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Autoindustrie

Daimler-Vorstand Dieter Zetsche

Schlechtes Umfeld für Diesel-Fahrzeuge

Niedrige Spritpreise machen Daimler-Boss Sorgen

Stand: 24.01.2016, 16:10 Uhr

VW-"Dieselgate" hat Mercedes in den USA bisher nicht geschadet. Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht eher das billige Öl als Absatzbremse. Dennoch zeigt er sich für das neue Jahr zuversichtlich.   

Für 2016 traue er Mercedes "erneut ein deutliches Wachstum" zu, sagte Zetsche im Interview mit der "Welt am Sonntag". Er verwies auf neue Modelle wie die jüngst in Detroit präsentierte neue E-Klasse. Die Wahrscheinlichkeit, mit Mercedes 2020 größter und erfolgreichster Premiumanbieter zu werden, sei heute viel größer als vor vier oder fünf Jahren.

Nach Einschätzung von Zetsche wird der Automarkt in diesem Jahr weltweit um drei Prozent wachsen. In den USA wird der Boom etwas abflauen. "Ich halte dort ein Absatzplus von einem bis 1,5 Prozent für realistisch", sagt Zetsche.

Spritfresser in den USA mehr gefragt als Dieselfahrzeuge

Negative Auswirkungen des VW-Abgasskandals sieht er für Mercedes nicht. "Es gibt als Folge von 'Dieselgate' keinen Absatzrückgang bei unseren Diesel-Fahrzeugen in den USA", behauptet der Daimler-Chef. Dass der Marktanteil der deutschen Hersteller auf inzwischen acht Prozent zurückgegangen sei, liege an der massiven Zunahme der SUVs, Pick-ups und Mini-Vans. Wegen des billigen Sprits kauften die Amerikaner bevorzugt große PS-starke Fahrzeuge. Zetsche: "Wer seinen Fokus auf Limousinen hat, verliert Marktanteile."

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Zetsche bekräftigte, in den Markt der Pick-ups mit Partner Nissan einzusteigen. Mini-Vans werde dagegen Daimler nicht bauen. Diese Modelle seien meist im Niedrigpreis-Segment angesiedelt. "Das passt nicht zum Premiumanspruch von Mercedes."

Zetsche betonte, dass ein Skandal wie "Dieselgate" bei Mercedes nicht möglich wäre. "Wir haben in unserem Unternehmen Compliance-Regeln und eine Kultur der Integrität, die es unwahrscheinlich machen, dass es bei Daimler etwas Vergleichbares geben könnte."

Keine auffälligen Werte bei Nachprüfungen

Abgasnachprüfungen des Kraftfahr-Bundesamts hätten bei Daimler keine auffälligen Werte ergeben, sagte Zetsche. Die Behörde hatte als Reaktion auf den Abgas-Skandal bei VW mehr als 50 Modelle verschiedener Autobauer überprüft. Dabei wurden teilweise erhöhte Stickoxid-Werte bei unterschiedlichen Bedingungen festgestellt. Welche Modelle betroffen sind, ist immer noch unklar.

"Jetzt die Werte, die auf Prüfständen ermittelt werden, generell infrage zu stellen und zu verteufeln, ist keine Lösung", monierte Zetsche. Natürlich könnten Tests nie die gesamte Wirklichkeit abbilden. Es stimme, dass Messungen auf Rollenprüfständen nur einen Abschnitt dessen abbilden, was man mit einem Auto anstellen kann. Zetsche findet es richtig, "dass wir bei Messungen künftig auch Situationen berücksichtigen, in denen ein Auto extremer als bei den bisherigen Vorgaben beansprucht wird".

nb

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