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Abgas-Skandal

Volkswagen-Logo vor dunklem Himmel auf dem Dach der Unternehmenszentrale in Wolfsburg

Dieselgate verunsichert die Investoren

Milliardenklage lässt VW-Aktie leiden

Stand: 15.03.2016, 12:00 Uhr

Mit Profi-Investoren ist nicht zu spaßen, das sehen auch die Anleger so. Die Furcht vor einer milliardenschweren Schadenersatzklage kostet den VW-Konzern heute einiges an Börsenwert.

Mit einem Abschlag von fast zwei Prozent zählen VW-Titel heute zu den schwächsten Dax-Werten. Die Investoren lassen sich also durchaus von der Klage einer Gruppe von 278 institutionellen Anlegern beeindrucken, die vor dem Braunschweiger Landgericht 3,255 Milliarden Euro Schadenersatz von VW verlangen.

"Das ist keine gute Nachricht, obwohl es erwartet werden konnte", kommentierte ein Marktteilnehmer. Wenngleich ein solcher Schritt nicht sonderlich überrasche, dürfte er negativ für die Papiere der Wolfsburger sein, schrieb auch Analyst Sascha Gommel von der Commerzbank. VW sei eigentlich sehr werthaltig, doch erschwere die Unsicherheit mit Blick auf all die möglichen Schadensersatzforderungen gegen den Konzern ein Investment, fasst Gommel die Lage zusammen.

"Das ist erst der Anfang"

Andreas W. Tilp

Andreas W. Tilp. | Bildquelle: TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am Dienstag den Eingang der Klageschrift. Zu den 278 Klägern gehören laut Rechtsanwalt Andreas Tilp 17 Finanzdienstleister und Versicherungsunternehmen aus Deutschland sowie der US-Pensionsfonds Calpers. Laut Tilp wollen sich diverse andere Investoren seinem Verfahren anschließen. "Das ist erst der Anfang", sagte der Anwalt. Auch andere Anwaltskanzleien haben Schadensersatzklagen von institutionellen Investoren gegen VW angekündigt.

Insgesamt seien nun 67 Klagen gegen VW eingegangen, hieß es aus dem Landgericht. Die Gesamtsumme auf Schadenersatz daraus belaufe sich auf mehr als 3,7 Milliarden Euro.

Zu spät informiert?

Bei den Vorwürfen geht es darum, ob VW seiner Auskunftspflicht gegenüber Aktionären nachgekommen ist. Der Konzern hatte erst Tage, nachdem die US-Umweltbehörde EPA ihre Manipulationsvorwürfe am 18. September öffentlich machte, über drohende finanzielle Konsequenzen informiert. Viele Anleger wollen sich ihre Verluste aus dem abgesackten Aktienkurs von VW aber erstatten lassen.

Die Anspruchsgrundlage für den etwaigen Schadenersatz  ist § 37b des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG). Demnach steht Anlegern ein Schadenersatz zu, wenn das Unternehmen Insiderinformationen nicht unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern, veröffentlicht hat. Volkswagen bekräftigte natürlich mehrfach die Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben. Strittig ist also unter anderem, ob VW die Investoren rechtzeitig informiert hat oder nicht.

Was ist eine Insiderinformation?

Laut §13 WpHG ist eine Insiderinformation "eine konkrete Information über nicht öffentlich bekannte Umstände, die sich auf einen oder mehrere Emittenten von Insiderpapieren oder auf die Insiderpapiere selbst beziehen und die geeignet sind, im Falle ihres öffentlichen Bekanntwerdens den Börsen- oder Marktpreis der Insiderpapiere erheblich zu beeinflussen."

Verjährung droht

VW-Chef Matthias Müller am 10. 1202015 auf der Pressekonferenz in Wolfsburg

VW-Chef Matthias Müller: "Wir sind dabei, schonungslos aufzuklären". | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dem Landgericht Braunschweig liegt bereits eine Klage von Privatanlegern vor, die wegen des drastischen Kursverfalls der VW-Aktie Schadensersatz verlangen. Deren Forderung hat Volkswagen bereits als unbegründet zurückgewiesen. Der Konzern argumentiert damit, erst am 18. September vergangenen Jahres durch die Veröffentlichung der US-Umweltbehörde EPA von einer möglichen Strafe in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar erfahren zu haben. Am 20. September folgte die Ad-hoc-Mitteilung von VW.

In den USA, wo der Abgas-Skandal durch die Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht wurde, sind bereits zahlreiche Sammelklagen von Autohaltern und Investoren eingegangen.

Die Rechtsanwaltsgesellschaft Tilp ist übrigens der Ansicht, dass im September 2016 die Verjährung der Ansprüche drohe. Wer also glaubt, zu den möglicherweise Anspruchsberechtigten zu gehören, sollte diese Frist nicht verstreichen lassen.

ts

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