Seitenueberschrift

Automobile

Aktie von VW

Erholung setzt sich fort

Plötzlich ist die VW-Aktie wieder ein Kauf

Stand: 07.10.2015, 11:49 Uhr

Der Aufsichtsrat von Volkswagen kommt heute zu seiner nächsten Krisensitzung zusammen. Derweil klettern die vom Abgasskandal gebeutelten Vorzüge wieder über die Marke von 100 Euro. Warum nur?

Am Vormittag verteuert sich die VW-Vorzugsaktie um über sieben Prozent auf 104,50 Euro, nachdem sie noch am Montag auf ein neues Mehrjahrestief bei 86,36 Euro eingebrochen war. Befeuert wird der Kurs von verschiedenen Faktoren, darunter zwei Kaufempfehlungen. Die Analysten Philippe Houchois von der Schweizer Großbank UBS und Adam Hull von der Privatbank Berenberg sehen in dem Aktienkurs viel Negatives eingepreist.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
108,65
Differenz absolut
0,80
Differenz relativ
+0,74%

Experte Houchois reduzierte das Kursziel von 290 auf 150 Euro, blieb aber bei seiner Kaufempfehlung. Das neue Ziel berücksichtige die Belastungen für die Margen und 35 Milliarden Euro Kosten im Zuge des Abgasskandals. Er kürzte seine Gewinnschätzungen für 2015 bis 2019 deutlich. In den Geschäftsjahren 2015 und 2016 dürfte zudem die Dividende ausfallen. Zwar gebe es für die Aktie aktuell keine Treiber, doch inzwischen sei im Kurs des Wolfsburger Autobauers schon viel Negatives eingepreist.

150 Euro statt 290

Auch der Analyst der Berenberg-Bank Hull senkte sein Ziel von 290 auf 150 Euro, blieb aber bei seiner Kaufempfehlung. Wegen des Abgasskandals dürfte die Aktie des Autobauers alerdings stark schwankungsanfällig bleiben, glaubt der Analyst. Es sei zwar schwer, die Kosten für Strafzahlungen zu beziffern, doch nach dem starken Kursrückgang sollte inzwischen schon reichlich Negatives in den Kurs eingepreist sein.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
108,65
Differenz absolut
0,80
Differenz relativ
+0,74%

Angetrieben wird die Aktie darüber hinaus vom neuen VW-Chef Matthias Müller. Der hat in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erstmals einen Zeitplan für den Fahrzeug-Rückruf genannt. Ab Januar sollen die mit illegaler Software ausgerüsteten Dieselfahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen werden. Diese Aussage sei eindeutig positiv zu werten, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. Für Erleichterung sorge außerdem, dass die Abgasmanipulationen offenbar nicht zu einem Nachfrage-Einbruch geführt habe. Auf die Frage nach dem befürchteten Nachfrage-Rückgang antwortete Müller: "Nein, einen solchen Einbruch können wir bis heute nicht erkennen."

Müller macht Mut

Mut dürfte den Anlegern auch die Aussage Müllers machen, dass Volkswagen unverändert eine starke Substanz habe, und "deshalb beste Aussichten, in zwei bis drei Jahren wieder zu glänzen". In der Krise stecke die Chance, die Strukturen von Volkswagen zu reformieren. "Wir wollen das Unternehmen verschlanken, dezentraler werden und den Marken mehr Verantwortung übertragen."

1/9

Analysten rudern heftig zurück - teilweise

Kursziele im Tiefflug

 Baader Bank in Unterschleißheim bei München

Baader Bank

Die Baader Bank hat Volkswagen (VW) nach der Rücktrittsankündigung des Vorstandschefs vorerst auf "Buy" mit einem Kursziel von 260 Euro belassen. Martin Winterkorn mache den Weg für einen Neustart frei, schreibt Analyst Klaus Breitenbach. Der Druck auf den Konzern, sowohl durch den Kursverfall der Aktie als auch durch die Bundesregierung dürfte zu hoch gewesen sein. Schwer zu verstehen sei, warum der für sein Interesse an Details bekannte Winterkorn von den Manipulationen von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen nichts gewusst haben soll.

Zudem sagte Müller, dass der chinesische Markt nicht direkt von dem Abgasskandal betroffen ist, weil dort nur 2.000 Dieselfahrzeuge verkauft worden seien.

Einzelheiten in den nächsten Tagen

Einzelheiten zur Umrüstung der manipulierten Diesel-Motoren will Volkswagen in den nächsten Tagen nennen. Der Autobauer habe dem Kraftfahrtbundesamt seine Pläne vorgelegt und werde nach der Zustimmung der Behörde informieren, sagte ein VW-Sprecher am Morgen. Das werde bald geschehen. Offen ist bislang unter anderem, bei welchen Modellen ein Software-Update genügt und bei welchen tiefgreifendere Eingriffe nötig sind. Vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) war keine Stellungnahme zu erhalten.

Das KBA hatte VW eine Frist bis zum heutigen Mittwoch gesetzt, um darzulegen, wie die Abschaltvorrichtung entfernt werden soll. Die Behörde ist laut VW in diesem Fall für die sogenannte Typengenehmigung in der Europäischen Union zuständig. Entzieht die Behörde die Genehmigung, dürften die betroffenen Autos nicht mehr verkauft und bewegt werden.

lg

1/11

Was jetzt alles auf VW zukommt

Viele Unwägbarkeiten

 Volkswagen-Besitzerin in ihrem 2013 Volkswagen Jetta Sportwagen Diesel

Schadenersatz: Die Kunden

Schadenersatz könnten zuallererst die Kunden, sprich die Käufer der betroffenen Diesel-Modelle anmelden. Denn ihnen wurde juristisch gesehen nicht das Produkt mit den Eigenschaften verkauft, die von VW versprochen wurden. Sie könnten also wegen Betrug klagen. VW hat bereits erklärt, die betroffenen Kunden zumindest im Inland anzuschreiben und die Autos technisch umzurüsten. In Amerika aber könnte es auch einfach heißen: Auto auf den Hof stellen und Geld zurück. Die Schadenshöhe dürfte je nach Rechtssystem unterschiedlich hoch sein.

Darstellung: