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Anleihen

Euroscheine, davor Prozentzeichen

Ausfallrisiko steigt

Moody's: Achtung Firmenanleihen!

Stand: 03.03.2016, 15:02 Uhr

Seit Jahren warnt die Ratingagentur Moody's vor einem sprunghaften Anstieg der Ausfälle bei Unternehmensanleihen. Diesmal scheint die Lage wirklich ernst zu sein.

Im historischen Durchschnitt beträgt die Ausfallrate von Unternehmensanleihen 1,6 Prozent. Nun warnt die Ratingagentur Moody's vor einem sprunghaften Anstieg. Laut einer neuen Studie soll die Ausfallrate bei allen Unternehmensanleihen in diesem Jahr auf 2,1 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2009 steigen, was 138 Ausfällen entspreche. Im vergangenen Jahr waren es erst 1,7 Prozent und 2014 rund 0,9 Prozent.

Es sind mehrere Alarmzeichen, die die Analysten von Moody's ausmachen: So sind die Renditeaufschläge spekulativer Anleihen gegenüber Staatsanleihen, die als guter Indikator für die Entwicklung der Zahlungsausfälle gelten, stark gestiegen. Im Segment der Ramschanleihen befürchtet die Agentur deshalb einen sprunghaften Anstieg der Ausfälle. Im laufenden Jahr dürften vier Prozent der Anleihen aus dem spekulativen Bereich notleidend werden, nach 3,5 Prozent im Vorjahr und 1,9 Prozent 2014.

Rohstoffbranche leidet besonders

Im vergangenen Jahr seien 109 Adressen notleidend geworden, schreibt Moody's. Das waren fast doppelt so viele wie im Vorjahr. das Ausfallvolumen sei von 71,4 Milliarden Dollar auf 97,9 Milliarden Dollar gestiegen. Dabei kletterte die Zahl der Ausfälle auf 62 Falle in Nordamerika, 27 in Europa und 10 in Lateinamerika.

Eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit war besonders in der Rohstoffbranche zu verzeichnen, vor allem in den Segmenten Öl und Gas, wo es 30 Insolvenzen gab, sowie im Segment Metalle und Minenbetreiber mit 13 Ausfällen. Auch der Bankensektor war hart getroffen, was jedoch nur zum Teil mit dem Preisverfall auf dem Rohstoffmarkt zusammenhing. Die gesunkenen Rohstoffpreise haben allerdings auch positive Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen: In den Bereichen Automotive und Passagiertransport verbesserte sich die Bonität sogar.

Weit entfernt vom Krisenjahr 2009

Trotz der deutlichen Zunahme der Ausfälle von Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr, ist das betroffene Volumen weit entfernt vom Krisenjahr 2009. Damals erreichte das Ausfallvolumen sagenhafte 281,2 Milliarden Dollar, die höchste Summe seit 1920. Was Wunder: die zehn größten Zahlungsausfälle der vergangenen 100 Jahre fanden im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts statt.

Insgesamt also ziehen sich die Wolken weiter zu über dem Kredit- und Anleihenmarkt. Anleger sollten sich daher gut überlegen, ob sie sich von hohen Renditen verführen lassen.

lg

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