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Rocket Internet abwärts

Führungskräfte-Flucht

Gegenwind für Rocket Internet

Stand: 12.01.2016, 16:35 Uhr

Nach dem geplatzten Börsengang des Kochbox-Anbieters Hello Fresh steht die Aktie unter Druck. Doch damit nicht genug: Immer mehr Führungskräfte verlassen das Unternehmen von CEO Oliver Samwer.

Nach 15 Monaten an der Börse wartet die Startup-Schmiede Rocket Internet immer noch auf die Initialzündung - und sieht sich gleichzeitig mit Problemen konfrontiert: Führungskräfte verlassen das Unternehmen, mit Großinvestor Kinnevik gibt es angeblich Streit, der Aktienkurs liegt deutlich unter dem Ausgabepreis bei der Emission.

Unruhiges Fahrwasser

Rocket Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,22
Differenz absolut
-1,07
Differenz relativ
-4,80%

Laut der Nachrichtenagentur Reuters verlassen Ende des Monats weitere Führungskräfte den Konzern. Nachdem im Oktober bereits Chef-Pressesprecher Andreas Winiarski von Bord ging, werden nun auch die Leiterin der Rechtsabteilung, Franziska Leonhardt, sowie Vize-Finanzchef Uwe Gleitz dem Unternehmen den Rücken kehren.

Gleitz und Leonhardt waren Mitglieder des ersten Rocket-Aufsichtsrats, der den Börsengang im Oktober 2014 vorbereitet hatte. Beide waren auch Ansprechpartner für das operative Geschäft und Technikfragen.

Bereits Ende letzten Jahres war es zu einem Wechsel im Rocket-Aufsichtsrat gekommen: Der Vorsitzende Lorenzo Grabau, gleichzeitig Chef des schwedischen Investors Kinnevik, wurde durch seinen vorherigen Stellvertreter Marcus Englert ersetzt. Dem Wechsel war ein Streit zwischen Kinnevik-Chefin Cristina Stenbeck und Rocket-CEO Oliver Samwer vorausgegangen.

Junge Unternehmen, roten Zahlen

Oliver Samwer vor Rocket Internet-Logo

Oliver Samwer. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Rocket Internet entwickelt in vielen Ländern Unternehmen mit den Schwerpunkten Online-Handel und Essenszustellung. Doch keine der Jungfirmen schaffte es bislang, den Erfolg des Vorzeige-Gewächses Zalando zu wiederholen. Der Kochbox-Lieferant Hello Fresh sollte den Schritt an die Börse im Herbst machen - doch Rocket musste den Start verschieben.

Der rapide gestiegene Wert der tief in den roten Zahlen steckenden Firma hatte Anleger skeptisch gemacht. Hello Fresh sollte beim Börsengang nach Vorstellung von Rocket-Chef Oliver Samwer mit 3,2 Milliarden Euro bewertet werden.

Auch Rocket hat nicht ewig Zeit

Eine Niederlage für Rocket, denn die Investments zahlen sich nur aus, wenn die Firma ein Startup gewinnbringend verkauft - oder eben an die Börse bringt. Zwar verweist Samwer gerne auf das schnelle Wachstum seiner Beteiligungen, doch Rocket Internet selbst kommt auf keinen grünen Zweig: Der Aktienkurs liegt aktuell bei 23,30 Euro und somit deutlich unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro - ein Minus von rund 45 Prozent.

Noch hat Rocket 1,7 Milliarden Euro auf der hohen Kante - eingesammelt beim Börsengang, per Kapitalerhöhung und Wandelanleihe. Doch der Druck steigt. Ob Samwer sein Versprechen aus dem Herbst halten kann, ein Rocket-Startup binnen 18 Monaten an die Börse zu bringen, ist offener denn je.

asra

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