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Wochenausblick

Hingucker der Woche

Zwischen Weltkonjunktur und Berichtssaison

Nervöse Anleger vor bewegter Woche

von Robert Minde

Stand: 31.01.2016, 12:03 Uhr

Die Börse blickt kommende Woche auf zahlreiche neue Quartals- und Konjunkturzahlen. Aber nicht nur das, auch die Notenbanken rücken wieder stärker ins Blickfeld der Investoren.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ja, es gibt sie noch, die Notenbanken. Zuletzt war es ruhiger geworden, die Fronten schienen geklärt. Aber nach dem Paukenschlag der Bank of Japan, nach EZB-Vorbild nun Strafzinsen für die Banken einzuführen, ist zuletzt auch die Federal Reserve wieder ins Blickfeld der Investoren geraten. Der ambivalente globale Konjunkturausblick von Fed-Chefin Janet Yellen hat die Börse jedenfalls gewaltig bewegt und einmal mehr gezeigt, welch überragende Bedeutung die Geldpolitik für die Kapitalmärkte weltweit hat.

Kann die Fed ihren Zinsfahrplan halten oder rückt sie womöglich von ihrem Zinserhöhungsszenario für 2016 ab? Die Frage, die geeignet sein könnte, alle anderen Überlegungen zu überlagern, dürfte nicht nur in der kommenden Woche für Sprengstoff an den Weltbörsen sorgen und die Märkte dabei kräftig in Bewegung halten.

Es scheint so, als ob die Fed angesichts der hartnäckigen Abschwächung der chinesischen Wachstumsraten und damit verbunden dem freien Fall der Ölpreise zunehmend vorsichtiger wird. Zumal auch die eigenen Konjunkturzahlen bestenfalls gemischt ausfallen. Die Fed habe ihre Prognosen zwar nicht zurückgenommen, müsse aber die Auswirkungen der globalen Wirtschaftsschwäche und Turbulenzen an den Finanzmärkten besser verstehen, sagte der Präsident der regionalen Notenbank von Dallas, Robert Kaplan, am Freitag der Nachrichtenagentur "Reuters".

Don Quijote will niemand sein

Eine mögliche Verschiebung neuer Zinserhöhungen über den Sommer hinaus in die zweite Jahreshälfte könnte den Märkten jedenfalls nach dem verheerenden Januar Luft zum Atmen verschaffen. Und dass von Mario Draghi in Europa wohl noch so einiges zu erwarten ist, ist eine der wenigen Konstanten im aktuell uneinheitlichen Marktumfeld.

Ob sich dieses übergeordnete Anlagebild am Markt durchsetzen wird, ist aber keinesfalls ausgemachte Sache. Denn letztlich ist das halbherzige Statement der Fed ja ein Zeichen dafür, dass die Weltkonjunktur unter mächtigem Druck steht, gerade auch in den Schwellenländern. Da wird sich wohl so mancher Anleger an der Börse fragen, wo denn die zukünftigen Gewinne der Unternehmen herkommen sollen, die da am Markt gehandelt werden. Selbst Apples Wachstum scheint nicht in Stein gemeißelt, wie die jüngsten Zahlen des Kultkonzerns gezeigt haben.

Die Nervosität der Anleger bleibt wegen Konjunktursorgen und der Furcht vor weiteren Turbulenzen an den chinesischen Börsen und beim Ölpreis jedenfalls hoch. "Eine Erholung ist nicht in Sicht, es stehen weiter starke Kursschwankungen bevor", drückt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB kräftig auf die Euphoriebremse. Die Experten der LBBW sind ebenfalls vorsichtig. Sie sehen die Aktienmärkte weiterhin in einem Bärenmarkt, also in einem übergeordneten Abwärtstrend.

Aber die Bären müssen auch wissen, dass sie sich von kommender Woche an explizit gegen die Notenbanken stellen. Ein Kampf gegen Windmühlen, wie Analyst Jochen Stanzl von CMC Market meint. "Und an den Märkten will niemand Don Quijote sein."

Zahlreiche Quartalsausweise

Für Spannung ist also gesorgt, wenn sich die Börse in der kommenden Woche intensiv mit ihrem Brot- und Buttergeschäft beschäftigen wird. Am heimischen Markt öffnen mit Infineon am Dienstag sowie der Münchener Rück am Donnerstag zwei Dax-Firmen ihre Bücher. Daimler hält ebenfalls am Donnerstag seine Bilanz-Pressekonferenz ab.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,06
Differenz absolut
-4,93
Differenz relativ
-8,22%

Damit kommt nun auch die europäische Berichtssaison in Fahrt, in Amerika ist sie ja schon länger in vollem Gang. Aus der zweiten Reihe legt der Laborausrüster und Kurswunder Sartorius aus dem TecDax Zahlen vor, auch Osram und Wacker Chemie stehen auf der Agenda. Hinzu kommen zahlreiche große europäische Adressen, wie etwa die beiden schweizer Großbanken UBS (Dienstag) und Credit Suisse (Donnerstag) und natürlich weitere US-Schwergewichte.

So unter anderem Google, das heute Alphabet heißt, der Ölriese Exxon, die Pharmamultis Pfizer und Merck & Co., oder Autobauer General Motors. Interessant dürfte es auch werden, wenn der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta am Mittwoch berichtet - weniger wegen der Zahlen selbst, sondern ob es in Sachen Übernahme etwas Neues gibt.

Wichtige Makrodaten

usa arbeitsmarkt . | Quelle: picture-alliance/dpa

Von der Konjunkturseite geht es gleich am Montag in China hoch her. Auf der Agenda steht der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Januar. Wie ist die Stimmung im Reich der Mitte? Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass ohne bessere chinesische Konjunkturzahlen jede Erholung ohnehin auf tönernen Füßen steht.

Auch aus Amerika kommen neue Konjunkturzahlen. Vor allem der offizielle Arbeitsmarktbericht für den Januar am Freitag (ab 14:30 Uhr MEZ) dürfte traditionell wohl der Höhepunkt werden. Im Schnitt werden 210.000 neue Jobs erwartet. Dabei wird auch auf die Entwicklung der Arbeitslosenquote und der Stundenlöhne geblickt werden. "Hier gibt es Potenzial für starke Kursschwankungen", so Analyst Basse. Auch die Industrieauftragseingänge im Dezember werden Beachtung finden. Mario Draghi meldet sich übrigens ebenfalls am Freitag zu Wort. Er spricht angesichts des ersten Geburtstages der europäischen Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB.

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