Seitenueberschrift
Überraschender Quartalsgewinn
Wilde Ausschläge bei der Nokia-Aktie
Die Fachleute liegen richtig daneben: Sie hatten beim Handy-Pionier Nokia einen Quartalsverlust prognostiziert, tatsächlich schaffte der Konzern den Sprung in die Gewinnzone. Auch einige Anleger wurden wohl auf dem falschen Fuß erwischt.
Das Nokia-Logo wird angeklebt: Aktie mit Aufwärtspotenzial?
Direkt nach Veröffentlichung der Quartalszahlen sprang die Aktie um rund vier Prozent an. Offenbar hatten viele Anleger darauf gewettet, dass die Zahlen eine Enttäuschung werden. Etwa 19 Prozent aller Nokia-Aktien des Unternehmens seien derzeit verliehen, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das ist die höchste Quote aller im EuroStoxx 50 gelisteten Werte.
Ein Mini-Short Squeeze
Anleger leihen sich Aktien eines Unternehmens, um sie sofort zu verkaufen – ein sogenannter Leerverkauf. Auf diese Weise setzen sie auf fallende Kurse, denn die Investoren wetten darauf, dass sie die Aktien am Ende der Ausleih-Frist billiger zurückkaufen zu können. Den Preisunterschied streichen sie als Gewinn ein.
Da Nokia im vierten Quartal die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft hat, mussten sich daher viele Anleger möglichst schnell mit Aktien eindecken, um die Verluste zu begrenzen. Dieser Short Squeeze könnte den kurzen Satz nach oben erklären. Denn aktuell zeigt der Pfeil allerdings massiv in die andere Richtung. Die Aktie stürzt zeitweise um mehr als sieben Prozent ins Minus und notiert derzeit etwa bei 3,40 Euro.
Dividende fällt aus
Die Zahlen des finnischen Handy-Konzerns bieten durchaus Überraschendes: Die Barmittelbestand habe sich von Ende September bis Ende Dezember aber von 3,6 Milliarden auf 4,4 Milliarden Euro verbessert. Im vierten Quartal schrumpfte der Umsatz der Finnen zwar um ein Viertel auf 8,04 Milliarden Euro. Er lag damit knapp unter den Markterwartungen.
Besonders der Überschuss fiel unerwartet stark aus: Unterm Strich blieben dank großer Sparbemühungen 202 Millionen Euro übrig. Analysten hatten im Schnitt mit einem Verlust von 248 Millionen Euro gerechnet. Seit dem dritten Quartal ging es also weiter aufwärts. Allerdings streicht der Konzern die Dividende. Für das gesamte Jahr 2012 steht ferner trotz des besseren Schlussquartal immer noch einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro in der Bilanz.
Enormes Aufwärtspotenzial...
Die Titel von Nokia wurden in den vergangenen Wochen aufmerksam beobachtet. Und die heutige dramatische Kursreaktion zeigt, dass die Meinungen über die Zukunft so volatil sind wie der Tageschart. boerse.ARD.de warf jüngst einen technischen Blick auf die Aktie, um die Frage zu beantworten: Ist die Aktie zu heiß gelaufen?
Im Gespräch mit boerse.ARD.de hatte sich kürzlich Mojmir Hlinka, der Direktor der Züricher Vermögensverwaltung AGFIF International, positiv zur Nokia-Aktie geäußert: "Nokia dürfte 2013 in die schwarzen Zahlen zurückkehren, das würde der Aktie ein enormes Aufwärtspotenzial verschaffen."
... oder nicht nachhaltig?
Bereits vor Veröffentlichung der Quartalszahlen hatten die Fachleute von JPMorgan das Kursziel für die Aktien 1,20 auf 2,00 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Underweight" belassen. Zur Erinnerung: Das Papier steht derzeit deutlich über 3 Euro. Analyst Sandeep Deshpande weist darauf hin, dass die zuletzt positive Entwicklung im Handygeschäft dem Konzern ein wenig Zeit für die Wende verschafft habe.
Die positivere Tendenz beruhe aber nur auf Kostensenkungen und dem Verkauf von mittelpreisigen Handys in den Schwellenländern, meint der Fachmann. Solange das Geschäft mit Smartphone-Geräten aber nicht an Schwung gewinne, sei dies nicht nachhaltig.
Apple und Samsung enteilt
Das sehen offenbar viele Anleger ähnlich, denn hier hat Nokia in der Tat noch aufzuholen. Ein Nokia-Hoffnungsträger für die Rückkehr in die Spitzengruppe sind die Lumia-Smartphones mit Microsofts Betriebssystem Windows 8. Nokia verkaufte im vergangenen Quartal 4,4 Millionen Lumia-Geräte. Das half zwar, den Durchschnittspreis eines abgesetzten Smartphones auf 186 Euro von 140 Euro ein Jahr zuvor zu steigern.
Gemessen an den Verkäufen der großen Rivalen war das jedoch zu wenig. Apple meldete unmittelbar vor der Nokia-Bilanz 47,8 Millionen abgesetzte iPhones im Weihnachtsgeschäft. Samsung dürfte noch darüber liegen.
Stand: 24.01.2013, 14:37 Uhr