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Software

Micro-Chef Satya Nadella

Mehr als nur PCs

Nadella baut ein neues Microsoft

Stand: 25.04.2014, 08:15 Uhr

So richtig hat sich Microsoft noch nicht auf die Welt der Tablets und Smartphones eingestellt, der Niedergang des PC blieb auch im abgelaufenen Quartal ein Risiko für den Technologiekonzern. Der neue Boss Satya Nadella hat die Chance, sich zu bewähren.

Nadella will sich seit seinem Antritt im Februar auf Smartphone-Anwendungen und Rechendienste im Internet fokussieren. "Mobile first, cloud first" lautet der Slogan, der dieses Geschäftsmodell umschreiben soll. Es geht schon los: Microsoft hat in den vergangenen Wochen unter anderem angekündigt, den Herstellern von gewissen Smartphones und kleinen Tablet-Computern die mobile Variante von Windows kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Gleich bei seinem ersten großen Auftritt vor Branchen- und Medienvertretern Ende März kündigte Nadella zudem Versionen von Programmen wie Word, Excel und PowerPoint für Apples iPad an. Der neue Kurs erfreut die Börse: Im April durchstieß die Microsoft-Aktie nach fast 14 Jahren erstmals wieder die Marke von 40 Dollar.

"Wechselhaftes Umfeld"

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,02
Differenz absolut
0,18
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+0,37%

Auch auf die aktuellen Geschäftszahlen reagierten die Anleger nachbörslich freundlich, offenbar sind die Investoren davon überzeugt, dass Nadellas Offensive in die richtige Richtung stößt. Das Papier rückte um drei Prozent vor. Dabei lief das Quartal vernünftig, aber auch nicht berauschend. Microsoft berichtete über einen Gewinnrückgang um sieben Prozent auf 5,66 Milliarden Dollar. Allerdings blieb der weltgrößte Software-Hersteller damit über den Erwartungen der von Reuters befragten Analysten. Apple hatte gestern ebenfalls Quartalszahlen vorgestellt - der Gewinn liegt fast doppelt so hoch.

Der Gewinn je Aktie von 68 Cent lag über den Erwartungen von 63 Cent. Im Vorjahr hatte Microsoft noch 72 Cent je Aktie verdient. Der Umsatz betrug 20,40 Milliarden Dollar, ein Minus von 0,4 Prozent. Damit hatten die Fachleute ungefähr gerechnet. Analyst Daniel Ives von FBR Capital Markets spricht von einem soliden Ergebnis in einem wechselhaften Umfeld.

Cloud-Strategie könnte aufgehen

Nadella selbst zeigte sich am Donnerstag zufrieden mit dem Abschneiden:

»Wir machen gute Fortschritte bei unseren Angeboten für Verbraucher wie Bing und Office 365 Home. Und unsere Firmenkunden nehmen unsere Cloud-Lösungen an.«

Satya Nadella, CEO Microsoft

Microsoft werde davon auch langfristig profitieren. Nadellas Strategie scheint aufzugehen: Das sogenannte Cloud-Geschäft mit der Plattform Azure wuchs um 150 Prozent. Auch die Cloud-Bürosoftware Office 365 verkaufte sich blendend. "Wir gewinnen Marktanteile hinzu", sagte der für das Tagesgeschäft zuständige Manager Kevin Turner.

Bill Gates berät

Das ist auch nötig, denn Marktforschern zufolge sank der Absatz von PCs, die einst wichtigste Plattform für Microsoft-Programme, in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 4,4 Prozent - das achte Quartal in Folge mit einem Rückgang. Diesmal aber dürfte Microsoft selbst schlimmeres verhindert haben: Da der Konzern seit Ende April keine Sicherheitsupdates für Windows XP mehr herausgibt, haben sich viele Kunden offenbar gleich einen neuen PC gekauft.

Es war das erste Mal, dass Nadella die Quartalszahlen präsentierte. Der Firmenveteran löste Steve Ballmer ab. Ihm steht beratend der Mitgründer und langjährige Chef Bill Gates zur Seite.

ts/dpa/rtr

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