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Was bringt die Billigfluglinie?
"Lufthansa muss sich dem Wettbewerb stellen"
Die Lufthansa will ihre umstrittenen Pläne für eine konzerninterne Billigfluglinie jetzt durchsetzen. boerse.ARD.de spricht mit dem Equinet-Experten Jochen Rothenbacher über Chancen und Risiken.
Jochen Rothenbacher, Equinet Bank AG
boerse.ARD.de: Im innereuropäischen Flugverkehr macht die Lufthansa Verluste. Welche Auswirkungen wird die Gründung der Billigairline haben?
Jochen Rothenbacher: Lufthansa versucht seit längeren die Kostenstruktur zu verbessern. Das ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Die Lufthansa muss sich dem Wettbewerb stellen.
boerse.ARD.de: Wird die Fluggesellschaft jetzt konkurrenzfähiger werden im Vergleich etwa zu Ryanair oder Easyjet?
Rothenbacher: Eine Airline wie Lufthansa hat eine ganz andere Kostenstruktur als Low-Cost-Fluggesellschaften. Billigflieger fliegen beispielsweise eine einzige Strecke am Tag fünfmal hin und her. Es ist ein deutlich weniger komplexes Geschäftsmodell als bei Lufthansa, die ja über ein Streckennetzwerk verfügt. Außerdem ist die Auslastung dann größer. Billigflieger können insgesamt aggressiver Kosten sparen, zum Beispiel bei Dienstleistungen wie bei der Bordverpflegung.
boerse.ARD.de: Wie will Lufthansa an das Personal kommen? Die neue Gesellschaft soll rund 2.000 Beschäftigte haben. Droht Streit mit der Gewerkschaft, da die Löhne bei der Tochter Germanwings zum Beispiel ja deutlich niedriger sind und das gewiss auch bei der neuen Gesellschaft der Fall sein wird?
Rothenbacher: Die Frage, wie das gelingen kann, ist in der Tat ein Knackpunkt. Die Lufthansa wird gegen Widerstände arbeiten müssen. Gewerkschaften haben natürlich ein fundamental anderes Interesse. Es wird nicht einfach, dieses Thema umzusetzen. Bei der Tochtergesellschaft Austrian Airlines hat das Management die Holzhammermethode angewendet. Ob das in Deutschland gelingt, ist zumindest fraglich. Das hängt unter anderem von der Stärke der Gewerkschaften ab. Man muss abwarten, inwieweit die Vorstellungen durchgesetzt werden können.
boerse.ARD.de: Was kann die Lufthansa noch tun, um konkurrenzfähiger zu werden?
Rothenbacher: Man darf nicht vergessen, dass das Unternehmen ein Premium-Image hat. Hier besteht ein Risiko. Will man das Image nicht zerstören, sind die Möglichkeiten begrenzter. Die Kunden dürfen nicht verärgert werden. Einige Effizienzmaßnahmen wurden ja bereits ergriffen. So hat man zum Beispiel auf Kurzstreckenflügen schmalere Sitze einbauen lassen, um mehr Kunden befördern zu können.
boerse.ARD.de: Wie schätzen sie das Potenzial der Aktie ein? Seit Juni ging es ja mit dem Trend bergauf.
Rothenbacher: Wir sind skeptisch über die weitere Aktien-Entwicklung. Die aktuellen Pläne machen Sinn, aber ob sie umgesetzt werden können, weiß man noch nicht. Die heutige Aufwärtsbewegung könnte auch mit dem zuletzt fallenden Ölpreis zusammenhängen, der für die Kosten der Fluglinien ja von großer Bedeutung ist.
Das Gespräch führte Thomas Spinnler.
Stand: 20.09.2012, 15:55 Uhr