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Nokia - vom Gummistiefel zum Netzwerk Die bewegte Geschichte

Erstes Logo von Nokia von 1865 und Porträt des Gründers Fredrik Idestam

Unten am Fluss

Die Geschichte von Nokia beginnt für einen Handykonzern recht früh - nämlich bereits 1865. Damals baute der Ingenieur Fredrik Idestam in Tampere im Südwesten Finnlands eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später entstand eine zweite in der Nähe des Flusses Nokianvirta - daher auch der Konzern-Name "Nokia".

Nokia - vom Gummistiefel zum Netzwerk Die bewegte Geschichte

Erstes Logo von Nokia von 1865 und Porträt des Gründers Fredrik Idestam

Unten am Fluss

Die Geschichte von Nokia beginnt für einen Handykonzern recht früh - nämlich bereits 1865. Damals baute der Ingenieur Fredrik Idestam in Tampere im Südwesten Finnlands eine Papierfabrik. Ein paar Jahre später entstand eine zweite in der Nähe des Flusses Nokianvirta - daher auch der Konzern-Name "Nokia".

Historisches Poster der finnischen Gummifabrik von 1905

Nokia gibt Gummi

Bevor aus der Papierfabrik ein Handykonzern wurde, nahm Nokia noch einen Umweg über die Gummiproduktion: 1898 gründete Eduard Polón eine Fabrik, die unter anderem Gummistiefel und Radmäntel für Rollstühle herstellte. Das Unternehmen geht 1967 gemeinsam mit der Papierfabrik und dem 1912 gegründeten Kabelunternehmen Finnish Cable Works in der Nokia Corporation auf. Damit wird der Grundstein für das spätere Technologieunternehmen gelegt.

Handy Mobira Talkman von Nokia

Mobiles Erlebnis im Kofferformat

Der Mobira Talkman aus dem Jahre 1984 ist eines der ersten transportfähigen Telefone. Doch Nokias Aufbruch in die mobile Ära ist kein leichter: Fünf Kilo bringt der koffergroße Mobira Talkman auf die Waage. Für die Handtasche zu schwer, fand der Talkman vor allem in Autos Verwendung.

Michail Gorbatschow mit Nokia Mobira Cityman

Der Beginn einer Ära

Was ist so groß wie ein Telefonhörer, wiegt 800 Gramm und kostet 10.000 DM? Das Nokia Mobira Cityman, das erste mobile Handtelefon von 1987. Zuvor waren Mobiltelefone stets fest installiert in Autos. 1989 nutzte der russische Präsident Michail Gorbatschow den Cityman, um Moskau über die deutschen Wiedervereinigungspläne zu informieren. Das Foto ging um die Welt – und brachte dem Cityman den Spitznamen "Gorba" ein.

Nokia Modell 1011

Nichts für Plaudertaschen

Richtig aufwärts geht es bei Nokia ab 1992. Damals bringen die Finnen mit dem Nokia 1011 das erste massentaugliche GSM-Handy auf den Markt. Mit seinen Abmessungen von 195 x 60 x 45 mm und einem Gewicht von 475 g war es handlicher als das Konkurrenzprodukt Motorola International 3200, besser bekannt als der "Knochen". Viel Zeit zum Plaudern hatte man mit dem Nokia 1011 nicht: Die Batterie lieferte nur eine magere Sprechzeit von 90 Minuten, im Stand-by-Modus lief es zwölf Stunden.

Nokia-Klingelton in Notenschrift

Ein Klingelton erobert die Welt

Nokia geht nicht nur ans, sondern auch ins Ohr: 1994 brachte Nokia das Modell 2110 auf den Markt, das erste mit dem Nokia-Klingelton "Grande Valse". Der 1998 in "Nokia Tune" umbenannte Klingelton war sicher der bekannteste Handy-Klingelton der Nullerjahre und weltweit eine der am häufigsten gehörten Melodien. Dabei handelte es sich um eine Variation der Takte 13 bis 16 der 1902 geschriebenen Solo-Gitarrenkomposition "Gran Vals" des spanischen Komponisten Francisco Tarrega.

