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Banken

JPMorgan-Gebäude in New York

Rückstellungen wegen fauler Kredite

JPMorgan hat ein Ölproblem

Stand: 24.02.2016, 09:23 Uhr

Die Einschläge durch Pleiten in der Öl- und Gasbranche kommen offenbar immer näher. Der US-Bankenriese muss immer mehr Geld für Ausfälle in dem Sektor zurücklegen. Das kommt an der Börse nicht gut an.

Die Aktie von JPMorgen rutschte am gestrigen Abend im nachbörslichen Handel um mehr als vier Prozent abwärts. Zuvor hatte das Institut bekannt gegeben, dass im laufenden ersten Geschäftsquartal einiges bei der Bank nicht so ganz rund läuft.

Börsen-Baisse lässt Handel erlahmen

So sind die Erträge im Investmentbanking im Jahresvergleich in den ersten Wochen 2016 deutlich zurückgefallen. JPMorgan musste beim Handel mit Anleihen und Aktien Einbußen von rund 20 Prozent hinnehmen, wie Daniel Pinto, oberster Investmentbanker des Hauses erklärte. Ein wenig hinkt der Vergleich allerdings, denn im Vorjahr hatte der Franken-Crash dem Haus eine Art Sonderkonjunktur beschert. Der Währungs- aber auch Aktien- und Anleihenhandel hatte hohe Volumina erreicht, nachdem die Schweizer Notenbank überraschend die Kopplung des Franken an den Euro aufgegeben hatte.

Dennoch macht sich der Rückgang der Börsenkurse seit Jahresbeginn, der auch mit geringeren Handelsumsätzen einhergeht, auch in der Bilanz der großen Investmentbanken bemerkbar.

Domino-Effekt als Folge des Ölpreis-Schwundes

Noch prekärer allerdings sind die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises für viele Großbanken. Die sinkende Nachfrage nach dem Rohstoff bringt viele Öl-Firmen, darunter auch reihenweise Öl-Förder- und Explorations-Spezialisten an den Rand der Pleite. Deren Investitionen in die Erschließung neuer Ölfelder und Ausrüstung sind zumeist kreditfinanziert, und die Banken, die diese Kredite gewährt haben, erfahren den Druck nun mittelbar.

Für JPMorgan bedeuten die möglichen Kreditausfälle in der Branche nun deutlich höhere Rückstellungen, die natürlich die Gewinnausbeute schmälern. Laut Angaben von gestern muss die Bank weitere 500 Millionen Dollar an Reserven bilden. Ende vergangenen Jahres hatte man schon 815 Millionen Dollar zurückgestellt.

Finanziell mit den Rücken zur Wand

Ob das das Ende der Sicherungsmaßnahmen ist, bleibt einstweilen offen. Und es dürfte stark mit der künftigen Ölpreis-Entwicklung zusammenhängen, ob ein "Massensterben" vor allem kleiner und mittlerer Öl-Firmen einsetzt. Einer Studie der Wirtschafts-Prüfungs-Gesellschaft Deloitte zufolge steht fast ein Drittel aller Öl- und Gasfirmen in den USA mit dem Rücken zur Wand. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat in einer aktuellen Studie weltweit bereits 19 "Defaults", also die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit gezählt. Das ist ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr; und 17 der 19 Firmen stammen aus den USA.

AB

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