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Versorger

RWE-Zentrale in Essen

"Erwarten Ausschüttung"

Kommunen fordern Dividende von RWE

Stand: 29.12.2016, 09:15 Uhr

Der Ausfall der Dividende von RWE hat in diesem Jahr einige Städte im Ruhrgebiet hart getroffen. Eine erneute Nullrunde wollen mehrere kommunale Aktionäre nicht hinnehmen. Sonst könnten sie ihre Anteile verkaufen, drohen sie.

Solch einen Schock wie Mitte Februar 2016 wollen die kommunalen Aktionäre von RWE nicht noch einmal erleben. Damals strich der Essener Energieversorger erstmals seit über 50 Jahren die wichtige Dividende. "Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume", sagte damals Lars Martin Klieve, Kämmerer der Stadt Essen. Den Kommunen am Rhein und Ruhr, die noch gut 24 Prozent der Anteile an RWE halten, entgingen durch den Dividenden-Wegfall  fest einkalkulierte Einnahmen von rund 150 Millionen Euro.

Dortmund prescht vor

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Eine nochmalige Streichung der Ausschüttung für 2016 wollen die Kommunen nicht akzeptieren. "Wir erwarten, dass RWE im kommenden Jahr wieder eine Dividende auszahlt", erklärte Guntram Pehlke, Vorstandschef des Dortmunder Versorgers DSW21, im "Handelsblatt". Die Dortmunder Stadtwerke halten vier Prozent der RWE-Anteile und sind damit der größte kommunale Einzelaktionär. Die Stimme der Dortmunder hat Gewicht.

Ähnliche Töne kommen aus Mülheim. Uwe Bonan, Kämmerer der Stadt, geht davon aus, dass RWE "die Dividendenzahlung wieder aufnehme. Und auch der einflussreiche Landschaftsverband Westfalen-Lippe erwartet für das Geschäftsjahr 2016 eine Ausschüttung. Man sei sich zwar der schwierigen Lage des Unternehmens bewusst, "hätte aber kein Verständnis für eine dauerhafte Streichung der Dividende", betonte der Verband laut "Handelsblatt".

"Mehr Spielraum für eine Dividende"

Die Perspektiven für die herkömmlichen Kraftwerke seien zwar nach wie vor schlecht, räumt Dortmunds oberster Stadtwerker Pehlke ein. Durch den erfolgreichen Börsengang der abgespaltenen Ökostrom-Tochter Innogy habe RWE aber mehr Geld eingenommen als erwartet. "Der Spielraum, eine Dividende auszuschütten, ist größer", meint Pehlke.

Der mächtige Verband Kommunaler Aktionäre hat sich öffentlich noch nicht in die Debatte um die Dividende für das Geschäftsjahr 2016 eingemischt. Laut dem "Handelsblatt" üben die Vertreter gewaltig Druck auf das RWE-Management aus. "Wir brauchen die Dividenden, um unsere Mitglieder beisammenzuhalten", heißt es aus dem Verband. "Es gibt Auflösungstendenzen."

Die ersten Kommunen verkaufen ihre Aktien

Tatsächlich haben schon einzelne der 130 an RWE beteiligten Kommunen und Landkreise ihre Anteile verkauft. Die Stadt Bochum veräußerte Anfang September 2,2 Millionen RWE-Aktien, die erste Tranche ihrer 6,6 Millionen Papiere. Der Landkreis Osnabrück beschloss kürzlich ebenfalls den Verkauf von 2,1 Millionen RWE-Papieren. Und auch die Stadt Bottrop entschied sich im November, ihre gut 500.000 Aktien zu veräußern.

Selbst der harte Kern zerfällt. Die RW Energie Beteiligungsgesellschaft (RWE B), in der Dutzende einflussreiche Kommunen ihre Anteile über Zwischenholdings gebündelt haben, hält inzwischen nur noch 14,2 Prozent am Essener Versorger. Jahrelang war die Marke von 15 Prozent eisern verteidigt worden.

Verband der kommunalen Aktionäre gegen Ausstieg

Städte wie Essen und Dortmund wollen hingegen an ihrem RWE-Engagement festhalten. Ein Ausstieg aus der RWE-Aktie sei weder strategisch noch finanzwirtschaftlich sinnvoll, sagte im Oktober der Geschäftsführer des Verbandes der kommunalen RWE-Aktionäre, Ernst Gerlach. Die Kommunen sollten nicht "den Verführungen des Dollarzeichen erliegen". Es gebe derzeit kaum eine Anlage mit ähnlicher Rentabilität.

Der RWE-Vorstand hat sich bislang noch nicht zu seiner geplanten Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2016 geäußert. Der neue RWE-Chef Rolf Martin Schmitz erklärte lediglich, dass die Dividende ja nicht dauerhaft gestrichen sei.

Die RWE-Aktie verliert am Donnerstagmorgen gut 0,5 Prozent. Sie notiert aktuell in etwa auf dem Niveau, wo sie vor einem Jahr stand.

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RWE ST

Ganz oben auf der Liste der deutschen Dividenden-Flops steht für DividendenAdel RWE. Eigentlich hatten die Anleger eine Ausschüttung von mindestens 0,50 Euro erwartet. Umso größer sei dann der Schock gewesen, als Vorstandschef Peter Terium die Aktionäre im Februar auf Nulldiät setzte, erklärt Christian W. Röhl, Gründer von DividendenAdel. Für ihn war das mit Blick auf die Situation des Konzerns allerdings "ein längst überfälliger Einschnitt“. Denn ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell sehe anders aus.

nb

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