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Handel

Schild mit den Schriftzügen von Media Markt und Saturn aufgenommen vor der Firmenzentrale

Abspaltung geplant

Metro wagt den "Big Bang"

Stand: 30.03.2016, 13:45 Uhr

Die Strategie des Einzelhändlers Metro gibt den Anlegern seit Jahren immer wieder Rätsel auf. Nun wagt der Konzern einen Befreiungsschlag und kündigt die Abspaltung des kriselnden Lebensmittelgeschäfts an. Die Aktionäre sind begeistert.

Die im MDax notierten Metro-Papiere schnellen bis zum frühen Nachmittag um fast 13 Prozent in die Höhe, notieren aber immer noch rund zehn Prozent unter dem Kurs von Anfang Januar. Damit reagieren die Anleger auf die Ankündigung des Konzerns, sich in zwei unabhängige, börsennotierte Geschäftseinheiten aufspalten zu wollen.

Nach den bisherigen Überlegungen soll das Großhandelsgeschäft Metro Cash & Carry sowie die Lebensmitteltochter Real vom Konzern abgespalten und in eine neue, eigene Gesellschaft übertragen werden. Die heutige Metro AG soll dann im Wesentlichen nur noch aus der Elektroniktochter Media-Saturn bestehen. Dadurch sollen zwei stark positionierte Marktführer in ihren jeweiligen Sektoren entstehen.

Aufspaltung der Metro Group

Aufspaltung der Metro Group. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

Die neuen Chefs sind die alten

Vorgesehen ist, dass die Metro-Aktionäre entsprechend ihrer bisherigen Anteilsquote an beiden Gesellschaften beteiligt sein werden. Möglicherweise würden also die Aktien der neuen Gesellschaft in die Depots der Aktionäre eingebucht werden. Der derzeitige Konzernchef Olaf Koch soll das Lebensmittel- und Großhandelsgeschäft führen. Der derzeitige Media-Saturn-Chef Pieter Haas wird auch die Leitung der neuen Saturn-Media-Gruppe übernehmen. Beide Unternehmenszentralen sollen in Düsseldorf sein.

Durch die strategische und organisatorische Fokussierung der beiden neuen Handelsunternehmen auf ihre jeweiligen Sparten erhofft sich Metro neue Wachstumsperspektiven. Zugleich soll durch die Aufteilung das "innere Wertpotenzial" des bisherigen Metro-Konzerns gehoben und dadurch der derzeitige Börsenwert deutlich gesteigert werden - ganz nach dem Motto, die Summe beider Unternehmensteile ist größer als die des derzeitigen Konzerns.

Großes Potenzial

Haas sagte, er sehe großes Potenzial, dass die so geschaffene Consumer Electronics Gruppe verstärkt in Zukunftsthemen investieren und damit den Wert der gesamten Gruppe steigern werde.

Die Aufspaltung bedarf der Zustimmung der Aktionäre, doch nennenswerter Widerstand ist nicht zu erwarten. Wie Metro mitteilt, haben die drei Großaktionäre signalisiert, den weiteren Prozess unterstützend begleiten zu wollen. Bei entsprechender Beschlussfassung der Hauptversammlung wird die Umsetzung der Aufteilung bis Mitte 2017 angestrebt. Die Familie Haniel ist mit knapp 25 Prozent der größte Einzelaktionär. Die Familie Schmidt-Ruthenbeck hält 15,8 Prozent und Beisheim 9,1 Prozent der Anteile. Mehr als die Hälfte, 50,1 Prozent, befinden sich im Streubesitz.

Krise bei Real

Mit der Entscheidung einer Aufspaltung wagt Metro eine Art Befreiungsschlag aus der seit Jahren andauernden Krise der in den Supermärkten Real gebündelten Lebensmittelsparte. Bei der jüngsten Hauptversammlung von Metro am 19. Februar musste sich Konzernchef Koch heftige Kritik wegen der Lage bei Real anhören. "Das Trauerspiel bei Real nimmt weiter seinen Lauf", klagte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. Er forderte den Konzern auf, in die Modernisierung der Supermärkte zu investieren.

Positive Nachrichten konnte Metro-Chef Koch den Aktionären in der Tat zu Real nicht verkünden. So hat das Unternehmen die Modernisierung der Märkte vorübergehend auf Eis gelegt, die Renovierungen bei den insgesamt 293 Filialen wurden gestoppt. Bisher wurden insgesamt 110 Standorte umgebaut. Koch kündigte damals an, das Konzept "Big Bang" werde überarbeitet. Wie es aussehen soll, hat der Konzern nur sechs Wochen nach der HV verkündet.

lg

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Chronologie einer Krise

Metro im Umbruch

Logos von Dax MDax TexDax SDax stehen auf einer Stuhlreihe

Dax-Rauswurf

Seit 1996 war die Metro AG im Dax notiert. Doch im September 2012 ist Schluss, der Konzern steigt in den MDax ab. Der Grund: der Aktienkurs von Metro hatte wegen schwacher Zahlen und diverser Probleme 2011 und 2012 stark gelitten. So waren Gewinn- und Umsatzprognosen eingestampft worden, Verkäufe von Töchtern wurden in Aussicht gestellt, aber nicht realisiert.

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