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Wochenausblick

Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Nach dem verheerenden Jahresauftakt

Reif für eine Gegenbewegung?

von Lothar Gries

Stand: 10.01.2016, 11:11 Uhr

Das neue Jahr hat mit einem eindeutigen Sieg der Bären begonnen. Nachdem der Dax nun in fünf Handelstagen satte acht Prozent verloren hat, fragen sich die Anleger nun wann die Bullen endlich zurückschlagen. Darüber herrscht - wen wundert's - Uneinigkeit.

Nach dem schwärzesten Jahresauftakt seit Bestehen des Dax, mangelt es nicht an Schwarzsehern und angst einflößenden Aussagen à la Soros, der schon eine neue Finanzkrise heraufziehen sieht mit Dax-Kursen von 8.000 Punkten und weniger. Viele verweisen auch auf die alte Börsenregel, wonach der Januar die Richtung an den Börsen vorgibt. Dabei hat der Januar gerade erst begonnen. Es bleibt also noch genug Zeit für die Bullen wieder in Führung zu gehen. Antizyklisch eingestellte Investoren sollten deshalb jetzt hellhhörig werden.

Die erste Woche 2016 müsse kein Taktgeber für das gesamte Jahr sein, meint Marktexperte Daniel Saurenz vom Analysedienst Feingold Research: "Am Montag werden die Karten neu gemischt." Auch sei das chinesische Chaos nun jedem bewusst. Damit träfen neue Schockwellen aus dem Reich der Mitte die Anleger zumindest nicht unvorbereitet. Zudem hat die Notenbank am Freitag angekündigt, den Yuan zunächst nicht weiter abwerten zu lassen.

"Durchatmen vorstellbar"

Marktsratege Andreas Paciorek von CMC Markets will ebenfalls eine Stabilisierung der Kurse nicht ausschließen. Der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht aus den USA sei eigentlich die perfekte Mischung für eine Stabilisierung der Märkte. Er verflüchtigte ein wenig die Sorgen um die weitere Dynamik der US-Konjunktur. Andererseits könnte die schwache Lohninflation die Fed davon abhalten, die Normalisierung der Geldpolitik allzu schnell voranzutreiben. China, welches zuletzt die Märkte mit der kräftigen Abwertung des Yuan in Unruhe versetzte, könnte nun den Fuß vom Pedal nehmen. Damit sei durchaus ein "Durchatmen der Märkte vorstellbar".

Dax
Kurs
10.511,02
Differenz absolut
105,48
Differenz relativ
+1,01%
Kurs
18.308,15
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164,70
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+0,91%
Kurs
1,1242
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0,00
Differenz relativ
+0,18%

Zuversichtlich für den heimischen Aktienmarkt zeigen sich auch die Anlagestrategen der DZ-Bank: „Mit dem aktuellen Kursrutsch des Dax auf gut 9 .800 Punkte hat sich der deutsche Leitindex der unteren Kursmarke unserer für dieses Jahr definierten Schwankungsbreite von 9 .400 bis 12.000 Punkten deutlich angenähert.“ Käufe erschienen daher inzwischen aussichtsreich, schreiben die Fachleute.

Bilanzsaison beginnt

Positive Impulse könnten etwa zu Wochenbeginn die Quartalszahlen des US-Aluminiumkonzerns Alcoa liefern, der traditionell die Berichtssaison in den USA einläutet. Am Donnerstag folgen die Bank JPMorgan und der Chiphersteller Intel, bevor zum Wochenschluss die Finanzinstitute Citigroup und Wells Fargo ihre Bücher öffnen.

Einen Vorgeschmack auf die Berichtssaison erhalten die Anleger in der neuen Woche auch aus Deutschland. So legt direkt am Montag der Automobilzulieferer Continental vorläufige Jahreszahlen vor. Er dürfte Experten zufolge dem milden Winter getrotzt haben.

Ebenfalls zu Wochenbeginn berichtet Konkurrent Hella über die Entwicklung des zweiten Geschäftsquartals. Einige Analysten erwarten zudem, dass der Softwarekonzern SAP bereits in dieser Woche einen ersten Einblick in sein Zahlenwerk liefern könnte. Das Geschäftsjahr dürfte positiv ausgefallen sein.

Automesse in Detroit

Für Aufmerksamkeit dürfte auch die gleich zu Wochenbeginn auch die traditionelle Automesse in Detroit sorgen. Vor allem VW dürfte wegen des Abgasskandals im Rampenlicht stehen. Wegen der Konjunktursorgen über China standen Autoaktien zuletzt besonders stark unter Verkaufsdruck. Die Messe könnte nun für ein weniger düsteres Bild der Branche sorgen.

Natürlich kann es an den Märkten auch ganz anders kommen, schließlich hat den verheerenden Jahresauftakt mit Kurs-Verlusten im Dax von sage und schreibe 8,3 Prozent auch niemand erwartet. Doch in einer Frage sind sich alle Marktbeobachter einig: Der turbulente Jahresauftakt hat erneut gezeigt wie nervös und schwankungsanfällig die Märkte sind. Derartige Kursausschläge werde es auch weiterhin geben - vielleicht schon in der neuen Woche.

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Die Hingucker der Woche

Von Alcoa bis VW

Alcoa: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Alcoa

Traditionell eröffnet der Aluminiumkonzern den Zahlenreigen und gibt damit ein Signal für den Gesamtmarkt. Auch zu Beginn des Jahres ist Alcoa das erste US-Unternehmen, das am Montag nach Börsenschluss seine Bücher öffnet. Am Freitag hatte der Aluminiumriese bekannt gegeben, wegen der schwachen Marktverfassung seine Kapazitäten in den USA zu kappen und eine Aluminiumschmelze in Indiana zu schließen. Daraufhin ist die aktie um 2,4 Prozent eingebrochen.

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