Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse

"Nicht mehr tragbar" Muss Börsen-Chef Kengeter bald gehen?

Stand: 13.08.2017, 13:05 Uhr

Wegen der anhaltenden Ermittlungen zu Insidergeschäften gerät Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter zunehmend unter Druck. Er sei untragbar geworden, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Angeblich wird schon ein Nachfolger gesucht.

Wenn am Dienstagmorgen die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt das Börsenparkett stürmt, dürfte Casten Kengeter strahlend in die Kamera schauen. Schließlich kann er endlich mal wieder gute Nachrichten verkünden, nämlich dass die Deutsche Börse neuer Finanzplatz-Partner der Eintracht wird.

Aufsichtsbehörden wollen Zuverlässigkeit von Kengeter prüfen

Doch ob er die ganze kommende Saison in seiner Funktion als Chef der Deutschen Börse den Eintracht-Spielen zusehen wird, ist mehr als ungewiss. Kengeters Stuhl wackelt. Im Aufsichtsrat hat er laut Medienberichten kaum noch Rückhalt. Und nun droht auch noch Ärger mit den Aufsichtsbehörden. Die hessische Börsenaufsicht und die Wertpapieraufsicht der Bafin haben Zweifel an seiner Zuverlässigkeit. Sie wollen ihn deshalb anhören. Sollten die Zweifel nicht ausgeräumt werden, könnten sie Kengeter gegebenenfalls abberufen, schreibt das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe.

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter

ARD-Börse: Börsenchef Kengeter - Aufsichtsbehörden schalten sich ein

Gegen Kengeter und die Deutsche Börse wird wegen des Verdachts auf Insiderhandel und die verspätete Information der Anleger über die Fusionspläne mit London ermittelt. Bis Mitte September muss der Börsenbetreiber entscheiden, ob er für die Einstellung des Verfahrens eine Geldbuße von 10,5 Millionen Euro akzeptiert. Das Insider-Verfahren gegen Kengeter zieht sich hin. Mit einem Abschluss der Untersuchungen wird nicht vor der Bundestagswahl am 24.September zu rechnen sein, hieß es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Spekulationen um Nachfolger aus eigenen Reihen

Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse soll sich bereits mit einem Nachfolger für Kengeter beschäftigt haben. Laut "Wirtschaftswoche" gelten Finanzvorstand Gregor Pottmeyer und Kengeter-Stellvertreter Andreas Preuß als mögliche Kandidaten für den Chefposten. Die besten Karten hätte Pottmeyer, hieß es aus Insiderkreisen.

Andere Medien halten dagegen eine interne Nachfolgeregelung für unwahrscheinlich. Der neue Chef solle von außen kommen, schreibt der "Spiegel". Schließlich seien Preuß und Pottmeyer dem Kreis angehört, der stets über den Stand der Fusionsverhandlungen mit der Londoner Börse im Bild gewesen war.

Oder kommt ein Neuer von außen?

Das "Handelsblatt" brachte als potenziellen Nachfolger Kengeter Lars Hille ins Spiel. Der bisherige Kapitalmarktvorstand der DZ Bank hatte vor kurzem seinen Vertrag nicht verlängert und angekündigt, sich neuen beruflichen Aufgaben zu widmen. Hille hatte in den 1990er Jahren bei der Deutschen Börse gearbeitet. 2017 war er kurzzeitig Vorsitzender des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse.

Möglicherweise bleibt Kengeter aber doch im Chefsessel sitzen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" jüngst berichtete, könnte Ende September der Aufsichtsrat den im März 2018 auslaufenden Vertrag Kengeters verlängern - allerdings nicht für die übliche Dauer von fünf Jahren, sondern für einen kürzeren Zeitraum. Mit diesem Kompromiss könnten alle Beteiligten das Gesicht wahren – und Kengeter hätte die Chance, das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser zu steuern.

Kompletter Neuanfang oder Kompromiss?

Es könnte aber auch zu einem radikalen Neuanfang kommen – wie 2005. Damals zog sich zunächst Vorstandschef Werner Seifert nach dem gescheiterten Fusionsversuch mit London zurück. Später trat auch der Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Breuer ab.

Die Aktien der Deutschen Börse haben seit dem erneuten Scheitern der Börsenfusion mit  London gut zehn Prozent zugelegt. Vom Rekordhoch von 135,25 Euro 2008 sind die Titel aber noch weit entfernt. Zuletzt bremsten schwache Quartalszahlen den Kurs.

nb

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