Merck-CEO Stefan Oschmann

Diversifikation ist Trumpf Merck soll ein Pharmaunternehmen bleiben

Stand: 19.06.2017, 08:40 Uhr

Spaltet der Dax-Konzern Merck Teile seines Geschäfts womöglich ab? Firmenchef Stefan Oschmann will davon nichts wissen, aber an der Börse könnte die Gerüchteküche in Gang kommen.

Denn der Darmstädter Konzern ist in die drei Geschäftsbereiche Health Care, Life Science und Performance Materials unterteilt. Firmenchef Stefan Oschmann bestätigte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe) zwar Aufteilungsüberlegungen, diese stünden aber nur deshalb im Raum, "um den Standort Darmstadt und seine IT-Systeme besser mit dem Rest der Merck-Welt zu verbinden." Ein Verkauf oder ein geplanter Börsengang sei nicht der Grund, betonte Oschmann.

Hauptziel des Mehrheitsgesellschafters, der Merck-Familie, sei es, eine krisenfeste Aufstellung des Unternehmens zu erreichen, ohne dabei ein reines Pharmaunternehmen, ein Laborausrüster oder ein Spezialchemieunternehmen zu sein.

Kein Merck ohne Pharma

Insbesondere das Pharmageschäft hatte zuletzt positive Schlagzeilen gemacht. Nach längerer Durststrecke bringt Merck das Hautkrebsmedikament Avelumab auf den Markt, das unter dem Namen Bavencio vermarktet werden soll. "Merck ohne Pharma kann ich mir nicht vorstellen", sagte Oschmann.

Er verwies zudem auf das breit aufgestellte Firmenportfolio. So seien in den vergangenen zwölf Jahren Zu- und Verkäufe im Volumen von zwölf Milliarden Euro getätigt worden. Besonders die Übernahme des Schweizer Biotech-Unternehmens Serono im Jahr 2006/2007 sowie der Kauf des amerikanischen Laborausrüsters Sigma Aldrich 2010 waren Milliardeninvestitionen. Im Gegenzug wurde unter anderem die Generika-Sparte verkauft.

Medikamentenpreise und das digitalisierte Labor

Ein Wissenschaftler von Serono untersucht im Labor Desoxyribonukleinsäure (DNA)

Ein Wissenschaftler von Serono untersucht im Labor Desoxyribonukleinsäure (DNA). | Bildquelle: picture alliance / dpa

Oschmann bezeichnet sich selbst innerhalb der Firma als den "Digital-Prediger". Eine seiner zentralen Fragestellungen nach seinem Amtsantritt im jahr 2011 sei gewesen was passiere, wenn sich Tech-Konzerne wie Amazon oder Google in der Labortechnik oder im Gesundheitswesen engagieren würden. Derzeit arbeite man am 'Vernetzten Labor', wo es immer noch recht analog aussehe, räumte der Manager ein.

Merck Flüssigkristallmischung in Atsugi, Japan

Flüssigkristallmischung bei Merck. | Bildquelle: Unternehmen

Zum Thema Medikamentenpreise und der gesellschaftlichen Kritik an deren Höhe erklärte Oschmann, diese seien in Europa und den USA nicht höher gestiegen als das BIP, Arzneimittel seien zudem nur ein Teil der weltweit steigenden Gesundheitskosten. Er mahnte aber an, dass sich alle Beteiligten der Wertschöpfungskette zusammen setzen müssten.

Börsenliebling Merck

Vor allem der Blick auf den Mittelfristchart zeigt, dass die Dax-Aktie Merck zu den Favoriten der Investoren gehört. Im Fünf-Jahres-Zeitraum hat sich das Papier in der Spitze fast verdreifacht. Rückschläge (die es bei forschenden Pharmaunternehmen immer geben kann) oder volatile Phasen wie 2015/16 waren bisher immer gute Einstiegsgelegenheiten. Die Diversifikationsstrategie der Inhaber ist also bisher an der Börse gut angekommen, wie auch die jüngsten Zahlen zeigen.

Erst im Mai wurde ein neues Rekordhoch bei 114,40 Euro errreicht und die alten Höchststände aus dem Jahr 2015 knapp übertroffen. Bei aktuell 105,95 Euro notiert das Papier in der Nähe der Bestmarken.

rm

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Die Geschichte der Merck KGaA, des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt, beginnt im Jahr 1668 mit dem Kauf einer Darmstädter Apotheke durch Friedrich Jacob Merck. Diese Apotheke ist die Keimzelle der beiden Unternehmen Merck KGaA in Darmstadt und Merck & Co in Philadelphia.

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