Naga Group AG

Heute geht's nach unten Naga: Alles heiße Luft?

Stand: 14.07.2017, 15:55 Uhr

Nur vier Tage nach dem IPO und einem steilen Kursanstieg scheint der Naga-Aktie schon die Puste auszugehen. Nach einem Hoch von knapp 19 Euro liegt der Kurs heute bei unter neun Euro.

Die Zweifel rund um die Naga Group wachsen: Nachdem das IPO am neuen Marktsegment Scale am Montag noch gefeiert wurde, fragt man sich jetzt: War der Hype gerechtfertigt? Was spricht für und vor allem, was spricht gegen das Finanztechnologie-Unternehmen?

Bisher hat die zwei Jahre alte Gruppe nur Verluste gemacht. Wer trotzdem in das Unternehmen investiert, muss also an die Idee glauben. Doch genau da ist der Haken: Die Naga Group wirbt damit, das weltweit größte Soziale Netzwerk für den Börsenhandel aufbauen zu wollen. Sie hat eine Social Trading App entwickelt, bei der Anleger erfolgreiche Trades von anderen kopieren können. Diese wiederum können davon profitieren, dass sie pro Follower einen Bonus erhalten. Außerdem gibt es einen Newsfeed, ähnlich wie bei Facebook, der auf das Thema Börse zugeschnitten ist. Das Problem dabei: Die Idee ist alles andere als neu. Schon seit 2009 gibt es Social-Trading-Plattformen, die ähnliches bieten. Naga muss also einiges an Kapital ins Marketing stecken, um trotzdem erfolgreich zu sein.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen vorherige Gesellschaft des CEO

Aber woher soll das Kapital kommen? Der Börsengang hat netto nur etwa 1,7 Millionen Euro eingebracht und das Unternehmen hat noch einige Schulden zu tilgen. Umsätze hat bisher eine einzige der Firmen gemacht, an der Naga als eine Art Holdinggesellschaft beteiligt ist. Hanseatic Brokerhouse Global Markets sitzt auf Zypern und hat Erlöse aus CFD-Geschäften erzielt. Damit könnte aber auch bald Schluss sein. Die europäischen Aufsichtsbehörden haben in der Vergangenheit die Beschränkungen bei dieser Art von Handel verschärft und könnten sie in der Zukunft noch strenger machen.

Spieler auf der Spielemesse in Barcelona vor einem großen Monitor

Spieler auf der Spielemesse in Barcelona. | Bildquelle: Imago

Zwei der drei Geschäftsfelder des Konzerns stehen also durchaus auf wackligen Füßen. Das dritte, ein Joint Venture mit der Deutschen Börse, kann zurzeit noch keine der großen Erwartungen erfüllen, die daran gestellt werden. Mit der Handelsplattform Switex für virtuelle Gegenstände aus Computerspielen wollen die Deutsche Börse und Naga in einen geschätzt 46 Milliarden schweren Markt einsteigen. Die Plattform ist aber immer noch nicht online. Außerdem wird im Wertpapierprospekt darauf hingewiesen, dass die Spieleanbieter dem Handel nicht unbedingt zustimmen müssen. Eine weitere offene Frage, die erst die Zukunft beantworten kann. Auch die Vorstandsbesetzung könnte Naga zum Verhängnis werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Varengold-Bank, bei der Yarin Sebastian Qureshi, der Vorstandsvorsitzende von Naga, in dem betreffenden Zeitraum CEO war.

Einzige Hoffnung: die Chinesen!

Guo Guangchang Fosun Group. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Verwunderlich bleibt also, warum die Aktie trotzdem so stark gestiegen ist, dass viele schon von einem Neuen-Markt-Comeback sprachen. Wirklich für Naga spricht nur, dass die chinesische Fosun Gruppe Ankeraktionär des Unternehmens ist - mit der Option, sich die Mehrheit zu kaufen. Angeblich soll Fosun Naga den Eintritt in den chinesischen Markt ermöglichen. Ein weiterer Grund für den raschen Kursanstieg könnte die niedrige Zahl an Aktien sein, die anfangs ausgegeben worden ist: Eine von 21 Millionen. Bei so einer marktengen Aktie können schon kleinere Transaktionen den Kurs radikal ändern. Wie es mit der Naga Gruppe und ihrer Aktie weiter geht, bleibt also definitiv spannend.

al

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