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Übernahmeangebot im Köcher?

Lenovo hat RIM im Visier

Der chinesische Computer-Konzern Lenovo hält nach Übernahmezielen im Mobilfunkgeschäft Ausschau. Die kanadische Research in Motion (RIM) könnte offenbar ins Konzept passen. Die RIM-Aktie springt schon einmal hoch.

Um rund vier Prozent stieg die RIM-Aktie im nachbörslichen Handel an. Anleger hoffen offenbar auf Schützenhilfe für das angeschlagene Unternehmen, das die einst kultigen "Blackberrys" herstellt, zuletzt aber dramatisch an Marktmacht verloren hat.

Eine Äußerung des Lenovo-Chefs Wong Wai Ming beim Weltwirtschaftsforum in Davos elektrisierte die Anleger. Der Manager eines der größten PC-Unternehmens hatte seine Pläne der Verstärkung im Mobilfunk-Geschäft skizziert. Die Übernahme von RIM sei eine von vielen Optionen dabei. Und: "Wir werden nicht zögern, wenn sich die richtige Chance bietet."

Die Chance bei RIM scheint auf der Hand zu liegen: In den vergangenen Wochen wurde am Kapitalmarkt, aber auch von RIM selbst sogar von einer Zerschlagung des Unternehmens in Einzelteile gesprochen. Der aus Deutschland stammende Firmenchef Thorsten Heins hatte vor wenigen Wochen noch der "Welt" gegenüber geäußert, dass es mehrere Möglichkeiten der Selbstauflösung gebe, etwa den Verkauf der Hardware-Produktion ebenso wie die Lizenzierung der Software.

Wieder Mini-Gewinn erzielt

RIM war in den vergangenen Jahren vom Anführer der Entwicklung im Smartphone-Bereich ins Hintertreffen geraten und hatte vor allem gegenüber den Marktführern Apple und Samsung gewaltig an Marktmacht und auch Ansehen verloren. Im abgelaufenen Quartal hatte RIM beim Verkauf seiner Blackberrys und Playbooks einen Umsatzrückgang von 47 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Immerhin war wieder ein kleiner Gewinn im einstelligen Millionenbereich angefallen.

Am kommenden Mittwoch steht mit der Präsentation des neuen Betriebssystems Blackberry 10 ein vielleicht entscheidender Termin für RIM an. Experten sind von dem technischen Niveau der Software begeistert, Analysten halten den Zeitpunkt der Einführung für womöglich zu spät.

IBM-Sparte erfolgreich integriert

Da käme Lenovo als finanziell starker Partner wohl gerade recht. Die Chinesen haben zudem Erfahrungen bei der Übernahme und Integration ausländischer Technologie. Einst hatte Lenovo nämlich die PC-Sparte des Computerpioniers IBM übernommen und mit großem Erfolg integriert.

Die Aktie von RIM hat dennoch weiterhin arge Schlagseite. Nach einst 90 Euro im Frankfurter Handel im Jahr 2009 war der Titel bis auf fünf Euro im Herbst 2012 abgestürzt. Seitdem hat eine kleine Erholung eingesetzt. Ob sie von Dauer ist, bleibt in den kommenden Tagen und Wochen abzuwarten.

Stand: 25.01.2013, 10:53 Uhr

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