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Ohne Rücksicht auf Verluste?
TAG boxt Kapitalerhöhung durch
Es ist das Immobiliengeschäft des Jahres: Der MDax-Konzern TAG hat den Zuschlag für die bundeseigenen TLG-Immobilien bekommen. Doch TAG ist nicht flüssig, schon wieder muss eine Kapitalerhöhung her. Diese Ankündigung hinterlässt am Kurs der TAG-Aktie einige Blessuren.
Autsch, diese Ankündigung hat gesessen!
Bis auf 8,22 Euro fällt die TAG-Aktie am Montagvormittag. Mit einem Minus von bis zu 3,2 Prozent ist sie der mit Abstand größte Verlierer im Nebenwerteindex MDax. Die rüde Reaktion der Investoren hat einen nachvollziehbaren Grund, sollen zur Finanzierung des TLG-Immobilienkaufs doch bis zu 30 Millionen neue Aktien ausgegeben werden.
Aktie mit Wasserschaden
"Das Bezugsverhältnis wird 17:5 betragen", kündigte TAG Immobilien am Montagvormittag an. Die neuen Aktien sollen bereits ab dem Geschäftsjahr 2012 gewinnberechtigt sein. Der anteilsmäßige Gewinn je Aktie dürfte dementsprechend sinken.
Wie groß der Verwässerungseffekt genau ist – und damit der Nachteil für die Altaktionäre, darüber lässt sich aktuell allerdings nur spekulieren. Die zur Berechnung notwendigen Fakten wie der Angebots- und Bezugspreis der neuen Aktien stehen nämlich noch nicht fest. TAG will sich erst nach Durchführung eines Bookbuilding-Verfahrens voraussichtlich am 3. Dezember 2012 auf Details der Kapitalerhöhung festlegen.
TAG im Kaufrausch
Einen anderen Weg zur Finanzierung des 471 Millionen Euro schweren TLG-Kaufs (inklusive 256 Millionen Euro Schulden) hatte es für TAG anscheinend nicht gegeben. Schließlich hatte sich TAG-Chef Rolf Elgeti erst im Frühjahr die BayernLB-Tochter DKBI mit 25.000Wohnungen in Ostdeutschland für knapp eine Milliarde Euro inklusive Schulden einverleibt.
Die Integration der neuen Bestände ist gerade erst angelaufen und die Banken sind mit Immobilienfinanzierungen wegen der strengeren Kapitalanforderungen knauserig.
Ein gutes Jahr für Investoren?
Der Verkauf der TLG Wohnen GmbH an die Hamburger TAG ist der vorläufige Höhepunkt eines ereignisreichen Immobilienjahres 2012. In Deutschland haben in diesem Jahr so viele Wohnungspakete den Besitzer gewechselt wie seit Jahren nicht.
Einerseits müssen sich die Landesbanken wegen EU-Auflagen von Beständen trennen. Andererseits laufen bei manchen großen Portfolios Kredite aus, die nur mit Mühe verlängert werden können. Da kommen kauffreudige Investoren gerade recht.
Der Bund als Nutznießer
Von diesem neuen Schwung auf dem Markt konnte nun auch die Bundesregierung profitieren. Sie hatte die Privatisierung der ostdeutschen TLG – ein Erbe der Treuhandgesellschaft – im Frühjahr angeschoben. In dem Bieterverfahren konnte sich TAG unter anderem gegen den Finanzinvestor Lone Star durchsetzen.
Stand: 19.11.2012, 11:37 Uhr