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Statistik

Bulldogge die auf einer Eisfläche ausgerutscht ist

Wird 2016 wie 2008?

Oh, Du böser Januar-Effekt!

Stand: 21.01.2016, 11:09 Uhr

"As goes January, so goes the year", lautet eine bekannte Börsenregel. Wie der Januar, so läuft das ganze Jahr. Das kann ja heiter werden. Dieser Januar ist einer der schlechtesten Börsenmonate aller Zeiten. So schlecht war der Start zuletzt - im Crash-Jahr 2008!

Normalerweise ist der Januar ein hervorragender Monat für Aktienanleger. Das sagt jedenfalls die Statistik. Aber dieses Börsenjahr startet alles andere als normal. Rund 1.300 Punkte hat der Dax in diesem Jahr bereits verloren. Das ist ein Minus von 13 Prozent, und es ist eine der miserabelsten Dax-Bilanzen zum Jahresstart.

Zuletzt lief es zum Jahresauftakt ähnlich schlecht nur im Crash-Jahr 2008. Da verlor der Deutsche Aktienindex im Januar gut 1.200 Punkte oder 15 Prozent. Und am Ende des Jahres lautete die Bilanz: minus 40 Prozent!

Die schwarze Katze Januar

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
10.361,48
Differenz absolut
-32,23
Differenz relativ
-0,31%

Für abergläubisch veranlagte Anleger hat dieser Januar also die Gestalt einer schwarzen Katze angenommen. Sie bekommen Unterstützung aus der Welt der Zahlen. Aus der Welt der Statistiker. Sie werten einen schlechten Januar an der Börse als äußerst schlechtes Omen. Ausführliche Untersuchungen gibt es vor allem zum amerikanischen Markt. Die Credit Suisse etwa hat die historischen Daten der US-Börsen bis zurück ins Jahr 1928 verfolgt und ausgewertet.

Das Ergebnis war: Die Jahresentwicklung am Aktienmarkt ist in 66 Prozent der Fälle eine Art Echo des Januars. Die eingangs zitierte Börsenweisheit kommt also nicht von ungefähr.

Die andere Seite der Wahrheit

Das ist gleichwohl nur die halbe Wahrheit. Die Statistik sagt nämlich auch, dass der Januar-Effekt bei steigenden Märkten häufiger zu beobachten ist als bei fallenden. Stieg der Aktienmarkt im Januar, endete das Jahr in 78 Prozent der Fälle im positiven Berreich, beobachtete die Credit Suisse in ihrer Studie. Bei einem Januar mit Minuszeichen folgte die Börse nur in 45 Prozent der Fälle.

Moment: Das heißt, laut dieser Studie ist ein Januar mit Minuszeichen streng genommen sogar als positives Zeichen zu werten? Eine Art Kontra-Indikator? Spaß beiseite. Andere Studien berechnen je nach zugrunde gelegtem Index oder Wahl des Zeitraums andere Wahrscheinlichkeiten. So ist auch zu lesen, dass nach einem schlechten Januar in rund 60 Prozent aller Fälle ein Minus-Jahr zu erwarten ist.

Das bewegt sich nicht weit weg von einer 50:50-Chance. Immerhin: Wer dem Januar-Effekt als Ratschlag folgte, und je nach Börsenverlauf im ersten Monat danach aus dem Aktienamrkt ausstieg oder in Aktien investiert blieb, der hätte acht der zehn schlimmsten Börsenjahre ausgesetzt - und nur eines der zehn besten Jahre verpasst.

Test der Dax-Statistik

Natürlich gilt: Keine Börsenregel ohne Ausnahme. So hat das Jahr 2015 beispielsweise stark angefangen - und umso stärker nachgelassen. Eine von wenigen Ausnahmen? Machen wir einen kleinen Test der letzten Dax-Jahre.

Nach der bewundernswerten Treffsicherheit im Jahr 2008 versagte die Januar-Regel mehrere Male: 2009 startete schwach, das Gesamtjahr war aber um ein vielfaches stärker. Ähnlich lief es 2010: Schwach am Anfang, aber stark im Abgang. 2011 ging es zwar positiv los, aber hinter dem Gesamtjahr stand ein Minus. Erst 2012 und 2013 bewahrheitete sich die Januar-Regel wieder. Ein Kaffeesatzleser hätte in den letzten Jahren vielleicht mehr Erfolg gehabt.

Als Ratschlag bleibt: Anleger sollten nicht blind irgendwelchen Statistiken vertrauen. Für manche Börsenregel und statistische Auffälligkeit mag es gut begründbare Zusammenhänge geben. So ist der Januar häufig ein guter Börsenmonat. Erklärbar zum Beispiel dadurch, dass zum Jahresende größere Summen in die Taschen der potenziellen Anleger fließen, zum Beispiel Bonuszahlungen, Prämien, Zinszahlungen oder auch Steuerrückflüsse - alles Gelder, die angelegt werden wollen. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, wie der Januar 2016 zeigt. Wichtiger als jede Statistik ist und bleibt für Anleger also, die aktuelle Lage zu analysieren.

bs

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