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Wochenausblick

Hingucker der Woche

Wohin treibt der Dax?

Neue Impulse verzweifelt gesucht

Stand: 19.03.2017, 11:13 Uhr

Nach der Erleichterung über die Niederlage der Rechtsextremen in Holland und angesichts einer anhaltend expansiven Geldpolitik sind die Aussichten für weitere Kursgewinne an den Börsen eigentlich gut. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Verschnupft könnten die Anleger zunächst auf den Ausgang des Treffens der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in Baden-Baden vom Wochenende reagieren. Dort haben die USA das seit vielen Jahren vertraute Bekenntnis zum Freihandel abgelehnt. Nur mit Mühe wurde ein Scheitern beim Streitthema Freihandel und Protektionismus verhindert. Für die auf den Export fokussierte deutsche Wirtschaft sind das keine guten Nachrichten.

Relativ geringe Impulse sind in der neuen Woche auch von den wenigen Konjunkturdaten zu erwarten. Im Fokus stehen die Einkaufsmanagerindizes sowie das Verbrauchervertrauen aus dem Euroraum. In den USA werden lediglich die Auftragseingänge für langlebige US-Güter erwartet. Auch aus den Unternehmen sind nach dem weitgehenden Ende der Berichtssaison nur wenige Neuigkeiten zu erwarten - mit Ausnahme der Deutschen Bank. Dazu später mehr.

Test des alten Hochs erwartet

Bei positiven Konjunktursignalen sehen einige Marktexperten dennoch gute Chancen, dass sich der Dax zum kalendarischen Frühlingsanfang seiner Bestmarke von 12.390,75 Punkten aus dem April 2015 weiter nähern kann. "Das Umfeld für die Aktienmärkte bleibt weiterhin gut unterstützt", kommentiert die Weberbank. Unter anderem sorgten die positive Wirtschaftsdynamik, steigende Unternehmensgewinne, eine weiterhin expansive europäische Notenbank sowie ein schwacher Euro mittelfristig für Auftrieb.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.687,67
Differenz relativ
+0,54%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
20.894,83
Differenz relativ
+0,43%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.600,74
Differenz relativ
+0,68%

Auch Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck, erwartet in Kürze einen Test der alten Dax-Bestmarke. Er setzt auf Rückenwind durch die anstehenden Einkaufsmanager-Umfrageergebnisse, welche seiner Meinung nach die gute Stimmung der Unternehmen bestätigen sollten.

Unternehmen sind optimistisch

Denn trotz aller politischen Risiken im Ausland sind die Unternehmen und Verbraucher bislang überraschend optimistisch gestimmt. Das liegt auch daran, dass sich in Frankreich die Aussichten des liberalen, europafreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron deutlich verbessert haben. Tatsächlich hat der 39jährige frühere Investmentbanker gute Chancen im entscheidenden zweiten Wahlgang am 7. Mai seine ärgste Widersachererin, die Rechtsextreme Marine Le Pen, zu besiegen. Auch spricht alles dafür, dass die EZB trotz wachsender Kritik aus Deutschland, ihren expansiven Kurs in diesem Jahr nicht ändern wird, so dass die Leitzinsen noch lange bei Null verharren.

In diesem Umfeld stehen die Chancen für weitere Kurssteigerungen eigentlich gut. "Zum Überschießen wären aber wohl weitere 'Good News' nötig." Postbank-Stratege Heinz-Gerd Sonnenschein sieht mangels Impulsen in den kommenden Tagen keinen großen Schub nach oben. "Ich könnte mir vorstellen, dass der Handel nach Ablauf der Berichtssaison recht dröge abläuft."

Emmanuel Macron, französischer Wirtschaftsminister

Emmanuel Macron. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Trügerische Sorglosigkeit".

Sören Wiedau von der Weberbank, dass einige Aktienmärkte schon ganz gut gelaufen seien, und diagnostizierte eine "trügerische Sorglosigkeit". Ein temporärer Kursrückschlag sollte daher nicht verwundern. Die Experten der DZ Bank würden eine solche Entwicklung vor den Wahlen in Frankreich sogar begrüßen. Denn die Gewinnschätzungen für die Unternehmen hätten mit den zuletzt deutlich gestiegenen Kursen nicht mehr mithalten können.

Für Aufmerksamkeit dürfte die Deutsche Bank sorgen. Am Dienstag startet das Geldhaus seine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Das Geld hat das Institut schon sicher, weil die begleitenden Investmentbanken den Betrag voll garantieren. Entscheidend ist die Frage, ob die Frankfurter die neuen Papiere zu einem höheren als dem Mindestpreis von 11,65 Euro losschlagen können. Zum aktuellen Aktienkurs ist dies ein Abschlag von rund 35 Prozent.

Die Aktien des Softwarekonzerns SAP könnten mit der Kapitalmarktveranstaltung am Montag einen Blick wert sein. für den Mittwoch hat der Autobauer BMW zu einer eine Analysten- und Investorenkonferenz geladen.

lg

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