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Wochenausblick

Ein Mann kämpft sich bei Wind und Wetter mit Regenschirm über eine Wiese

Dax-Turbulenzen

Kein Ende der Krise in Sicht

Stand: 14.02.2016, 12:17 Uhr

Die Anleger sollten auch in der kommenden Woche wieder mit Kursverlusten rechnen. Zu unklar ist die konjunkturelle Lage, als dass die Fachleute schon Entwarnung geben könnten.

Die vergangene Woche verlief für die Investoren wieder ziemlich gruselig. Was für ein Börsenjahr bislang. Die Agentur Bloomberg rechnet vor, dass der deutsche Leitindex in diesem Jahr ähnlich verheerende Kursverluste verzeichnete wie die Börse in Nigeria. Immerhin: Dank einer Freitagsrally ging der Dax nach einer Berg- und Talfahrt "nur" mit einem Minus von 3,1 Prozent auf 8.967,51 Zählern ins Wochenende. "Viel hat in dieser Woche beim deutschen Aktienindex nicht gefehlt bis zum Test seines Tiefs aus 2014 bei knapp 8.350 Punkten. Daher bleibt diese Marke im Fokus der Anleger, die auch der jüngsten Erholung nicht so recht über den Weg trauen", kommentiert Andreas Paciorek, Marktbeobachter von CMC Markets.  

Dax
Kurs
10.626,97
Differenz absolut
-47,21
Differenz relativ
-0,44%
Kurs
18.261,45
Differenz absolut
-131,01
Differenz relativ
-0,71%
Kurs
16.754,02
Differenz absolut
-53,60
Differenz relativ
-0,32%

Der US-Leitindex Dow Jones sackte in der vergangenen Woche 1,4 Prozent ab. Vermutlich dürften die Probleme, die den Aktienmarkt nun schon seit Wochen auf Trab halten, auch in den kommenden Tagen für Missstimmung sorgen. Zum Wochenstart muss der Dax wegen eines Feiertags ohne Unterstützung der Wall Street klarkommen. Dafür steht die Wiedereröffnung der Börsen in Shanghai und Shenzhen an, die wegen der chinesischen Neujahrsfeiern in der alten Woche geschlossen blieben.

Gold als sicherer Hafen

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
1.337,46
Differenz absolut
0,38
Differenz relativ
+0,03%

Ein wichtiges Stichwort lautet derzeit: Rezessionsangst. Die Investoren registrieren den rasanten Ölpreis -Verfall, die Abkühlung der chinesischen Konjunktur und die schwächelnde US-Wirtschaft mit großer Sorge. Dies schürt Experten zufolge Spekulationen auf wachsende Kreditausfälle und eine Schieflage des Bankensektors. "Viele Anleger sehen in der Stimmungsverschlechterung an den Finanzmärkten bereits Vorboten einer systemischen Krise wie 2008", kommentiert Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank.

Ein Blick auf den Goldpreis und den Kurs für Bundesanleihen bestätigt diese Auffassung. Der Bund-Future, der auf zehnjährigen Bundesanleihen basiert, stieg vergangene Woche von einem Rekord zum nächsten. Die "Antikrisen-Währung" Gold ist mit etwa 1240 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie zuletzt vor einem Jahr.

Parallelen zum Jahr 2008?

"Nicht wenige Marktteilnehmer ziehen Parallelen zur Situation im Jahr 2008 - mit vergleichbaren Auswirkungen auf die Aktienmärkte", sagt Anlagestratege Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg. Aus seiner Sicht hat der Dax seine Talsohle noch nicht durchschritten.

Analyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank stellt fest, dass insgesamt Kursrückgänge im kaum noch zum Aufstocken von Aktienpositionen genutzt würden. Vielmehr nutzten Anleger Kurserholungen, um ihre Aktienpositionen zu reduzieren. Kurzfristig dürfte der Handel nervös bleiben mit hohen Schwankungen. Der Fachmann Halver meint dazu, dass Risikovermeidung momentan oberstes Anlegergebot zu sein scheine.

Aktien jetzt wieder günstig?  

Aber es gibt auch Analysten, die in der aktuellen Situation eine Chance sehen: "Die Aktienmärkte haben im Zuge der Korrektur eine deutliche Verbesserung der Bewertungsindikatoren gesehen, viele Unternehmen werden am Aktienmarkt so tief bewertet wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung zunächst noch gehemmt verlaufen sollte, scheinen die Abschläge übertrieben", schreiben die Experten der DZ Bank in ihrem Wochenausblick.

Auch Commerzbank-Experte Hürkamp hat seinen Optimismus noch nicht verloren: "Trotz des anhaltend niedrigen Ölpreises und der Krisensignale aus dem Bankensektor teilen wir nicht den Pessimismus der Aktienmärkte." So werde China dank der Maßnahmen des Staates und der Notenbank wohl einen konjunkturellen Absturz vermeiden. Zudem hält Hürkamp eine Rezession in den USA für unwahrscheinlich, weil dort die Hauspreise stiegen und der Arbeitsmarkt robust sei.

Wieder mal schaut die Welt auf Yellen

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Stabilität der US-Wirtschaft sei ins Wanken geraten, schreibt dagegen Robert Halver. "Es mehren sich die Bedenken, dass die seit Oktober 2015 rezessive Stimmung in der US-Industrie - als Folge der Schwäche am US-Energiesektor und psychologisch angefacht durch die Leitzinswende der Fed - sogar auf den gesamtwirtschaftlich wesentlich bedeutenderen Dienstleistungssektor übergreifen könnte."

Mittlerweile haben sich die Anleger daran gewöhnt, dass die Notenbanken bereut stehen, wenn die Sorgen allzu groß werden. Sie werden die Wirtschaftsnachrichten der neuen Woche darauf abklopfen, was sie für die Geldpolitik der Notenbank (Fed) bedeuten. Bereits seit Wochen geht die Sorge um, dass Janet Yellen mit einer zu harten Gangart die Konjunktur abwürgt.

Der ZEW steht an

Zuletzt hatte die Fed-Vorsitzende zwar vor Wachstumsrisiken gewarnt, sich aber auch zuversichtlich zum Zustand der US-Wirtschaft geäußert. Neue Erkenntnisse über das Vorgehen der Fed erhoffen sich die Investoren auch von dem Protokoll der Notenbanksitzung von Ende Januar, das am Mittwoch veröffentlicht wird.

Am Donnerstag stehen dann das Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia und die US-Frühindikatoren auf dem Terminplan. Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank warnt allerdings, dass selbst auf den ersten Blick positive Daten den Börsen nicht unbedingt Auftrieb geben werden. "Investoren suchen derzeit verstärkt nach dem Haar in der Suppe." Einblicke in die Stimmungslage der deutschen Börsenprofis liefert am Dienstag der ZEW-Index.

Auch die Berichtssaison bleibt ein Thema. In der kommenden Woche werden unter anderem Beiersdorf, die Deutsche Börse sowie Allianz berichten.

ts/rtr/dpa  

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