Nokia Modell 6110

Ein echter Klassiker

1997 brachte Nokia einen weiteren Meilenstein auf den Handymarkt: Das 6110 wurde rasch zu einem der meistverkauften Mobiltelefone überhaupt. Das Gerät hatte einen Multifunktions-Stecker, über den man es mit einem PC verbinden konnte, aber auch Headsets, Kfz-Freisprechanlagen oder PC-Modemkarten ließen sich anschließen.

Nokia-Handydisplay, auf dem das Spiel Snake zu sehen ist

Schlangen-Zocken

Mit dem 6110 eroberte Nokia auch die mobile Spielewelt im Sturm: Der Spieleklassiker "Snake" war auf jedem 6110 vorinstalliert. So einfach das Spielprinzip, so süchtig machte es: Eine Schlange frisst Gegenstände, wird dabei immer länger und dadurch wird es immer schwerer, an das Futter zu kommen, ohne sich selbst zu zerstören.

Nokia 9000 Communicator

Erstes Smartphone der Welt

Natürlich war es Apple, das dem Smartphone schließlich seine heutige Bedeutung gab, als Erfinder des internetfähigen Multifunktionsgerätes gilt aber Nokia. Der auf der CeBit 1996 vorgestellte Nokia 9000 Communicator konnte als erstes Handy neben Telefonie und SMS auch E-Mails und Faxe versenden und empfangen, sowie HTML-basierte Internetseiten öffnen. Das Gerät ließ sich ähnlich wie ein Laptop öffnen, hatte eine komplette Tastatur und besaß ein DOS-basiertes Betriebssystem. Diese Kombination von Mobiltelefon und PC ist heute Standard. Damals ließ sich Nokia seine Innovation mit 2.700 D-Mark (heute etwa 1.380 Euro) vergelten.

Auf dem Gipfel

Aus dem Gummistiefel- und Papierproduzenten ist ein erfolgreicher Telekommunikationskonzern geworden. 1998 wird Nokia der weltweite Marktführer bei Handys. Auf diesem Thron sollten die Finnen für sehr lange Zeit sitzen. Bis, ja bis…

Steve Jobs stellt erstes iPhone 2007 vor

Plötzlich Konkurrenz

… im Januar 2007 Apple das erste iPhone vorstellt: eine Revolution für die Tech-Welt – und der Anfang vom Niedergang des Nokia-Konzerns. Denn Nokia verkauft zwar weiterhin enorm viele Mobiltelefone - allerdings vorwiegend die einfachen, weniger gewinnträchtigen Apparate, die nicht internetfähig sind und und im Vergleich zu den Apple-Produkten ziemlich alt aussehen.

Händedruck zwischen Stephen Elop, Nokia, und Microsoft-Chef Steve Ballmer

Der Handschlag mit Microsoft

Im Februar 2011 gehen Nokia-Chef Stephen Elop und Microsoft-Chef Steve Ballmer eine Kooperation ein: Nokia bringt die Hardware und seine mobile Kartensoftware mit, Microsoft das Betriebssystem Windows Phone. Für beide Konzerne ist es letzten Endes das Eingeständnis eines Scheiterns- gegenüber dem Siegeszug der Smartphones. Nur noch gemeinsam können Nokia und Microsoft bestehen gegen die neuen großen Dominatoren wie Google und Apple.

Wenn Träume platzen

Als Folge der Partnerschaft mit Microsoft wird die Lumia-Reihe ins Leben gerufen. Die ersten Smartphones der Modellreihe wurden im Oktober 2011 auf der Hausmesse Nokia World in London vorgestellt, sie alle liefen mit dem Betriebssystem Windows Phone. Doch die Hoffnungsträger verkauften sich nicht so gut wie erwartet. Der von manchem so sehnlich erwartete Turnaround bleibt aus, Nokia schreibt weiter rote Zahlen.

