Seitenueberschrift
US-Banken versus europäische Banken
Machen die Amerikaner alles besser?
Europas Banken haben im vergangenen Jahr herbe Gewinneinbrüche erlitten. Schuld waren die Altlasten aus den Zeiten der Finanzkrise. Auch in den USA sind die Sünden der Vergangeheit noch nicht überwunden. Doch bei den meisten US-Geldhäusern sprudeln die Gewinne wieder kräftig. Was machen die Amerikaner anders?
Tatsächlich bietet sich beim Blick auf die Bilanzen der US-Banken ein gemischtes Bild. Zwar haben die sechs größten Häuser des Landes im vergangenen Jahr rund 59 Milliarden Dollar verdient und damit etwa 13 Prozent mehr als 2011.
Doch haben noch längst nicht alle Konzerne die Folgen der Finanzkrise überwunden. So musste etwa die drittgrößte US-Bank, die Citigroup, im vierten Quartal wegen Stellenstreichungen und Rechtsstreitigkeiten 2,3 Milliarden Dollar abschreiben. Dadurch sank der Reingewinn im Gesamtjahr auf 7,5 Milliarden Dollar nach 11,1 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Ernüchternd ist auch die Bilanz der zweitgrößten Bank des Landes, der Bank of America, ausgefallen - zumindest im letzten Vierteljahr. In diesem Zeitraum musste die Bank eine ganze Reihe von Sonderbelastungen verbuchen, darunter allein rund fünf Milliarden Dollar für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit fraglichen Hypothekengeschäften. Und bei Morgan Stanley reichte der Gewinnsprung im vierten Quartal nicht aus, um die Abschreibungen auf die eigenen Schulden auszugleichen, so dass für 2012 insgesamt ein Verlust von 117 Millionen Dollar in den Büchern steht.
Fest steht aber auch, dass die US-Banken wesentlich stärker von der Geldschwämme durch die Notenbank Fed und die damit verbundene Erholung des Aktienmarkts profitieren konnten als die Konkurrenten in Europa. Jüngstes Beispiel ist Morgan Stanley. Das Geldhaus verdiente im Schlussquartal 2012 mehr als 570 Millionen Dollar nach einem Verlust von 222 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Wesentlicher Gewinntreiber waren sprudelnde Erträge im Aktienhandel. Sie sprangen um 43 Prozent in die Höhe auf knapp drei Milliarden Dollar.
Boomendes Investmentbanking
Auch Goldman und die größte US-Bank JP Morgan Chase konnten im vergangenen Jahr von der Erholung der US-Finanzmärkte profitieren. Das Investmentbanking boomte als hätte es die Krise nie gegeben. Davon profitierte in erster Linie die in diesem Geschäft führende Bank Goldman Sachs. Sie zeigte sich wiedererstarkt und mit deutlich höherem Gewinn (7,5 Milliarden Dollar).
Amerikas größte Bank JPMorgan schaffte im Gesamtjahr 2012 sogar einen Rekordgewinn von 21,3 Milliarden Dollar, 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch bei Einnahmen konnt JPMorgan punkten. Dabei profitierte der Konzern vor allem von der deutlichen Erholung des Häusermarktes und der wieder anziehenden Konjunktur - im Gegensatz etwa zu Europa wo die Konjunktur sich im vergangenen Jahr stetig verschlechterte.
Gestiegene Kreditnachfrage
Durch die gestiegene Kreditnachfrage konnte allein JPMorgan die Einnahmen aus dem Geschäft mit Hypthekenkrediten im vierten Quartal 2012 von 723 Millionen Dollar auf 2,03 Milliarden Dollar beinahe verdreifachen. Zugleich sind die Rückstellungen für faule Kredite gesunken - bei der Citigroup etwa um rund ein Viertel. Und dank der Geldschwemme durch die US-Notenbank Fed boomte das Investmentbanking. "Wir haben 2012 viele Risiken hinter uns gelassen", sagte Citigroup-Finanzchef Bruce Thompson.
Neben der expansiven Geldpolitik der Fed und der wieder anziehenden Konjunktur haben die US-Banken auch kräftig auf die Kostenbremse getreten. Citigroup etwa will bis 2015 acht Milliarden Dollar einsparen und nimmt dabei auch den Wegfall von 11.000 Arbeitsplätzen in Kauf. Bei Morgan Stanley und JPMorgan sind jeweils 1.600 Stellen bedroht, etwa sechs Prozent der Belegschaft.
Sinkende Personalkosten
Bei Goldman Sachs sanken die Personalkosten gegenüber 2011 um elf Prozent. Sie erreichten damit nur noch 21 Prozent der Einnahmen - ein überraschend geringer Wert für eine Investmentbank, die in der Vergangenheit oft einen doppelt so hohen Anteil an seine Beschäftigten ausschüttete. Weitere 1.000 Stellen sollen in den kommenden Monaten wegfallen. Rund 1,2 Milliarden Dollar sollen durch die Kündigungen eingespart werden. Und Jamie Dimon, Chef von JPMorgan, musste sich im vergangenen Jahr mit einem Gehalt von 11,5 Millionen Dollar begnügen, nachdem er für das Geschäftsjahr 2011 noch satte 23,1 Millionen Dollar erhalten hatte.
Zugleich sind die US-Banken krisensicherer geworden. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 haben die vier größten Banken JPMorgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo ihre Quote für das harte Kernkapital von 4,31 Prozent im Dezember 2008 auf 11,22 Prozent Ende 2012 hast verdreifacht, wie Bloomberg-Daten zeigen.
Buffett hat wieder Vertrauen
Der Milliardär Warren Buffett hat deshalb neues Vertrauen in das Bankensystem seines Landes gefasst. "Die Banken werden dieses Land nicht mehr in Schwierigkeiten bringen, das garantiere ich”, sagte der Großinvestor. Die Finanzinstitute hätten ihr Kapital soweit aufgestockt, dass sie keine Bedrohung mehr für die US-Wirtschaft darstellen.
Es ist also vor allem die Kombination aus einer wieder anziehenden Konjunktur, der Geldschwemme der Fed und einem radikalen Sparkurs, die die US-Banken heute etwas besser aussehen lässt als die Konkurrenten aus Europa.
Stand: 11.02.2013, 15:29 Uhr