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Versorger

RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim

Abschreibungen sorgen für Verluste

Oh weh, RWE!

Stand: 17.02.2016, 10:45 Uhr

Das ist ein Schlag ins Kontor: Der Energieriese ist im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht. Damit wird auch die Dividende auf ein Minimum zusammengestaucht. Die Aktie geht auf Talfahrt.

Die Aktie rauschte am Morgen so schnell nach unten, dass sie sogar kurz vom Handel ausgesetzt wurde. Danach beruhigte sich die Talfahrt aber nicht. Derzeit notiert der Dax-Titel knapp neun Prozent tiefer.

Dividendenrendite verpufft

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,72
Differenz absolut
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+0,99%

Vor allem der Beinahe-Kahlschlag bei der Dividende sorgt für Alarmstimmung bei Aktionären. Für Besitzer der im Dax notierten Stammaktien fällt die Ausschüttung für das vergangene Jahr komplett aus. Vorzugsaktionäre sollen noch 13 Cent ja Anteilschein erhalten. Das entspricht einem drastischen Rückgang von 87 Prozent, denn im Vorjahr lag die Dividende noch bei 1,00 Euro je Aktie. Wer als Anleger nur wegen der zuletzt hohen Dividendenrendite bei RWE eingestiegen war, für den gibt es nun ebenfalls ein böses Erwachen (sehen Sie dazu auch unseren Hintergrund Dividendenrendite - Vorsicht Falle).

Vor allem für den größten Einzelaktionär ist die Dividenden-Dürre ein harter Schlag: Die RW Energie-Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG (RWEB), die einen Teil der kommunalen Aktionäre versammelt, ist mit 15 Prozent der Anteile nach wie vor bei RWE an Bord. Für viele der Kommunen, überwiegend aus Nordrhein-Westfalen, bedeutet dies eine Belastung der kommunalen Finanzen in Millionenhöhe. Der Kämmerer der Stadt Essen, die auch Sitz von RWE ist, hat sich bereits mit dem Statement "Das übertrifft meine schlimmsten Albträume" geäußert. Die Stadt hatte im vergangenen Jahr Dividendeneinnahmen von 18,3 Millionen Euro und geht nun wohl leer aus. Die kommunalen Anteilseigner wollen nun ihre Reaktion auf die Maßnahme abstimmen und im Aufsichtsrat vertreten.

Strom ist zu billig

RWE bleibt aber wohl kaum eine Wahl, als die Dividende auszusetzen. Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr nach heute veröffentlichten Eckdaten einen Verlust von 200 Millionen Euro eingefahren - vor allem wegen Abschreibungen auf die Kohle- und Gaskraftwerke des Unternehmens.

Vorstandschef Peter Terium hat die Dividenden-Streichung inzwischen verteidigt. "Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht fällt", so der Manager. Terium will das Unternehmen noch in diesem Jahr gravierend umstrukturieren. Das Geschäft mit Ökostrom, Netzen und dem Vertrieb soll abgespalten werden und zum Teil an die Börse gebracht werden.

RWE steht wegen der Kosten für den Atomausstieg und den Preisverfall bei Strom auch im laufenden Jahr unter Druck. Das Betriebsergebnis soll 2016 auf 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro zurückgehen, nachdem es bereits 2015 auf 3,8 von zuvor rund vier Milliarden geschrumpft ist. Kostensenkungen sollen die Ergebniserosion aber noch in Grenzen halten.

Aktie wieder auf dem Teppich

Für Aktionäre ist das laufende Jahr ein Wechselbad der Gefühle. RWE- wie auch Eon-Aktien waren in den vergangenen Wochen gegen den Trend gestiegen, die geplante Aufspaltung hatte Anleger-Fantasien geweckt. Nun sind die Kursgewinne seit Jahresbeginn fast wieder verpufft - für RWE heißt es nun: zurück auf Los.

AB

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