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Banken

Ein Börsenhändler steh am 15. September 2008 fassungslos vor der Börse

Milliardenschwerer Vergleich

Lehman-Pleite: JPMorgan will endlich reinen Tisch

Stand: 26.01.2016, 07:35 Uhr

Im Zuge der Lehman-Pleite sah sich JPMorgan mit einigen unschönen Vorwürfen und Schadenersatzforderungen konfrontiert. Die will die US-Großbank nun loswerden. Koste es, was es wolle!

JPMorgan strebt einen Vergleich mit der in Abwicklung befindlichen Investmentbank Lehman und deren Gläubigern an. Die Vereinbarung sieht eine Barzahlung von insgesamt 1,42 Milliarden Dollar an die Kläger vor.

Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die in der Nacht zum Dienstag in New York veröffentlicht wurden. Der Vergleich muss noch vom zuständigen Insolvenzgericht abgesegnet werden.

Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co.

JPMorgan-CEO Jamie Dimon will von Lehman nichts mehr wissen. | Bildquelle: colourbox.de

Lehman-Pleite befeuert?

JPMorgan Chase: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Vorwurf der Kläger: JPMorgan habe durch das Einfrieren von Milliarden-Guthaben die Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 befeuert. Lehman sei dadurch in eine unmittelbare Liquiditätskrise geraten.

JPMorgan hatte Gelder und Sicherheiten der Investmentbank im Gesamtwert von mindestens 17 Milliarden Dollar drei Tage vor dem Insolvenzantrag (15. September 2008) einbehalten.

Größter Bankrott der US-Geschichte

JPMorgan soll mit diesem Schritt versucht haben, sich einen Vorteil vor allen anderen Lehman-Gläubigern zu verschaffen.

Zum Kreis der Lehman-Gläubiger zählten fast alle Wall-Street-Banken sowie die meisten großen Finanzinstitute in Europa, Japan und China. Die Lehman-Pleite war der größte Bankrott in der US-Geschichte, die Schulden beliefen sich seinerzeit auf 613 Milliarden Dollar.

JPMorgan war nicht in der Pflicht

Mit dem 1,4 Milliarden Dollar schweren Vergleich legt JPMorgan nun den Großteil der Klagen in dem Lehman-Rechtsstreit bei, die sich auf insgesamt 8,6 Milliarden Dollar summierten. Die Zahlung soll laut einem Insider keine nennenswerten Auswirkungen auf die Ergebnisse des Instituts haben.

Der Vergleich kommt fast vier Monate nach einem Gerichtsurteil zugunsten von JPMorgan. Demnach war die Bank nicht verpflichtet, Lehman am Leben zu halten.

ag

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