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Wochenausblick

Blick auf die Daxtafel durch ein Fernrohr

Wirkt Draghis volle Dosis?

Nach der EZB ist vor der Fed

Stand: 13.03.2016, 12:59 Uhr

In der vergangenen Woche hatte EZB-Chef Draghi seinen großen Tag, am kommenden Mittwoch wird Fed-Kollegin Yellen an der Reihe sein. Die Chancen für Kursgewinne stehen jedenfalls nicht schlecht.

Der deutsche Leitindex kletterte am Freitag um 3,51 Prozent auf 9831,13 Punkte und machte damit den größten Tagesgewinn seit Sommer 2015. Auf Wochensicht legte der Dax damit zwar nur 0,1 Prozent zu, allerdings ist das der vierte Anstieg in Folge. Zu verdanken hatte die Anleger den Riesensatz der großzügigen, aber zunehmend auch kritisch betrachteten Geldpolitik der EZB.

Der Dow Jones legte in der vergangenen Woche im 1,2 Prozent zu. Nach Lage der Dinge sieht es Experten zufolge danach aus, als könnte es am Aktienmarkt auch in der kommenden Woche nach oben gehen.  

Dax
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10.513,35
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Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
18.426,08
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"Geldpolitisches Feuerwerk"

"Das stärkste Argument für ein Engagement in Aktien bleibt die relative Attraktivität gegenüber der gesamten mit Null- oder Negativrenditen belegten Anleihewelt", schreiben die Fachleute der DZ Bank in ihrem Wochenausblick.

Mario Draghi hält die Hand vor den Mund

Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Marktexperte Björn Block vom Bankhaus Marcard, Stein & Co teilt diese Ansicht: "Es gibt gute Gründe dafür, dass die EZB mit ihrem geldpolitischen Feuerwerk für neuen Schwung an den Kapitalmärkten sorgen kann." Die überreichliche Liquidität werde weiter zunehmen und die Anleiherenditen blieben niedrig, so dass Aktien als Anlage weiter attraktiv seien. Zudem werde der Euro geschwächt, was gerade exportorientierten Unternehmen helfe.

Beruhigungsfaktor EZB

"Nach der EZB-Entscheidung schwankte der Aktienmarkt zwischen Euphorie durch die Ausweitung der Geldflut und Trübsal, da die EZB ihr letztes Pulver verschossen haben könnte", beschreibt Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG die Situation. "Es wird immer schmerzhafter, Geld nicht in Produktivvermögen zu investieren. Das gilt sowohl für institutionelle Anleger, aber erst recht für Privatanleger." Seiner Einschätzung nach wird dies den Dax wieder deutlich über 10.000 Punkte führen. Ein Anstieg, der weitere Anleger locken dürfte.

"Die EZB allein wird konjunkturell keinen großen Erfolg haben. Auf Seiten der Finanzmärkte ist sie jedoch ein Beruhigungsfaktor, eine Kapitalmarktversicherung für Aktien, auch wenn der „Draghi-Effekt“ nicht mehr so spürbar wie noch im Vorjahr ist" kommentiert Finanzmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Massive Einbrüche an den Aktienmärkten würden durch den geldpolitisch induzierten Anlagenotstand verhindert, so Halver.

Fed: Langsames Straffen

Es ist die Zeit der Notenbanken: "Unternehmensdaten taugen nur noch als Beiwerk. Gehandelt wird primär Fantasie, das Abwerten von Währungen und die Erwartung an die Notenbanker in Japan, China, Europa oder den USA, die gerade am Zug sind", sagte Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die EZB war gestern, nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die USA. Dort wird Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwochabend die weitere Zinspolitik vorstellen. Im Dezember hatte Fed-Chefin Janet Yellen erstmals seit etwa zehn Jahren die Zinsen wieder angehoben. Die Kurse an den Terminmärkten signalisieren bereits seit Wochen, dass Investoren die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung bei null Prozent sehen.

Die DZ Bank schreibt: "Dafür ist das fundamentale Umfeld noch immer zu schwach, und auch die US-Geldpolitik lässt unserer Meinung nach auf Sicht der nächsten Monate Belastungen für die Wall Street erwarten. Die Experten von Metzler Asset Management erwarten ebenfalls keinen Paukenschlag: "Trotz der zuletzt positiven Signale besteht nach wie vor eine große Unsicherheit über den Ausblick für die US-Wirtschaft, was die US-Notenbank zu einer abwartenden Haltung bewegen dürfte."

Die Konjunkturdaten der Woche

Die geballten Notenbank-Sitzungen drängen die Konjunkturdaten in den Hintergrund. Die US-Verbraucherpreise, die wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid veröffentlicht werden, könnten aber für Kursausschläge sorgen. Denn die Inflation ist ein wichtiger Faktor für die Geldpolitik. Daneben stehen Zahlen zum Immobilienmarkt (Mittwoch) und zu den Einzelhandelsumsätzen (Dienstag) auf dem Terminplan

Boeing 747-8 der Lufthansa landet bei Sonnenaufgang in Frankfurt

Boeing 747-8 der Lufthansa landet in Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In der Eurozone stehen in der Woche vom 14. bis zum 18. März nur wenige wichtige Konjunkturdaten auf dem Kalender. Am stärksten beachtet werden dürften die Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone. Nachdem die Industrieproduktion im Dezember deutlich gesunken war, zeichnet sich für Januar laut Postbank ein kräftiger Produktionszuwachs ab. Zudem werden auch die endgültigen Zahlen zu den Verbraucherpreisen in der Eurozone im Februar veröffentlicht.

Von Unternehmensseite dürfen sich die Anleger unter anderem auf Zahlen der Münchner Rück, der Lufthansa und von HeidelbergCement freuen.

ts

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