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RWE-Logo auf einer Regenjacke

Bald neuer Partner aus Abu Dhabi?

RWE: Grünes Licht für Aufspaltung

Stand: 11.12.2015, 14:45 Uhr

Wie erwartet hat der Aufsichtsrat von RWE am Freitag für die Aufspaltung des Konzerns votiert. Derweil wird über den Einstieg eines arabischen Investmentfonds bei dem Versorger spekuliert.

Eine erste Etappe ist geschafft: Ähnlich wie der Düsseldorfer Konkurrent Eon hat nun auch RWE von seinen Aktionären grünes Licht für die Aufspaltung des Unternehmens erhalten. Auf der Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag stimmten die Anteilseigner, darunter zahlreiche Kommunen aus Nordrhein-Westfalen, einstimmig für den Umbau des Konzerns.

Der Vorstand will im kommenden Jahr die Zukunftsgeschäfte Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in einer neuen Tochter bündeln und diese an die Börse bringen. Damit will der durch den von der Regierung Merkel beschlossenen Atomausstieg schwer getroffene Konzern neue finanzielle Spielräume gewinnen. Das klassische Geschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie der Energiehandel bleiben im Mutterkonzern.

Neuanfang mit neuer Gesellschaft

"Wir stärken mit diesem Umbau unsere Investitionskraft für die Energiewelt von morgen und damit auch die Zukunftsfähigkeit der gesamten RWE", sagte Aufsichtsratschef Manfred Schneider. Die neue RWE-Tochter wird künftig deutlich größer als die Mutter. Allein zwei Drittel der derzeit rund 60.000 RWE-Beschäftigten sollen in der neuen Gesellschaft arbeiten, rund 70 Prozent des für 2015 erwarteten operativen Ergebnisses kommen aus deren Geschäften. Der Konzern selbst will langfristig die Mehrheit an der neuen Gesellschaft behalten.

Zum Ausbau der neuen Tochter braucht der Konzern allerdings einen finanzstarken Partner. Der könnte aus Abu Dhabi kommen. Noch ist nichts entscheiden, doch hat RWE einen Kooperationsvertrag mit einer Gesellschaft aus Abu Dhabi vereinbart, der auch zu einer Kapitalspritze führen könnte.

Kapitalspritze aus Abu Dhabi?

Bei der Firma handelt es sich um die Beteiligungsgesellschaft Bin Butti International Investment (BBII). Noch ist mit der Zusammenarbeit keine Kapitalbeteiligung verbunden. Bin Butti soll RWE bei Projekten im arabischen Raum und in der Türkei unterstützen. Dabei geht es vor allem um Windkraft und Photovoltaik. Der Vorsitzende der Investitionsgesellschaft wird im "Handelsblatt" mit den Worten zitiert, sein Unternehmen strebe eine vertrauensvolle und langfristige Partnerschaft an.

Dass damit auch ein Einstieg der Araber bei RWE verbunden sein könnte, halten Experten für sehr gut möglich. Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf Konzernkreise, dass RWE bereits im Frühjahr mit BBII über einen Einstieg verhandelt haben soll. Die Araber sollten über eine Kapitalerhöhung bis zu zehn Prozent der Anteile von RWE übernehmen.

Der drastische Verfall der RWE-Aktie habe dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Tatsächlich haben die Papiere des Versorgers seit dem Juli mehr als 40 Prozent eingebüßt. Eine Kapitalerhöhung hätte RWE also kaum Geld eingebracht. Inzwischen jedoch hat die Aktie ihren Boden gefunden. Auch sind mit der Aufspaltung jetzt attraktive Voraussetzungen für einen Neuanfang und damit für einen Einstieg eines Partners geschaffen worden.

Araber auch an VW oder der Deutschen Bank beteiligt

Der eventuelle Einstieg von BBII würde sich einreihen in eine schon längere Liste von Beteiligungen arabischer Investoren an großen deutschen Unternehmen. Auch an Volkswagen, der Deutschen Bank und Daimler sind Firmen aus Abu Dhabi oder Katar beteiligt.

RWE will bekanntlich das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb in eine neue Gesellschaft einbringen, und bis zu 49 Prozent der Anteile daran verkaufen. Damit will der von der Energiewende gebeutelte Konzern neue finanzielle Spielräume gewinnen. Das klassische Geschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie der Energiehandel bleiben im Mutterkonzern.

Absage von Kerkhoff

Dem "Handelsblatt" zufolge hat sich RWE bei der künftigen Zusammensetzung des Aufsichtsrates hingegen eine Absage eingefangen. ThyssenKrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff werde nicht wie noch bis vor kurzem zugesagt im kommenden Jahr in das Gremium einziehen. Die Zeitung beruft sich auf Informationen aus Unternehmenskreisen des größten deutschen Stahlkonzerns.

lg

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