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Öl und Gas

Shell und BG Group

Megahochzeit in der Ölbranche

Stand: 08.04.2015, 16:07 Uhr

Seit über zehn Jahren hat es in der Öl- und Gasbranche keine größere Fusion mehr gegeben. Das wird sich nun ändern. Shell und der britische Gasproduzent BG haben sich auf einen Zusammenschluss geeinigt.

Danach legt der Ölmulti Royal Dutch Shell 47 Milliarden Pfund (rund 64 Milliarden Euro) auf den Tisch, um den britischen Gaskonzern BG Group zu übernehmen. Shell zahlt demnach 383 Pence je BG-Aktie in bar und 0,4454 eigene Aktien je BG-Anteilsschein. Dies sei ein Aufschlag von 52 Prozent auf den durchschnittlichen BG-Kurs der vergangenen 90 Handelstage. Ähnliche Ausmaße hatte zuletzt 2012 die Übernahme von TNK-BP durch den russischen Staatskonzern Rosneft für 55 Milliarden Dollar.

"Unsere Branche wird durch mutige strategische Schritte geformt", sagte Shell-Chef Ben van Beurden. BG und Shell passten sehr gut zusammen. Die Übernahme wird Shell nach Firmenangaben einen Zuwachs seiner Öl- und Gasreserven von 25 Prozent bescheren. Die Produktionskapazität werde um ein Fünftel steigen und besonders die Position des Unternehmens in Australien und Brasilien stärken. Durch den Zusammenschluss würden jährlich finanzielle Vorteile von 2,3 Milliarden Euro erzielt, erklärte Shell.

Firmen ergänzen sich

BG-Chef Helge Lund sagte, die Spezialkenntnisse seiner Firma bei Tiefseebohrungen, Gasverflüssigung und Transport ergänzten sich hervorragend mit Shells Finanzkraft und dessen Stärken bei der Entwicklung.

Der Einbruch der Ölpreise hat die gesamte Branche erschüttert und erzwingt neben drastischen Einsparungen die Suche nach Synergieeffekten durch Partnerschaften und Fusionen. Shell beschäftigt nach eigenen Angaben 94.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 388 Milliarden Euro Umsatz sowie 13,6 Milliarden Euro Gewinn. BG ist aus der Firma British Gas hervorgegangen, hatte 2014 rund 5.200 Mitarbeiter, einen Umsatz von 17,8 Milliarden Euro und einen Gewinn von 3,7 Milliarden Euro.

Marktexperten zufolge ist die gesamte Energiebranche derzeit in einer ähnlich labilen Verfassung wie zu Beginn der 2.000er Jahre. Damals war es zu zahlreichen Megafusionen in der Branche gekommen.

Hohe Abschreibungen im vierten Quartal

In dieser Zeit war es zu den Übernahmen von Amoco und Arco durch BP gekommen, Exxon hatte Mobil übernommen und Chevron hatte sich mit Texaco zusammengeschlossen. BG steht seit Monaten unter Druck: Schwindende Gasreserven in Ägypten und die niedrigen Ölpreise bereiten dem Unternehmen Probleme. Der Aktienkurs des Förderexperten war im vergangenen Jahr um 30 Prozent eingebrochen. Technische Probleme, etwa in Brasilien, und personelle Querelen in der Unternehmensleitung kamen ebenso hinzu wie schlechte Zahlen.

Royal Dutch Shell: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im vierten Quartal musste BG fünf Milliarden US-Dollar abschreiben, soviel wie noch nie. Der Grund lag vor allem in Australien, wo Vermögensgegenstände wegen des Verfalls der Rohstoffpreise deutlich an Wert verloren hatten. Das Unternehmen hat sich ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. Es betreibt zahlreiche milliardenschwere Projekte in Brasilien, Ostafrika, Australien, Kasachstan und Ägypten. Das britische Unternehmen wird mit rund 42,5 Milliarden Euro bewertet, Shell bringt eine Marktkapitalisierung von 186,5 Milliarden Euro auf die Waage.

Größter Zukauf seit Jahren

Um die Lage von BG zu verbessern, ist erst vor zwei Monaten ein neuer Vorstandschef geholt worden: Helge Lund. Er hatte zuvor den norwegischen Ölkonzern Statoil geleitet.

Für Shell ist es der größte Zukauf seit der 41,7 Milliarden Pfund schweren Fusion des niederländischen und des britischen Zweiges. Mit der Übernahme werden der größte und der drittgrößte Gasproduzent Großbritanniens zusammengehen. Der Zusammenschluss verringert den Abstand von Shell zum Branchenprimus ExxonMobil, der mit gut 341 Milliarden Euro bewertet wird.

An den Aktienmärkten fielen die Reaktionen entsprechend unterschiedlich aus. Während die Shell-Papiere um 2,4 Prozent nachgeben, schießen die Aktien von BG um rund 42 Prozent in die Höhe.

lg

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ExxonMobil: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

ExxonMobil

Unangefochtener Branchenprimus nach Börsenwert ist ExxonMobil. Eine niedrigere Produktion, gestiegene Investitionen und ein schwaches Raffineriegeschäft machen dem Ölgiganten aus den USA zu schaffen. Im vierten Quartal 2014 brach der Nettogewinn um 21 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar ein. Auf Jahressicht konnte der Gewinn von 32,5 Milliarden Dollar allerdings nahezu unverändert gehalten werden.
Börsenwert: umgerechnet 341 Milliarden Euro.

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