Microsoft schlägt zu : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra EU Stars für den Zeitraum 5 Jahre

Microsoft schlägt zu

Mit einem Paukenschlag meldet sich Nokia am frühen Morgen des 3. September 2013 zu Wort: Microsoft wolle sein Kerngeschäft für 5,44 Milliarden Euro übernehmen. Das katapultiert die Nokia-Aktie in zuletzt ungeahnte Höhen: Auf Xetra schießt sie bis zu 46 Prozent in die Höhe auf 4,31 Euro. Erst im Juli 2012 hatte sie bei 1,33 Euro ein Allzeittief markiert.

Vorstandsmitglieder Elizabeth Nelson (links) und Elizabeth Doherty und Mitglieder des Nokia Führungsteams Stephen Elop und Michael Halbherr

Grünes Licht der Aktionäre

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Helsinki stimmen fast 99 Prozent der Nokia-Aktionäre dem Verkauf zu. Die Stimmung in der Eissporthalle ist eher sachlich als frostig. In einer Riesen-Schau erinnert Nokia an die großen Erfolge der Vergangenheit. So wird der frühere sowjetische Präsident, Michail Gorbatschow, mit dem legendären "Cityman"-Handy abgebildet. Die Aktionäre klatschen artig Beifall und hoffen auf eine neue Ära.

Nokia-Zentrale in Espoo, Finnland

Das "Nokia House" wird zur Microsoft-Filliale

Nur zwei Tage nach der Zustimmung der Aktionäre räumt Nokia seine Konzernzentrale in Espoo bei Helsinki. Das "Nokia House" aus Glas und Stahl mit Blick aufs Meer beherbergt künftig Büros von Microsoft. Die Mitarbeiter behalten aber ihre Schreibtische - und ihre Jobs.

Nokia-Handy mit Microsoft-Logo

Milliardendeal wird vollzogen

Acht Monate nach der Ankündigung ist der Verkauf der Handysparte von Nokia endgültig unter Dach und Fach. Ende April 2014 schließt Microsoft den Mega-Deal erfolgreich ab. Nachdem auch die chinesischen Wettbewerbshüter grünes Licht für die Transaktion gegeben haben, ist der Weg für die Übernahme frei. Für Nokia endet die Handy-Ära. Ein letztes Mal belastet die Handy-Sparte die Zahlen zum ersten Quartal 2014, bevor Nokia unter Rajeev Suri in eine neue Phase eintritt.
Mehr zum Thema: Nokias Handy-Geschäft sorgt zum Abschied für rote Zahlen

Nokia- und Frankreichfahnenaufkleber auf einer Glastüre mit Alcatel Lucent-Schriftzug

Nokia schnappt sich Alcatel Lucent

Im April 2015 kündigen die Finnen an, für 15,6 Milliarden Euro den französischen Konkurrenten Alcatel-Lucent übernehmen zu wollen. Die gemeinsame Firma soll Nokia Corporation heißen, Firmensitz ist Finnland.
Mehr zum Thema: Nokia macht den Alcatel-Deal

Karten des Anbieters Here auf Navigationsgerät

Kartendienst Here verkauft

Im April 2015 stellt Nokia seinen Kartendienst Here zum Verkauf. Am 4. Dezember 2015 geht Here an die deutschen Autobauer BMW, Audi und Daimler, die seither je ein Drittel an dem Kartendienst halten. Als Verkaufspreis gibt Nokia 2,8 Milliarden Euro an.

Nokia Logo im Himmel über dem Pariser Finanz-Viertel La Defense

Plötzlich französisch

Im Januar 2016 hat Nokia die Übernahme von Alcatel-Lucent abgeschlossen. Seitdem ist Nokia im französischen Leitindex CAC 40 notiert, wo es Alcatel-Lucent ersetzt.

Nokia

Nokia gibt sich nicht geschlagen

Und jetzt die Rolle rückwärts? Nokia kehrt zurück ins Smartphone- und Tabletgeschäft - zumindest die Marke Nokia. Den Part übernehmen wieder Finnen: Das finnische Start-up HMD Global Oy bringt die neuen Nokia-Smartphones mit dem alten Logo raus. Die ersten Handys kamen Anfang 2017 heraus.
Mehr dazu hier: Comeback des Nokia-Handys

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