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Gut für Versorger, schlecht für den Steuerzahler?

RWE und Eon: "Atom-Entsorgungs-Finanzpakt" geplant

Stand: 22.02.2016, 09:58 Uhr

Nicht nur die beiden Versorger, auch die Anleger sehnen sich nach Klarheit über die Folgen des Atomausstiegs. Eine neue Idee macht die schwer gebeutelten Aktien von RWE und Eon bei Investoren recht beliebt – beim Steuerzahler wohl eher weniger.

Die Aktien von RWE rückten ebenso wie die Titel von Eon um mehr als drei Prozent vor. Beide zählen im Dax zu den Spitzenwerten. Die Investoren scheinen sich auf jeden Hoffungsschimmer zu stürzen, denn in der Vergangenheit hatten sie mit Versorgeraktien kaum Freude. Allein in den vergangenen zwölf Monaten büßten die Titel von RWE mehr als 50 Prozent ein, Eon verloren mehr als ein Drittel des Börsenwerts. Der Dax gab im genannten Zeitraum rund 15 Prozent nach.

Risiken begrenzen

Händler begründen die Kursgewinne zum Teil mit einer Gegenreaktion auf frische Kurseinbußen der letzten Woche. Daneben bewerteten Marktteilnehmer aber auch eine Pressemeldung als positiv, wonach die Milliarden-Risiken der deutschen Versorger beim Atomausstieg begrenzt und auf die Steuerzahler abgewälzt werden sollen.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,72
Differenz absolut
0,12
Differenz relativ
+0,99%
Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,13
Differenz absolut
0,06
Differenz relativ
+1,02%

Die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur den Stromkonzernen eine Art "Atom-Entsorgungs-Finanzpakt" vorschlagen. Danach blieben die Unternehmen für den Rückbau der Atommeiler sowie die Atommüll-Behälter verantwortlich.

Konzerne wollen Planungssicherheit

Der Staat würde die End- und Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente übernehmen und dafür einen von den Konzernen finanzierten Fonds auflegen. In diesen müssten die vier Versorger einen Teil ihrer Milliarden-Rückstellungen zahlen. Das Risiko möglicher Mehrkosten für die Endlagerung übernimmt dem Vernehmen nach "ab einem gewissen Zeitpunkt" jedoch der Staat.

Die erheblich unter Druck geratenen Konzerne erhielten Planungssicherheit - die Gefahr einer Pleite mit größeren Risiken für die Steuerzahler würde gemindert. Teil eines möglichen Paktes wäre auch, dass die Unternehmen alle anhängigen Klagen gegen den Atomausstieg zurückziehen. "Wir reden nicht von Risikovermeidung, sondern von Risikominderung", verlautete aus der Regierungskommission.

Ob die Kursgewinne nachhaltig sein werden, ist natürlich höchst zweifelhaft. Denn bis zu einer endgültigen Lösung des Atomkonflikts dürften noch einige Konzepte diskutiert werden.

ts

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