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Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Deutsche Bank-HV

Revolte gegen Achleitner verpufft

Stand: 19.05.2017, 08:48 Uhr

Trotz der Kritik vieler Aktionäre, die Paul Achleitner mitverantwortlich für die Misere der Deutschen Bank machen, bleibt der 60-Jährige für weitere fünf Jahre Aufsichtsratschef des Instituts.

Die Aktionäre wählten ihn bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt mit 93,51 Prozent der anwesenden Stimmen erneut in das Amt. Das ist zwar kein Spitzenergebnis, aber auch keine Schlappe. Achleitner hatte den Posten im Juni 2012 übernommen. Damals hatte er bei seiner Wahl in den Aufsichtsrat 98,57 Prozent der Stimmen bekommen.

Achleitner hatte sich bei dem Aktionärstreffen heftige Kritik anhören müssen. Dem Chefkontrolleur war zuvor wiederholt vorgeworfen worden, zu lange an der glücklosen Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen festgehalten zu haben. Erst im Sommer 2015 hatte der Aufsichtsrat die Reißleine gezogen, installierte John Cryan als neuen starken Mann an der Konzernspitze und trieb die Aufarbeitung der juristischen Altlasten voran.

Höhere Präsenz als letztes Jahr

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Gescheitert ist bei der Hauptversammlung - wie schon im vergangenen Jahr - der Antrag von Aktionären, Achleitners Rolle bei der Aufklärung des Libor-Skandals um manipulierte Zinssätze per externer Sonderprüfung untersuchen zu lassen. Der streitbare Aktionär Michael Bohndorf hhält ihn für befangen, weil er seine Pflichten verletzt habe, unter anderem bei der Bewältigung der Altlasten. Deutsche Bank-Rechtsvorstand Karl von Rohr hatte bei dem Aktionärstreffen bekräftigt, umfangreiche interne wie externe Untersuchungen hätten ergeben, dass Achleitner seine Pflichten als Chefkontrolleur nicht verletzt habe.

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank waren mehr Aktionäre vertreten als ein Jahr zuvor. Die Präsenz lag - einschließlich der Briefwahlstimmen - bei 42,8 Prozent. 2016 waren es um diese Zeit 35,8 Prozent. Allein die chinesische HNA stand für einen Block von 9,9 Prozent.

Analysten sind optimistischer

Nach Ansicht von Vorstandschef John Cryan hat die Deutsche Bank das Schlimmste hinter sich, nachdem sie im vergangenen Jahr Zweifel an ihrer Überlebensfähigkeit zerstreuen musste. Dass es der bank besser geht und auch die Zukunftsaussichten sich aufhellen, sehen einige Analysten ähnlich.

So hat die DZ Bank die Deutsche Bank von "Verkaufen" auf "Kaufen" hochgestuft und den fairen Wert für die Aktien von 14,20 auf 18,50 Euro erhöht. Mit der Kapitalerhöhung und der Beilegung von größeren Rechtsstreitigkeiten hätten die Sorgen um die Kapitaldecke deutlich abgenommen, schreibt Analyst Christian Koch. Die britische Investmentbank HSBC hat ihr Kursziel für die Deutsche Bank von 16 auf 19 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Hold" belassen.

Die Kernkapitalquote sei inzwischen komfortabel, glaubt Analyst Alevizos Alevizakos. Das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) sei in den vergangenen Quartalen die entscheidende Triebfeder für die Ertragsentwicklung der Investmentbanken gewesen. Im zweiten Quartal dürften die Anleger jedoch wieder in die harte Realität zurückgeworfen werden.

Die Aktien der Deutschen Bank werden heute ex Dividende gehandelt. Der Finanzkonzern schüttet 0,19 Euro je Anteilsschein aus.

lg

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