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Versorger

Peter Terium, RWE

Umstrukturieren, sparen, aufspalten

RWE: Hartes Sparprogramm wird härter

Stand: 08.03.2016, 11:05 Uhr

RWE-Chef Peter Terium bereitet die Investoren auf weitere Einschnitte beim Versorger vor. Vor allem die Lage der Braunkohlekraftwerke bleibe dramatisch. Und die eigene Aufspaltung rückt langsam näher.

Vorläufige RWE-Jahreszahlen waren bereits im Februar veröffentlicht worden: Unter dem Strich stand wegen hoher Abschreibungen auf die Großkraftwerke und negativer Steuereffekte ein Fehlbetrag von 170 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro 2014. Das ist nur geringfügig weniger als Mitte Februar angekündigt. Auch die Dividende wurde drastisch um 87 Prozent gekürzt.

Noch eine halbe Milliarde mehr sparen

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der angeschlagene Energiekonzern RWE steht im Kampf gegen den eigenen Absturz jetzt vor neuen Konsequenzen. Vor allem in den klassischen Großkraftwerken und im britischen Vertriebsgeschäft soll es tiefere Einschnitte geben. Geplant ist, bis 2018 die Kosten um weitere 500 Millionen Euro zu drücken. Bislang wollte RWE zwei Milliarden Euro einsparen.

Trotzdem ist ein Ende des Absturzes ist auch 2016 nicht in Sicht. So soll das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von zuletzt 7,0 auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinken. Dabei rechnet RWE mit einem weiteren Verfall der Gewinnanteile seiner Kohle-, Atom- und Gasmeiler. Hinzu kommen dürften zudem weitere Belastungen wegen Problemen im britischen Geschäft.

"Lage bleibt dramatisch"

RWE-Chef Peter Terium bangt insbesondere um die Braunkohlekraftwerke des Konzerns. Die Lage bleibe dramatisch, sagte der Manager. "Eine rasche Erholung der Großhandelspreise für Strom ist jedenfalls nicht in Sicht." Zwar würden die Braunkohlekraftwerke noch Jahrzehnte für die Sicherung der Stromerzeugung benötigt. "Bei einem Börsenpreis von rund 20 Euro je Megawattstunde kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben."

RWE erzeugt gut die Hälfte seines Stroms aus Kohlekraftwerken. Die Großhandelspreise für Strom sind durch den Ausbau des Ökostroms und Überkapazitäten auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen.

»Trotz großer Erfolge bei der Umsetzung unseres Effizienzprogramms bleibt die Krise der konventionellen Stromerzeugung zentraler Bestimmungsfaktor für die Ertragsentwicklung von RWE.«

Peter Terium, Vorstandschef

Keine neuen negativen Überraschungen

RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim

RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Was das alles bedeuten soll, weiß die Börse offenbar nicht so genau. Die Titel des Versorgers schwankten zwischen einem Abschlag von knapp drei Prozent und einem Plus von 2,2 Prozent. Positiv werteten einige Marktteilnehmer, dass die britische Tochter nun umfassend restrukturiert werden soll. "Es ist eine gute Nachricht, dass die Probleme in Großbritannien jetzt konkret angegangen werden", sagte ein Händler.

Für Erleichterung habe zudem gesorgt, dass es bei der Vorstellung der Bilanz keine neuen negativen Überraschungen gegeben habe. Der Händler rechnete damit, dass sich die Anleger kurzfristig erst einmal wieder mit RWE-Aktien eindecken dürften.

Die Titel des von Energiewende gebeutelten Versorgers haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 50 Prozent an Wert eingebüßt, die des Konkurrenten Eon knapp 40 Prozent.

Nicht aus der Verantwortung stehlen

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ARD-Börse: RWE schreibt rote Zahlen - Reaktionen von der Börse

Als Reaktion auf die Krise bereitet RWE wie Konkurrent Eon seine eigene Aufspaltung vor. Das Zukunftsgeschäft mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb wird in eine neue Tochter ausgegliedert, die Ende des Jahres an die Börse gehen soll. Nach dem zunächst geplanten Börsengang von zehn Prozent der Anteile könnten weitere verkauft werden.

Terium stellte in Aussicht, dass der Konzern damit auch Teile des Atomausstiegs mitfinanzieren könne. "So könnten wir auch Verpflichtungen aus der Abwicklung der Kernenergie flexibel bedienen, ohne uns aus der Verantwortung zu stehlen."

ts

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