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Internet

Oliver Samwer vor der Frankfurter Börse

Börsengang floppt

Rocket Internet kann die Börse nicht rocken

Stand: 02.10.2014, 17:45 Uhr

Bauchlandung statt Raketenstart: Der größte Internet-Börsengang in Deutschland seit T-Online ist zum Rohrkrepierer geworden. Die Aktie der Startup-Schmiede Rocket Internet sackte am ersten Handelstag um 13 Prozent ab. Hat Rocket zu viel riskiert?

Internet-Euphorie in Frankfurt? Mitnichten. Nach Zalando hat auch Rocket Internet die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Die mit Vorschusslorbeeren überhäufte Internet-Aktie stürzte am ersten Handelstag um 13 Prozent ab. Im Laufe des Tages erholte sich der Kurs wieder etwas, schloss aber dann bei 37 Euro - rund 13 Prozent unter dem Ausgabekurs von 42,50 Euro.

Hoher Verkaufsdruck zur Eröffnung

"Da wurden jede Menge Aktien auf den Markt geworfen", meinte ein Händler zum Börsenstart von Rocket. Selbst Stützungskäufe der Banken, die den Börsengang begleiteten, hätten da wenig gebracht. "Der Verkaufsdruck zur Eröffnung war zu groß."

Den Samwer-Brüdern verging das Lächeln recht schnell. Sie flüchteten in eine abgeschottete Glas-Box in der Alten Frankfurter Börse. Die Hostessen, die mit Tabletts bereitstanden, wurden gar die Sektgläser nicht los. Rocket-Chef Oliver Samwer ließ sich von dem schwachen Börsendebüt nicht aus der Ruhe bringen. "Unser Unternehmen ist nicht fokussiert auf den ersten Kurs - und auch nicht auf den Kurs der ersten Monate", sagte er unbeirrt. "Wir haben einen langfristigen Horizont."

Dabei hatte zuletzt einiges auf ein erfolgreiches IPO hingedeutet. Am Grauen Markt wurde die Aktie von Rocket Internet mit bis zu 60 Euro gehandelt. Die erste Taxe hatte am Donnerstagmorgen noch bei 42,50 bis 48 Euro gelegen. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank verwies auf die aktuell schwierigen Marktbedingungen.

Preisspanne ausgereizt

Das dürfte nur ein Teil der Wahrheit sein. Die Berliner Internet-Holding hat möglicherweise zu viel riskiert. Das von den Start-up-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer dominierte Unternehmen ging an die obere Ende der Preisspanne mit 42,50 Euro. Rocket hätte nach eigenen Angaben zu diesem Preis auch mehr als das Zehnfache der 37,9 Millionen angebotenen Papiere losschlagen können.

Trotz der Kurseinbußen ist Rocket Internet ein echtes Schwergewicht an der Börse. Mit einer Marktkapitalisierung von 4,7 Milliarden Euro ist Rocket Internet fast so viel wert wie die Lufthansa. Bis zu 24 Prozent der Anteile sind künftig in den Händen von neuen Investoren. Feste Aktienorders über knapp 600 Millionen Euro hatte Rocket schon vor Beginn der Zeichnungsfrist in der Tasche.

Größtes Internet-IPO seit 2000

Mit dem Börsengang nimmt Rocket bis zu 1,6 Milliarden Euro ein. Es ist der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000 und die größte Neuemission in Deutschland seit sieben Jahren.

Oliver Samwer will künftig die neu gegründeten Unternehmen bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. "Ich bin davon überzeugt, dass Rocket überaus gut positioniert ist, um die Wachstumschancen des Internethandels vor allem in den aufstrebenden Märkten zu nutzen und die führende Internetplattform außerhalb der USA und Chinas zu werden", sagte Samwer.

Anteilseigner an Rocket Internet

Anteilseigner an Rocket Internet. | Bildquelle: Rocket Internet

Samwers behalten die Kontrolle

United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Er und seine beiden Brüder geben ebenso wie die anderen Alt-Eigentümer beim Börsengang keine Anteile ab. Die Beteiligung des Global Founders Fund der Samwers wird aber auf knapp unter 40 von 52 Prozent verwässert. Der schwedische Internet-Investor Kinnevik hält künftig noch 14 Prozent. Beteteiligt ist auch United Internet.

Zalando enttäuscht

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der ebenfalls von den Samwers und Kinnevik beherrschte Online-Modehändler Zalando hatte am Mittwoch ein eher enttäuschendes Börsendebüt gefeiert. Zum Xetra-Handelsschluss lag die Zalando-Aktie mit 21,50 Euro genau wieder auf dem Kurs, zu dem die Papiere ausgegeben worden waren. Das Unternehmen hatte die Aktien für einen Euro weniger ausgegeben als möglich, obwohl die Nachfrage ebenfalls zehn Mal so groß gewesen war wie das Angebot. Am Donnerstag rutscht die Zalando-Aktie um rund zehn Prozent ab.

nb

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Das Imperium von Rocket Internet

Von Home24 bis Zalando

Zalando-Schuhe

Zalando

Bekanntestes Produkt aus dem Hause Rocket Internet ist der Online-Modehändler Zalando. An dem halten die Samwer-Brüder über ihren Fonds noch 17 Prozent. Größter Aktionär ist die schwedische Beteiligungsfirma Kinnevik mit 36 Prozent. Zalando zieht es wie Rocket Internet an die Börse. Der Börsengang soll schon am 1. Oktober über die Bühne gehen. Gegründet wurde Zalando 2008. Vorbild dürfte hier das amerikanische Unternehmen Zappo gewesen sein. Es gibt noch etliche andere Modehändler im Rocket-Imperium, darunter Zalora, Dafiti, Jabong, Lamoda und Namshi. Die will Rocket Internet nun alle unter dem Dach der Global Fashion E-Commerce Group zusammenlegen.

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