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Kuka-Roboter

Übernahmekampf

Kuka: Wer macht das Rennen?

Stand: 07.03.2016, 15:41 Uhr

Die orangefarbenen Roboter des Augsburger Maschinenbauers Kuka stehen längst in jeder Autofabrik. Jetzt ist um die Firma eine erbitterte Übernahmeschlacht entbrannt. Das treibt die Aktien in immer luftigere Höhen.

Am Morgen kletterten die im MDax notierten Kuka-Papiere auf einen neuen Höchststand von 89,40 Euro. Damit entfernen sie sich immer mehr von ihrem bisherigen Jahrestief im Januar bei 68 Euro. Auch im Jahresvergleich erweisen sich die Aktien des Augsburger Unternehmens als lukrative Anlage. Während die meisten Dax-Werte noch 15 bis 20 Prozent tiefer notieren, schafft Kuka einen Zuwachs von 22 Prozent.

Tatsächlich profitiert das Unternehmen von der derzeit stattfindenden Digitalisierung der Industrieproduktion, auch als Industrie 4.0 bekannt. Dabei lernen die Roboter untereinander und mit den Mitarbeitern zu kommunizieren. Das macht den drittgrößten Roboterhersteller der Welt begehrenswert - und zwar zunehmend bei den Chinesen.

Chinesen wollen nachkaufen

Im August war der chinesische Hersteller von Klimaanlagen, Reiskochern und Mikrowellen, Midea, mit 5,2 Prozent bei Kuka eingestiegen. Im Februar wurde bekannt, dass Midea seine Beteiligung an dem Augsburger Maschinenbauer von 5,2 auf 10,4 Prozent erhöht hat. Und damit sind die Chinesen noch lange nicht zufrieden. Sie haben angekündigt, ihre Beteiligung weiter aufstocken zu wollen. Kein Wunder, dass die Aktie unter diesen Umständen auf Kletterkurs bleibt.

Befeuert wurde der Kurs auch von Großaktionär Friedhelm Loh. Der besitzt seit August 2014 rund zehn Prozent der Anteile und hat ebenfalls angekündigt, weiter zukaufen zu wollen. Dritter im Bunde ist der schwäbische Maschinen- und Anlagenbauer Voith. Er besitzt 25,1 Prozent der Stimmrechte, die er Ende 2014 vom früheren Großaktionär Grenzebach erworben hat.

Strategisches Investment

Für Voith, der zuvor bereits mit einer Beteiligung am Karbonfaserhersteller SGL Group aufgefallen war, ist die Beteiligung ein strategisches Investment. "Die Informatisierung und Automatisierung wird die industriellen Fertigungsabläufe in den nächsten Jahren fundamental verändern. Roboter sind hierbei die Schlüssel-Komponente für die digitalisierte Industrie der Zukunft und den Megatrend Industrie 4.0", erklärte das Unternehmen den Grund seines Zukaufs.

Was genau die Großaktionäre mit ihren Beteiligungen vorhaben, bleibt allerdings im Unklaren. Die chinesische Midea bekannte sich in einer Pflichtmitteilung dazu, mit dem Engagement strategische Ziele zu verfolgen, ohne sich dazu genauer zu äußern.

Nicht nur Freude

Der kräftige Kursanstieg der Kuka-Aktie in den letzten drei Jahren - noch vor drei Jahren war das Papier keine 30 Euro wert - dürfte die beiden mittelständischen Aktionäre nicht nur freuen, erschwert er ihnen doch den Erwerb zusätzlicher Anteile. Im Gegensatz zu den Chinesen, die sich auch von einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von derzeit 27 nicht abschrecken lassen dürften.

Neben den Spekulationen blühen auch die Umsätze. Dank der Übernahme des Schweizer Maschinenbauers Swisslog sind die Erlöse von Kuka im Geschäftsjahr 2015 um satte 41,5 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro gesprungen. Das vorläufige Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erreichte ohne die Berücksichtigung des Kaufpreises für Swisslog einen Wert von 194,3 Millionen Euro, nach 141,8 Millionen ein Jahr zuvor. Die Ebit-Marge betrug 6,6 Prozent. Die Auftragseingänge haben sich ebenfalls der Drei-Milliarden-Grenze angenähert.

Hohe Bewertung

Trotzdem rechtfertige das operative Geschäft keine so hohen Bewertungen wie derzeit, meint Sebastian Growe, der Kuka-Experte der Commerzbank. Die Baader Bank hält die Kuka-Aktie sogar für überwertet. Mehr als 81 Euro sei das Papier derzeit nicht wert, schreibt Analyst Peter Rothenaicher. Der vom Branchenverband VDMA berichtete Rückgang der Neuaufträge im Januar sei eine Enttäuschung für die Maschinenbauer.

Die Analysten verweisen darauf, dass die Geschäftsentwicklung maßgeblich vom Erfolg der chinesischen Regierung abhängen, eine Rezession zu vermeiden und das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren. Ob dies gelinge, sei mehr als ungewiss. Wer deshalb in Aktien des Roboterbauers investiere, spekuliere daher mehr auf eine Übernahmeschlacht als auf eine stürmische Geschäftsentwicklung.

lg

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