelle entschieden sich 109,67 Millionen Fluggäste für einen Flug mit der Lufthansa oder einer ihrer Töchter. Das waren knapp zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Aber der Billigflieger Ryanair wächst eben viel stärker, niedrige Kosten und eine einheitlich Boeing-Flotte machen es möglich. Auch die neue Strategie, vermehrt auch große Flughäfen anzufliegen, beflügelt das Geschäft. Dank des kräftig ausgeweiteten Angebots konnten die Iren die Zahl ihrer Passagiere um 15 Prozent auf 117 Millionen steigern.

Der Lufthansa machen die weiter sinkenden Ticketpreise und die vielen Streiks zu schaffen. Allein der Pilotenstreik im November fügte dem Konzern einen Schaden von rund 100 Millionen Euro. Die Auslastung der Flugzeuge verschlechterte sich 2016 um 1,4 Prozentpunkte auf 79,1 Prozent.

Einen Bonus hat die Lufthansa aber noch: Ihre Kunden sind auf längeren Strecken unterwegs, da der Konzern im Gegensatz zu Europas größtem Billigflieger ein weltweites Streckennetz betreibt. Ryanair ist vor allem innerhalb Europas und im Mittelmeerraum unterwegs.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,14
Differenz absolut
-0,09
Differenz relativ
-0,73%
Ryanair: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
14,67
Differenz absolut
-0,31
Differenz relativ
-2,05%

Ist der Titel dauerhaft weg?

Die Deutschen könnten allerdings dieses Jahr wieder aufholen. Vorstandschef Carsten Spohr will das Flugangebot um drei Prozent ausbauen. Dazu soll auch der Deal mit der vor der Zerschlagung stehenden zweitgrößten deutschen Fluglinie Air Berlin beitragen. Zudem will die Lufthansa durch die jüngst besiegelte Übernahme von Brussels Airlines wachsen, die bei Eurowings angedockt wird und bis 2018 integriert werden soll. Aber ob das alles reicht, um den Titel "Europas größte Airline" zurückzuerobern?

Einer möglichen Übernahme von Air Berlin räumt Spohr nur geringe Chancen ein. Die größten Hürden seien der hohe Schuldenberg, aber auch die hohen Kosten des Konkurrenten. Dieses unter anderem von teuren Piloten verursachte Problem wäre sicher am schwersten zu lösen, sagte Spohr.

Zusätzliche Profite erwartet der Dax-Konzern aus der Nutzung der Kundendaten. Lufthansas "Miles & More" sei das erfolgreichste und größte Treueprogramm in Europa.

Wie wird 2017?

Was die neue Jahresprognose angeht, da will sich Spohr nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Rückenwind durch billiges Kerosin gibt es nicht mehr. Die Tankrechnung wird dieses Jahr wohl rund 400 Millionen Euro teurer werden, wie die Airline am Freitag bekannt gab. Eine Gewinnprognose für 2017 wagt das Management aber nicht. Erst mal muss der Jahresabschluss 2016 stehen: Da dürfte der Konzern ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro erzielt haben.

bs

Darstellung: