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Reaktionen

Kleine Bulle- und Bär-Figuren an der Frankfurter Börse

Nach den Anschlägen von Paris

Keine Panik an den Börsen

Stand: 16.11.2015, 11:39 Uhr

Die Anschläge von Paris haben auf der ganzen Welt Bestürzung ausgelöst. Doch an den Börsen reagieren die Anleger relativ gelassen. Kein Vergleich mit Nine-Eleven.

An der Pariser Börse verliert der Leitindex Cac 40 am Morgen 1,1 Prozent, dreht aber schon am Vormittag ins Plus. Auch der Dax in Frankfurt eröffnet zunächst 0,9 Prozent tiefer, bevor er sich erholt. Kein Vergleich also mit den Anschlägen in New York vor 14 Jahren, als die Wall Street zunächst eine Woche geschlossen blieb und dann am ersten Handelstag nach der Zwangspause gut sieben Prozent einbüßte.

Auch der Euro hat nur leicht nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,0730 Dollar und damit etwas weniger als vor den Anschlägen am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,0764 (Donnerstag: 1,0726) US-Dollar festgesetzt.

CAC 40: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
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4.474,94
Differenz absolut
-31,17
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-0,69%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1226
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0,00
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+0,11%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.337,46
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0,38
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Geringe Auswirkungen auf die Konjunktur

Gleichzeitig ist der Goldpreis nur leicht, um 0,3 Prozent, gestiegen. Dabei gilt das Edelmetall als Gratmesser für die Stimmung der Anleger nach Anschlägen.

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ARD-Börse: Reaktionen auf Anschläge in Paris

Ökonomen erklären die relative Gelassenheit der Finanzmärkte mit der Überzeugung der Investoren, dass die Anschläge geringe Auswirkungen auf die globale Konjunktur haben werden. "Solange die Anschläge von Paris nicht der Beginn einer fortgesetzten Reihe von Anschlägen sind, gehen wir davon aus, dass die makroökonomischen Auswirkungen begrenzt und von kurzer Dauer sein werden", meint Malcolm Barr, Analyst bei der Bank JP Morgan.

Entschlossenheit hilft

Gestützt werden die Märkte auch von der Entschlossenheit mit der die Politik und die breite Öffentlichkeit auf die Terrorakte reagieren. Statt in Schockstarre zu verfallen, hat die französische Luftwaffe noch am Wochenende ihre Bombardierungen gegen IS-Stellungen intensiviert. Und Frankreichs Bürger bekunden trotzig, ihre bisherigen Lebensgewohnheiten nicht ändern zu wollen.

Nach Ansicht von Experten dürften kurzfristig vor allem die Branchen leiden, die direkte Auswirkungen spüren könnten. Dazu gehöre vor allem die Tourismusbranche. Tatsächlich sind die Papiere der Hotelkette Accor am Morgen mit über sechs Prozent die größten Verlierer im Cac40. Zudem geben auch die Aktie den Luxusgüterkonterne Kering und LVMH überdurchschnittlich nach. Die Papiere von Air France/KLM verlieren knapp sechs Prozent.

Wie damals in London?

Damit zeichnet sich ein ähnliches Szenario ab wie nach nach den Bombenanschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Bus im Jahr 2005. Damals gab es nur einen Tag lang einen Rücksetzer an den europäischen Börsen - sie büßten rund drei Prozent ein - , bevor sich die Kurse wieder auf dem Niveau vor den Explosionen einpendelten, obwohl London ein bedeutendes Finanzzentrum ist.

Ganz anders war die Reaktion nach den Anschlägen gegen das World Trade Center in Manhattan am 11. September 2001. Damals verlor der Dow Jones Index am ersten Handelstag nach einer siebentäigen Zwangspause mehr als sieben Prozent. Erst 40 Handelstage später notierten die Aktien wieder auf dem Niveau vor den Anschlägen.

Die Wirtschaft nicht in die Knie gezwungen

Tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass sich die Wirtschaft selbst bei Groß-Anschläge wie Nine-Eleven rasch wieder erholt. So verweist Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer darauf hin, dass die Amerikaner 2001 den Schock der Anschläge relativ schnell überwanden. Schon im Oktober seien die Einzelhandelsumsätze wieder gestiegen. Auch die US-Industrieproduktion sei im September 2001 nur deshalb leicht gefallen, weil die Wirtschaft nach dem Platzen der Aktienblase im Frühjahr 2000 ohnehin in der Rezession war. "Alles in allem war es den Terroristen damals nicht gelungen, der US-Wirtschaft einen Unsicherheitsschock zu versetzen. Genausowenig dürfte es auch in unserem Nachbarland den Terroristen gelingen, das wirtschaftliche Leben in die Knie zu zwingen", so Krämer.

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Welche Aktien Schwäche zeigen

Von Accor bis Air France

Accor

Zu den französischen Aktien mit den höchsten Verlusten gehören die Papiere des Hotel- und Touristikkoonzerns Accor. Die im Leitindex CAC40 notierten Titel verlieren in der Spitze mehr als sechs Prozent. Das 1967 gegründete Unternehmen ist einer der größten Hotelbetreiber der Welt. Es erzielte 2014 einen Umsatz von 5,45 Milliarden Euro.

lg

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