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Industrie

Vorstandsvorsitzender der Linde AG Wolfgang Reitzle

Zieht der Ex-Chef in den Aufsichtsrat ein?

Linde braucht Reitzle

Stand: 18.01.2016, 08:40 Uhr

Der Industriegase-Konzern will offenbar seinen langjährigen Vorstandschef Wolfgang Reitzle schnellstmöglich in den Aufsichtsrat berufen. Laut Medienberichten werden im Kontrollgremium gerade die Weichen dafür gestellt.

Allein die Andeutung, dass Reitzle dem Unternehmen wieder näherkommt, hat das Zeug dazu, die Linde-Aktie am Montagmorgen ein wenig in die Höhe zu lupfen. Hatte Reitzle doch seit seinem Amtsantritt im Jahr 2002 den ehemaligen Mischkonzern auf die Industriegase-Sparte und damit auf die Wachstums- und Gewinnschiene gesetzt.

Tiefflug bei der Aktie

Genau damit hapert es seit Monaten: Linde musste unter dem Reitzle-Nachfolger Wolfgang Büchele Ende November seine langfristigen Geschäftsziele nach unten revidieren. Die Kapitalrendite soll bis 2017 nur noch neun bis zehn Prozent erreichen, auch das operative Ergebnis soll geringer ausfallen als zuvor gedacht. Die Aktie trat prompt einen Tiefflug an, von dem sie sich bislang noch nicht erholt hat.

Dem "Handelsblatt" zufolge soll Reitzle nun bald zum Unternehmen zurückkehren, diesmal als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Im Mai 2014 war der Manager aus dem Unternehmen ausgeschieden, damit wäre seine zweijährige "Abkühlphase" in wenigen Monaten vorbei. Binnen zwei Jahren sollen ehemalige Spitzenmanager nach den Regeln der Corporate Governance keine neue Funktion im Kontrollgremium eines Konzerns übernehmen.

Derzeitiger AR-Chef "grundsätzlich bereit"?

Laut der Zeitung ist der derzeitige Aufsichtsratschef, der inzwischen 77jährige Manfred Schneider "nach anfänglichem Widerstand grundsätzlich bereit", den Weg für Reitzle an der Spitze des Aufsichtsrates freizumachen. Reitzle selbst wird nach den Informationen wohl bereit sein, den Schritt zurück zum Unternehmen zu machen - er gilt Linde als stark verbunden.

Ob unter seiner Führung im Kontrollgremium allerdings die aktuellen Probleme bei Linde erfolgreich gelöst werden können, bleibt abzuwarten. Linde leidet in der Industriegase-Sparte, die Produkte zum Beispiel für die Chemieindustrie bereitstellt, unter einer allgemeinen Konjunkturabkühlung. Beim kleineren Anlagenbau macht sich ebenfalls die Zurückhaltung der Kundschaft negativ bemerkbar.

Aktie mit Schlagseite

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
149,05
Differenz absolut
0,50
Differenz relativ
+0,34%

An der Aktie kann man die schlechteren Unternehmensaussichten bereits seit längerem ablesen. Der Titel rutschte zwar Ende November mit einem Schlag um 14 Prozent abwärts, hatte aber bereits zuvor seinen langfristigen Aufwärtstrend verlassen. Auf Sicht eines Jahres hat die Linde-Aktie fast 20 Prozent eingebüßt, während der Dax in etwa auf demselben Niveau notiert.

AB

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