Rüstung

Transportpanzer Fuchs 1A8 von Rheinmetall auf einem Feldweg

Bau von Panzerfahrzeugen Rheinmetall will in der Türkei aktiver werden

Stand: 05.08.2016, 11:26 Uhr

Der deutsche Rüstungskonzern beteiligt sich an einem Rüstungskonglomerat in der Türkei. Damit könnte Rheinmetall ein großer Wachstumsmarkt eröffnet werden. Zugleich begibt sich der MDax-Konzern auf politisch brisantes Terrain.

Laut Rheinmetall hat die Türkei seit 2014 ihre Rüstungsausgaben um 14 Prozent erhöht. Von diesem Kuchen möchte der Konzern aus Düsseldorf ein Stück abhaben. Nach Recherchen der "Welt" hat Rheinmetall gemeinsam mit dem türkischen Unternehmen BMC und dem malaysischen Konzern Etika ein neues Rüstungsunternehmen in der Türkei gegründet mit dem Ziel, gepanzerte Fahrzeuge zu produzieren. Ein Sprecher bestätigte den Vorgang. Aus Branchenkreisen sei zu hören, dass der türkische Bushersteller und Rüstungskonzern BMC die Mehrheit halte.

Deutsche Panzer am Bosporus

In den vergangenen Jahren seien bereits fast 700 Panzer aus deutschen Beständen in die Türkei geliefert worden, schreibt die "Welt". Zum einen wegen der Verkleinerung der deutschen Panzerflotte, zum anderen als militärische Hilfe für den Nato-Partner. Um die Jahrtausendwende sollten zusätzlich 1.000 Panzer gebaut und geliefert werden. Der Auftrag wurde jedoch von der Politik verhindert. Jetzt plant die Türkei offensichtlich eigene Panzer mit deutschem Know-how zu bauen.

Politisch brisantes Engagement

Das wirtschaftliche Engagement von Rheinmetall in der Türkei überschneidet sich mit der Zuspitzung der innenpolitischen Lage sowie der fast täglichen Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zwischen Ankara und Berlin. Zuletzt wurden weitere "Säuberungsaktionen" bekannt. Ziel sind diesmal die Unternehmen in der Türkei.

Kaum handfeste Information

Mehrere deutsche Rüstungsunternehmen unterhalten, zum Teil schon seit Jahren, Tochterfirmen in der Türkei und kennen den Markt. Im erst kürzlich vorgelegten Halbjahresbericht von Rheinmetall taucht das neue Rüstungskonglomerat noch nicht auf.

Die jahrelang defizitäre Rüstungssparte arbeitet wieder gewinnbringend und poliert das Konzernergebnis von Rheinmetall spürbar auf. 7,3 Milliarden Euro Auftragsvolumen stehen demnach aktuell in den Büchern - ein neuer Unternehmensrekord. Das operative Ergebnis stieg in den ersten sechs Monaten um 30 Prozent auf rund 100 Millionen Euro.

mb

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